Frankfurter Gemeine Zeitung

Von der Spitze des Zuges

Vorab: dieser Zug sollte nie die Innenstadt erreichen, geschweige denn auch nur in der Stadt wahrgenommen werden. Hier wurde nach einem Ausgleich gesucht für all die Aktionen, die so phantasievoll und gut gelaufen sind, hier mussten sich die Gewaltphantasien von Rhein und Konsorten austoben.
Wer es noch nicht begriffen hat: wer die Regeln aufstellt, hat die Macht und den Vorsatz sich im Bedarfsfall nicht an sie zu halten. Wenn jetzt in einigen Monaten Gerichte entscheiden, dass hier bis zur offenen Rechtsbeugung alles vertreten war, so beruhigt dies nicht, sondern dies muss Anlass sein, darüber nachzudenken, wieviel regelkonformes Verhalten in diesem Staat überhaupt wert ist und wohin dies nur führen kann.
Und noch ein weiteres: der Magistrat dieser Stadt hat sich ausdrücklich hinter das Vorgehen der Polizeikräfte gestellt und zwar in der typischen Arbeitsteilung: die CDU mit ihrem pubertierenden Ordnungsdezernenten und ihren rechten und neoliberalen Saubermännern vornweg, die Grünen aus purem Opportunismus dafür und der OB durch einen glänzenden Rückzug, wie er dies schon öfters jetzt praktizierte.
Das gab freie Hand für eine Polizeiführung, die aus dem System Koch mit seinen vielfältigen Seilschaften resultiert und die gerichtsbekannt, vor keinem Mittel zurückschrecken.
Bereits als der Zug sich gerade in Bewegung setzte, wurden Passanten und Beobachter schon vom Schauspielhaus weggescheucht mit dem Hinweis: „Hier wird es gleich ungemütlich.“
Und in der Tat waren hier bereits etwa 7 Hundertschaften in Bereitschaft, schweres Gerät aufgestellt und die gesamte Versorgungslogistik am Platz (selbst Dixies waren schon angeliefert). Wie auch zwei weitere Hundertschaften (die berüchtigten Stuttgarter) sich sofort um die Ecke schoben, um einen Verhaftungskorridor zu schaffen. Nebenbei wurden von Greiftrupps immer wieder ausgedeutete Personen überfallen (der Schreiber war einer davon). Glücklicherweise blieben die meisten am Platz, waren viele Presseleute vor Ort und harrten die Abgeordneten der LINKEN im Kessel aus solange die Bullen dies zuliessen.
Über die Argumentation der bewaffneten Macht ist anderswo genug geschrieben, über Twitter die Abläufe hinreichend dokumentiert. Dass am Schluss den „Demonstranten“ ein gute Heimfahrt gewünscht wurde, ist unfreiwillig komisch und vielleicht sogar ehrlich gemeint.
Wenn wie hier sichtbar wird sich politische Machtausübung und in dieser Stadt austobende Verwertungsinteressen derart innig die Hände reichen, dann müssen wir uns fragen, wie lange wir noch brav in jeden Kessel spazieren wollen, um letztlich damit zu demonstrieren, dass all dies zu nichts nutze ist, im Gegenteil für alle, die nicht in ihm sind, aufgezeigt wird, gar nicht erst mit dem Gedanken zu spielen, auf eine derartige Veranstaltung zu gehen.
Wie oft wollen wir es damit gut sein lassen, vielleicht eine Medien-Öffentlichkeit zu erreichen, die deutlich dokumentiert, wie hier Übertretungen und Beugungen des Rechts geschehen, die völlig konsequenzlos sind für all diejenigen, die sie aktiv betreiben.
Wenn die Herrschaften eine Unterbrechung der Verwertungszyklen in dieser Stadt derart unterbinden müssen, weil sie fürchten, dass damit das Gefüge dieser Stadt ins Wanken gerät dann sollten wir sofort damit beginnen, unsere Phantasie dafür einzusetzen, dass uns dies auch gelingt. Wohl kaum nur mit einem farbenprächtigen Umzug.
Wenn das System seine Zitadellen mit derart militärischen Mitteln und einem Freibrief für die damit betraute Exekutive zu schützen gedenkt, dann müssen wir sie unsererseits in Bewegung halten und uns nicht länger dort bewegen, wo sie sich aufstellen.
Empörung allein schleift sich ab an den alltäglichen Verhältnissen.
In und an Frankfurt wird gerade exerziert, was hier passieren könnte, demnächst, die Stufen der Abschreckung werden durchprobiert. Es reicht ganz einfach und da Wahlkampf ist, sind die Herrschaften gezwungen, sich ins Freie zu wagen, dort mögen wir sie heimsuchen.
Über weitere Schritte unsererseits allerdings sollten wir langsam anfangen, stringenter nachzudenken. Und dies nicht beschränkt auf einzelne Gegebenheiten wie eine Demonstration, denn weder fängt die immerweiter gehende Entrechtung hier an noch hört sie damit auf.


29 Kommentare zu “Von der Spitze des Zuges”

  1. Sandra

    …Sorry, dieses linksfaschistische Gelaber kann und darf man nicht einfach so unkommentiert stehen lassen. Auch wenn es hier mittlerweile nur noch der Zensor liest.

    “ausgedeutete Personen überfallen” was meinen Sie damit? Einfach so, oder haben Sie die Polizisten, wie es ja auch hier im Text tun, vorher als Bullen oder schlimmeres bezeichnet?

    “…dort mögen wir sie heimsuchen” was heißt das? Offene Gewaltandrohung?

    Ich bin sonst nicht so, aber wenn ich diese ganzen schlimmen Texte hier lese, erwisch ich mich bei dem Gedanken “Hoffentlich hat der wenigstens ordentlich auf die Fresse gekriegt.

    Viele Grüße
    Sandra
    -eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin-

  2. Moller

    Janeeisklar, kasSandra,

    als „eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin“ sollten Sie bei PI lesen. Da sind Sie richtig. Eben in der PI-ssrinne.

    Ich gehöre noch zu denen, für die es als höchste Form der Beleidigung und Verachtung gilt, im Netz oder in Foren jemanden zu siezen.

    Sie gehören zu denen, die nicht wissen, was Hyperventilation ist. Bildung schadet auch Ihnen nicht.

    Ihr Geschwurbel lasse ich gerne unkommentiert stehen.

    „Ich bin sonst nicht so, aber wenn ich diese ganzen schlimmen Texte hier lese, erwisch ich mich bei dem Gedanken “Hoffentlich hat der wenigstens ordentlich auf die Fresse gekriegt.“

    Das ist Ihr faschistisches Gedankengut.

  3. Florian K.

    Hallo Sandra,

    auf Ihre Fragen möchte ich gerne eingehen:

    1. Zitat: ““ausgedeutete Personen überfallen” was meinen Sie damit? Einfach so, oder haben Sie die Polizisten, wie es ja auch hier im Text tun, vorher als Bullen oder schlimmeres bezeichnet?”

    Waren Sie schon einmal dabei wie ein socher Greiftrupp in eine Menge hineinstürmt und Leute hinauszerrt?
    Ich habe das mehrfach live gesehen und kann Ihnen sagen, dass es dem Greiftrupp völlig scheißegal ist, ob einer irgendwas gerufen oder nur dumm geguckt hat.

    Ich glaube fast, dass es zur Strategie dieser Greiftrupps gehört auch dadurch Angst und Schrecken zu verbreiten, dass es nie wirklich durchschaubar ist, wen sie sich schnappen wollen.
    Und wenn es dann, wie so oft, einen Unschuldigen trifft, hat der eben Pech gehabt.
    Er wird den vermummten Polizisten, der ihm eine reingetreten hat, eh nicht identifizieren können.

    Außerdem gilt selbst bei einem vorliegenden Beleidigungstatbestand noch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Polizei hat deeskalierend zu arbeiten und das Verprügeln und Verhaften einer Person, bloß weil sie vielleicht “Bulle” gerufen hat, ist nicht deeskalierend.

    Aber abgesehen davon: Mit welchem Recht unterstellen Sie eigentlich unserem Autor, der ja selbst von der Polizei angegriffen wurde, er hätte irgendetwas Provozierendes gerufen oder getan?

    2. Zitat: “…dort mögen wir sie heimsuchen” was heißt das? Offene Gewaltandrohung?”

    Nein… Ein Aufruf zum friedlichen Protest gegen die Wahlkampfveranstaltungen bestimmter Politiker.

  4. Mimi

    Gestern habe ich mitbekommen, was die StaatsGEWALT bedeutet.

    Im Ernst: was ist ein Böller gegen die SYSTEMATISCHE Ausbeutung der Menschen und der Erde? Gegen Fausthiebe und Pfeffersprays?

    Die Beamten, die ihr Hirn ausschalten und auf Befehl für ein geregeltes Einkommen losprügeln sind arme Kreaturen. (oder steht “arme Kreatur” auf dem Index?)

  5. Trickster

    Werte Sandra,
    nun ist Ihnen doch bei aller so mühsam gepflegten Wohlgesonnenheit Ihr plebeisches Gemüt wieder dzwischen gekommen (Fresse, na,na). Schade, hatte ich gerade begonnen, Bürgerinnen wie Sie aufrichtig zu bewundern, vor allem, wie Sie es schaffen, aus zufällig aneinander gereihten Worten die Simulation halbwegs verst#ndlicher Aussagen hinzubekommen. Dafür, Chapeau! Gehen Sie dabei rein nach Klang oder benutzen Sie heimlich einen Zufallsgenerator (bisschen schummen macht nix)? Verraten Sie’s mir glegentlich.
    Einen Tip noch: Schaum aus den Mundwinkeln wischen!

  6. Bernhard S.

    Kleiner Korrektur: Die Dixies waren angemietet, nicht von der Polizei, so meine zuverlässige Quelle. Rein formal hat die Polizei die Dixies nach vier Stunden entwendet – aus humanitären Gründen. Die unbescholtenen Menschen im Polizeikessel konnten vier Stunden keine Notdurft verrichten, außer sie schissen vor 1000 Menschen auf die Strasse.

    Menschen, die im Kessel waren, sich nichts zuschulden kommen ließen, haben – nachdem sie bis max. 22:20 Uhr (!) lange festgehalten wurden – ein Aufenthaltsverbot bis 24:00 Uhr bekommen, obgleich eine zweite Protestkundgebung am gleichen Orte angemeldet war.

    Taunusanlage, Weg zum Main, irgendwann am späten Nachmittag: Wir durften die widerrechtlichen Sperren nicht passieren. Der Demonstrationszug war damit als solches halb eingekesselt. Vornehm gekleidete Opernkarten-Besitzer durften jedoch die Sperren ungehindert passieren. Es ist ein Akt der Freiheitsberaubung, dass definitiv friedfertige Demonstranten, am Verlassen der Demonstration z. B. zum Main hin, gehindert werden.

    Gegen Abend war diese unsinnige Sperre aufgehoben.

    Das ist kein Rechtsstaat mehr, wenn die Polizei willkürlich machen kann, was sie will!

  7. Bernhard S.

    Sandra ist wohl auch dafür, dass zweijährige Kinder, eindeutig keine Gewalttäter, mit Pfefferspray verletzt werden.

  8. Dealy Lama

    Ach, Sandra… mit deinem Kommentar hast du dich selbst entlarvt: “erwisch ich mich bei dem Gedanken “Hoffentlich hat der wenigstens ordentlich auf die Fresse gekriegt.”

    Postpubertär und dümmlich. Schön wäre es, wenn es noch viele mehr solcher selbstdesavouierender Äußerungen besorgter Bürgerinnen und Bürger gäbe, damit auch die Letzte weiß, wess’ Geistes Kind solche Figuren sind.

  9. Bernhard S.

    @Sandra: linksfaschistisch: So die unterschiedlichsten Demoteilnehmer zu diffamieren, ist beleidigend und ehrabschneidend.

    Was Faschismus ist, wissen Sie nicht. Wir verteidigen mit der Demonstration und unserem Engagement auch ein Grundrecht.

    Wenn ich ihren weiter gefassten Faschismusbegriff irgendwie ernst zu nehmen schaffe, dann müssten Sie sich für die Verbote aller Spiele unserer Fußball-Nationalmannschaft einsetzen. Machen Sie das? Wohl kaum.

    Vielleicht denken Sie mal nach und lassen sich Nachhilfestunden zum Thema Faschismus geben.

  10. Dealy Lama

    Jenseits unserer Bürgerprinzessin Sandra:

    Es ist schlichtweg zu früh für eine Strategie, die den Krieg der Herrschenden, genauer Besitzenden (an Produktionsmitteln) erwidert und aufnimmt. Blockupy ist für mich an der richtigen Stelle. Lasst uns immer wieder in die Kessel reinlaufen und geduldig ausharren. Wir zeigen wer und was sie und ihre politischen Funktionseliten sind.

    Mehr Möglichkeiten haben wir Antikapitalisten derzeit mangels Masse und Bewusstsein einfach nicht. Aber die Zeit spielt für uns: Klimawandel, steigende Lebensmittelpreise, zunehmende Verarmung großer Bevölkerungsteile sind nur ein paar Zutaten zu einem Sprengstoffgemisch, dass auch den Reichen, allerdings in barbarisierter, kleinbürgerlicher Form um die Ohren fliegen wird. Dann werden sie aus ihren gated communities gezogen und totgeschlagen werden.
    Wenn sie es so wollen….

  11. Ano

    Lasst euch doch nicht von Rechtsradikalen hochheben, ob von RCDS, CDU oder NPD. In Hessen gibt es da genung Auswahl, und zu welcher Front Avatar “Sandra” gehört, ist doch wurscht.
    Sollte hier einfach gesperrt werden.

  12. Panarteria

    Das traurige ist, dass Viele nicht begreifen, dass das alte Kriegsmittel “teile und herrsche” immer wieder gezielt von Staaten eingesetzt wird, um die Gesellschaft zu spalten und zu terrorisieren. Letzten Endes geht es nur um den Kampf zwischen arm und reich. leider kapieren das weder Nazis und Sympatisanten noch Polizisten. Statt zu begreifen, dass es auch ihre Rechte sind, um die hier gekämpft wird, setzen sie die Hasskappe auf und werden gewalttätig, stehen sich auch in ihrer “Gesinnung” einander näher als ihnen selbst klar ist (?)…Anderswo haben Polizisten oder Soldaten ihre Helme oder Waffen abgelegt und sich auf die Seite der Völker gestellt, aber vielleicht muss erst Blut fließen in Strömen, bevor auch der Letzte aufwacht, falls er nicht eh schon völlig verroht und abgestumpft ist. Manch
    einer sieht sich wohl gerne als Held im Dienste von…ja was eigentlich?

  13. Sandra

    Zu folgenden 3 Fragen möchte ich jetzt eine erschöpfende Auskunft von Ihnen (sollten Sie meinen Kommentar wieder löschen, weiß ich a) das ich recht habe, werde ich b) Ermittlungsbehörden und die örtliche Presse bei der Aufklärungsarbeit unterstützen; da mir zu einer der Fragen ein Augenzeuge persönlich bekannt ist)

    - wie äußern Sie sich zu dem Vorwurf, das die Situation erst eskalierte, nachdem ein Blockupist mit einem Schraubenzieher einen Polizisten in den Unterleib gestochen hat. Darüber hat u.a. die FAZ (siehe: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/frankfurt-schwerverletzte-bei-blockupy-demonstration-12204307.html ) berichtet (wenn das stimmen würde, wäre ja die Mär von den gewaltfreien Blockupisten, die eh niemand glaubte, passé)

    -wie äußern Sie sich zu der immer dringlicher gestellten Frage nach dem Geisteszustand der Eltern, die ein 2jähriges Kind mit zu einem Aufmarsch nehmen, bei dem Randale als 100% sicher galt.

    -wie äußern Sie sich zu dem Vorwurf, das den friedlichen mehrmals angeboten wurde weiter zu marschieren. Dieses aber, aus Solidarisierung mit den Gewalttätern, abgelehnt wurde.

    So, jetzt mal Butter bei die Fische.

    Viele Grüße
    Sandra
    -eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin-

  14. Florian K.

    @ Sandra:

    Liebe Sandra,

    gerne äußere ich mich dazu, natürlich nicht als “Sprecher” der FGZ, sondern in Form meiner persönlichen Meinung zu den von Ihnen vorgetragenen Kritikpunkten:

    1. Zitat:
    “wie äußern Sie sich zu dem Vorwurf, das die Situation erst eskalierte, nachdem ein Blockupist mit einem Schraubenzieher einen Polizisten in den Unterleib gestochen hat.”

    Dass die Situation erst eskaliert sei, als ein Occupist angeblich versuchte einen Polizisten mit einem Schraubenzieher zu verletzen, ist aus dem von Ihnen zitierten Artikel garnicht herauszulesen.
    Aus dem Artikel geht vielmehr hervor, dass der Angriff mit dem Schraubenzieher (bei dem die Schutzkleidung des Polizisten schwerere Verletzungen verhinderte) erst stattfand nachdem es zu Handgemengen kam.
    Diese Handgemenge wären nicht entstanden, wenn die Polizei auf rechtswidrige Schikanen gegen die Demonstranten verzichtet hätte.

    Wenn eine unter Stress stehende Person angesichts der Tatsache massiv bedrängt zu werden ausrastet ist dies natürlich nicht gutzuheißen.
    Die Attacke mit dem Schraubenzieher ist aus meiner Sicht trotz des Verhaltens der Polizei nicht akzeptabel.
    Sie stellt aber einen Einzelfall dar, der in keiner Form repräsentativ für Blockupy ist.

    Natürlich ist gegen eine Person, die einen Polizisten mit einem Schraubenzieher sticht, ein juristisches Verfahren einzuleiten.
    Als mildernder Umstand sei allerdings zu berücksichtigen, dass zuvor massive und klar rechtswidrige Angriffe seitens der Polizei stattgefunden haben.

    Hierbei sollte auch geprüft werden, in wieweit angesichts des unrechtmäßigen Verhaltens der Polizei, ein Fall von Notwehr seitens des Demonstranten vorlag. Das Notwehrrecht besteht nämlich auch gegen Polizisten, sofern diese einen rechtswidrigen Angriff begehen.

    Natürlich ist dem Demonstranten negativ anzurechnen, dass er einen spitzen Gegenstand auf der Demo dabeihatte. Dies sollte man wirklich nicht tun.
    Insgesamt kommt es aber auf die genauen Umstände an, welche in einem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft werden müssen (und zwar alle Aspekte, ob sie nun für oder gegen den Angeklagten sprechen)

    Zu wünschen wäre allerdings, dass es auch entsprechende Verfahren gegen Polizisten gäbe, die auf der Demo Personen verletzt haben.
    Leider aber werden diese Polizisten aufgrund ihrer Vermummung, mangelnder Kennzeichnung und korpsgeistbedingten Dichthaltens nicht zu ermitteln sein.

    2. “wie äußern Sie sich zu der immer dringlicher gestellten Frage nach dem Geisteszustand der Eltern, die ein 2jähriges Kind mit zu einem Aufmarsch nehmen, bei dem Randale als 100% sicher galt.”

    Ich halte die Eltern für völlig geistig gesund. Das Versammlungsrecht gilt auch für Eltern mit kleinen Kindern.

    Im Übrigen ist es völliger unsinn, dass Randale zu 100% zu erwarten gewesen sei.
    Die letzte Großdemonstration im Mai 2012 von Blockupy in Frankfurt verlief trotz vorher beschworener Alarmstimmung und massiven Repressalien weitestgehend friedlich.

    Wenn es diesmal zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten kam, so waren diese nicht überwiegend bedingt durch das Verhalten der Demonstranten, sondern durch das Verhalten der Polizei geltende Gerichtsbeschlüsse zu ignorieren und ungerechtfertigt schikanöse Maßnahmen gegen friedliche Demo-Teilnehmer einzusetzen.

    Im Übrigen erwarte ich von Polizisten genug common sense aufzupassen, dass sie bei ihren Aktionen keine kleinen Kinder verletzen.
    Die Polizisten haben immerhin ihre Ausbildung, ihre Schutzausrüstung, ihre gesamte Bewaffnung und das staatliche Gewaltmonopol im Rücken.
    Da ist es doch wohl das Mindeste, von Polizisten zu verlangen, dass sie dies verantwortungsvoll einsetzen.

    3. “wie äußern Sie sich zu dem Vorwurf, das den friedlichen mehrmals angeboten wurde weiter zu marschieren. Dieses aber, aus Solidarisierung mit den Gewalttätern, abgelehnt wurde”

    Meines Wissens nach handelte es sich nicht um Solidarität mit “Gewalttätern”, sondern um Solidarität mit eingekesselten friedlichen Demonstranten.

    In einem solchen Fall ist es wichtig, sich solidarisch zu zeigen um die eingekesselten Personen vor unverhältnismässigem Gewalteinsatz durch die Polizei zu schützen.

    4. “werde ich b) Ermittlungsbehörden und die örtliche Presse bei der Aufklärungsarbeit unterstützen”

    Das sollten Sie natürlich unbedingt tun. Die Polizei freut sich bestimmt über die Aussage einer Person, die zwar selbst nichts gesehen hat, aber immerhin einen Augenzeugen kennt, der etwas gesehen haben könnte.

    Interessant finde ich aber, dass Sie dies fast im Stile einer Drohung formulieren.
    So nach dem Motto: “Wenn die von der FGZ meine Fragen nicht beantworten, dann sage ich der Polizei, dass ich einen Augenzeugen für irgend etwas nicht näher Bestimmtes kenne. Das haben die dann davon.”

    Ja und??? Jetzt tun Sie doch mal Butter bei die Fische: Was will Ihr Augenzeuge denn gesehen haben?

    5. Sie bezeichnen uns hier so gerne als “Linksfaschisten”. Mich würde mal interessieren, wie Sie das Wort “Faschist” definieren und wie Sie auf die irrige Meinung kommen, dieses Wort treffe auf uns zu.

    Wenn Sie das nicht sinnvoll erklären können, brauchen Sie sich auch nicht wundern, wenn Ihre Beiträge gelöscht werden, denn dann handelt es sich schlicht und einfach um eine substanzlose Beleidigung.
    Und die Beiträge von Personen, die regelmäßig durch substanzlose Beleidigungen auffallen werden nun mal in fast jedem Forum der Welt gelöscht.

    @ alle die Sandra hier am liebsten gebanned sehen wollen:

    Ich finde es sinnvoll ihre Beiträge stehen zu lassen. Immerhin schreibt sie uns unter ihrer hier bekannten E-Mailadresse mit ihrem richtigen Namen. Sie kämpft also gewissermaßen mit “offenem Visier” und nicht nur mit einem Nazi-Trollaccount unter falschem Namen.
    Außerdem halte ich sie garnicht für eine echte Nazi-Tante. Ihre Beiträge geben lediglich die Haltungen wieder, die an bundesdeutschen Trinkbüdchen weit verbreitet sind.

    Angesichts ihrer offenkundig prekären Bildungssituation finde ich es sogar notwendig sich zumindest insoweit ihr gegenüber solidarisch zu zeigen, dass man versucht ihr argumentativ neue Betrachtungsweisen und weitere Horizonte zu vermitteln.
    Von daher hat sie Antworten durchaus verdient.

    Dass das, was sie hier versucht vorzutragen ziemlich wohlfeil und durchschaubar ist, finde ich hierbei nicht einmal störend, eher im Gegenteil.
    Sie zeigt damit doch, wie einfach und billig gestrickt die Versuche des rechts-bürgerlichen Lagers sind, Demonstranten pauschal als “Randalierer” und “Störenfriede” darzustellen.

    Niemand kann eine Position so gut widerlegen, wie der, der sie schlecht vertritt.
    In diesem Sinne: Weiter so Sandra!^^

  15. Sandra

    Hier mal ein paar Beispiele was den “friedlichen” Blockupisten mit ein wenig guten Willen nachweisbar wäre.

    -die schon erwähnte schwere Körperverletzung mit dem Schraubenzieher.

    - am letzten Freitag auf der Zeil, mehrtausendfache Nötigung, als Menschen nicht zu Primark, Starbucks oder was die Blockupisten in ihren kranken Hirnen noch so als böse empfinden

    – es wurde wohl ein sog. Polen-Böller in Richtung eines Polizisten geworfen. Diese Böller sind verboten und unterliegen dem Sprengstoffgesetz, es liegt hier also streng genommen ein Sprengstoffanschlag vor. Da die Polizei sich ja zum Glück alle aus dem schwarzen Block gegriffen, wird das hoffentlich auch so verfolgt.

    - die mittlerweile bei Youtube kursierenden Videos dokumentieren diverse weiter Straftaten v o r dem Eingreifen der Polizei

    Man kann auf diesen Videos auch diverse Straftäter unvermummt erkennen.
    Aber schade, Outing-Aktionen bei evtl. Arbeitgebern bringen da wohl nix, da ich davon ausgehe das diese Leute zu 100% vom Staat (den Sie so hassen) alimentiert werden.

    Viele Grüße
    Sandra
    -eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin-

  16. Moller

    Janeeisklar, kasSandra.
    “Aber schade, Outing-Aktionen bei evtl. Arbeitgebern bringen da wohl nix, da ich davon ausgehe das diese Leute zu 100% vom Staat (den Sie so hassen) alimentiert werden.”
    Zitat als letztes Futter für den Geist des Stinkfisches Sandra.

  17. Florian K.

    @ Sandra:

    Wenn Sie in der Lage wären zu lesen, hätten Sie vielleicht wahrgenommen, dass

    1. Die Schutzkleidung des Polizisten laut dem von Ihnen zitierten Artikel eine schwerere Verletzung verhindert hat, also garkeine schwere Körperverletzung vorliegen kann.
    2. Ich bereits ausführlich auf diese Sache eingegangen bin, Sie hingegen auf keines meiner Argumente.

    Außerdem würde es bestimmt nicht nur mich, sondern auch die anderen User interessieren, wenn Sie uns hier erklären würden warum die kurzfristige Blockade eines Ladeneinganges durch die Demonstranten “Nötigung” sein soll und die rechtswidrige Blockade einer Demonstration durch die Polizei nicht?

    Und nun zitiere ich Sie gerne noch einmal:
    “es wurde wohl ein sog. Polen-Böller in Richtung eines Polizisten geworfen.”

    Abgesehen, dass Sie mit der Formulierung “es wurde wohl” bereits zugeben, dass Ihre diesbezügliche Information auf Hörensagen beruht stellt das werfen eines Böllers (auch wenn es ein “Polen-Böller” war) in die Richtung eines Polizisten noch keinen Sprengstoffanschlag dar.
    Laut Duden ist ein Anschlag ein “gewalttätiger, auf Vernichtung, Zerstörung zielender Angriff”.
    Ein Böller (auch wenn er aus Polen stammt) stellt nur eine recht geringe Gefahr für einen gepanzerten Polizisten dar.
    Ich selbst kenne diese Böller gut genug. (Natürlich habe ich meine diesbezüglichen Erfahrungen nur in Ländern wo diese erlaubt sind gesammelt! Bin schließlich gesetzestreu)
    In Polen benutzt man diese von deutschen Medien gerne als “Mordwerkzeuge” dargestellten Böller zum Beispiel um damit Silvester zu feiern…

    Gleichwohl hat die Polizei natürlich das Recht jemanden festzunehmen, der auf einer Demo mit Feuerwerkskörpern herumschmeißt. Die Polizei hat aber nicht das Recht dazu hunderte friedlich demonstrierende Menschen für das Verhalten eines Spinners in Sippenhaft zu nehmen.

    Wäre ja auch mal interessant, wenn Sie die Youtube-Videos, die Sie hier erwähnen, einmal verlinken würden, damit wir uns alle ein Bild von den wilden Orgien von Körperverletzung und Sprengstoffanschlägen machen können von der die (natürlich total “linksversiffte”^^) Presse bisher nicht berichtet hat.

    Außerdem sollten Sie, wenn Sie mit mir diskutieren wollen, auch einmal auf meine Fragen eingehen, die ich hier gerne nochmal wiederhole:

    1. Sie bezeichnen uns als “Linksfaschisten”. Wie definiert sich Ihrer Meinung nach der Begriff “Faschist” und warum denken Sie, dass dieser Begriff auf uns passt?
    2. Was hat denn der Augenzeuge auf den Sie sich berufen angeblich gesehen?

    Wenn Sie auf diese Fragen nicht eingehen, dann zeigt dies in meinen Augen, dass Sie hier nur Ihre Parolen loswerden wollen und an einer ernsthaften Diskussion kein Interesse haben.

    Dann können Sie aber auch nicht mehr “ZENSUR” krakeelen, wenn Ihre Beiträge künftig gelöscht werden.

  18. Dealy Lama

    Lieber Florian
    nun hast du einer Person viel Raum gegeben, um Dinge zu erörtern, die unfruchtbar sind und bleiben. Es gibt in der Linken immer noch die Krankheit an Aufklärung und Bildung IM Kapitalismus zu glauben. Die Sandras und Horsts dieser Welt werden niemals über die Repräsentationen hinauskommen, die sie jeden Tag replizieren. Man kann sie dafür bemitleiden, muss es aber nicht, denn auch ungebildet, ignorant und voller Vorurteile stirbt es sich am Ende eines Lebens gut.
    Entscheidender ist doch eine Analyse des Gegenwärtigen, um zukünftiges Handeln überhaupt zu ermöglichen.

    Da sieht es gut und schlecht aus: Occupy ist nicht tot sondern nur aus der medialen Wahrnehmung verschwunden. Der Arabische Frühling ist und war mehr als eine Machtergreifung der Muslimbruderschaft. Israel, Iran, die Vororte Stockholms, der Taksim-Platz in Istanbul (solidarische Grüße!!)- überall gibt es Menschen, die das Recht auf ein gutes und anderes Leben fordern.

    Dem stehen Techno-Kontrollstaaten gegenüber, hochgerüstet und bereit ein autoritäres Regime zu installieren, um angebliche und reale Krisen zu “managen”
    Dies meint in erster Linie, eine forcierte Umverteilung aufrecht zu erhalten.
    Und die Sandras dieser Welt, die in Griechenland auf den schwülstigen Namen “Goldene Morgenröte” hören und eingeschüchtert von all der Krisenrethorik nach echten Führern schreien, um mit den vermeintlichen Sündenböcken mal wieder richtig aufzuräumen (“ordentlich auf die Fresse”). Gemeint sind wahlweise Schwule und Lesben, Flüchtlinge, Arbeitslose, Linke, Behinderte, Muslime, Juden….
    Und genau diese Sandras werden mehr, weil sie von den Funktionseliten (dazu gehören auch die Journalisten der gewerblichen Presse) wie eine Klonarmee auf Kamino herangezüchtet werden, um sie in den Krieg zu schicken.

    Warren Buffet: “Ja, es ist Krieg aber es ist meine Klasse, die den Krieg führt und gewinnen wird”.

    Lieber Warren, wir werden sehen- und genau darüber müssen wir uns unterhalten und nicht über Schraubenzieher, mit denen man nicht viel ausrichten kann.

  19. Dealy Lama

    Noch einmal: Es ist Krieg! Diesen Krieg führen jene, die wirklich über Produktionsmittel und Kapital verfügen. Sie treten kaum medial in Erscheinung, weil sie dafür ihre Funktionseliten haben. Diesen Krieg führen sie, weil es zum einen echte Krisen gibt: Akkumulationskrise des Kapitals, ökologische Krise also rapide abnehmende Biodiversität, Bodendegradation, Desertifikation, klimatische Veränderungen in Form von extremen und kostenintensiven Wetterereignissen.

    Zum Anderen, weil der Krieg zugleich die Lösung bieten soll: kurz Biomacht, die vollständige Kontrolle über das atomisierte globale Individuum. Dies meint, dass die Unternehmungen dieser Besitzenden jeden Aspekt unseres Lebens vollständig und total abdecken wollen:
    Ernährung, Gesundheit und medizinische Behandlung, Bildung, Körperlichkeit und Erscheinung, Kultur und Freizeit….. nichts bleibt mehr im informellen Bereich, alles kommerzialisiert und dadurch kontrolliert.

    BRAVE NEW WORLD und wir wissen es und wir wissen alle, dass nicht mehr viel Zeit bleibt gegenzusteuern.

    Was also tun?

  20. Blockupy 2013 – Pressespiegel | Occupy:Frankfurt

    [...] Von der Spitze des Zuges [...]

  21. Sandra

    @ Florian K.
    An welcher Stelle bei der Blockupy-Bewegung eindeutig faschistische Tendenzen festzustellen sind, hatte ich Ihnen bereits in einem vorhergehenden Kommentar ausführlich dargelegt. 
    Dieser Kommentar wurde aber gelöscht (war Ihnen wohl zu entlarvend), vllt. schauen Sie mal in die Ordner.

    Zitat :”
    2. Was hat denn der Augenzeuge auf den Sie sich berufen angeblich gesehen?”
    Es geht um die Sache mit dem Schraubenzieher, mehr möchte ich dazu aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

    Zitat:
    Außerdem würde es bestimmt nicht nur mich, sondern auch die anderen User interessieren, wenn Sie uns hier erklären würden warum die kurzfristige Blockade eines Ladeneinganges durch die Demonstranten “Nötigung” sein soll und die rechtswidrige Blockade einer Demonstration durch die Polizei nicht?”
    Da Sie der Polizei hier eh durchgehend rechtswidriges und undemokratisches Vorgehen unterstellen wäre es eigentlich egal.

    Der Knackpunkt ist allerdings, das Sie in boshafter Weise Ursache und Wirkung verdrehen.

    Was an dieser Diskussion sehr lustig ist, das mehrere Kommentatoren in typischer Grün-linker Selbstherrlichkeit und Arroganz denken, meine Argumente könnten eigentlich nur mangelnder Bildung entspringen. (Nach dem Motto, alle die freie Marktwirtschaft gut finden sind RTL II Gucker, tja und Nazis haben alle Glatze und Springerstiefel, gell)

    Tja, ( und laß ich auch mal meine Arroganz raus) währenddessen saß ich bei den hanebüchenen Argumenten des Florian K. vor dem Bildschirm und dachte “Herr, schmeiß Hirn vom Himmel)

    Ich zieh mich aber jetzt wirklich aus der Diskussion. Wenn ich hier mal wieder reinschaue, hat sich die hyperventilierende Aufregung und vllt. sogar die Occupy/Blockupy-Bewegung allgemein, bestimmt erledigt (wie ja bereits schon in den USA).

    Viele Grüße
    Sandra
    -eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin-

  22. Florian K.

    @ Sandra:
    Ihre Antwort stand leider, obwohl es eine Antwort zu dieser Diskussion war unter einem anderen Artikel und war dort noch im Spam-Fach, nachdem mehrere Beiträge von Ihnen die Beschimpfungen wie “Links-Nazi” enthielten, dorthin verschoben wurden.

    Da ich hier Kommentare leider nicht von einem Artikel zu einem anderen schieben kann, Ihren Beitrag aber trotzdem diskutierenswert finde, kopiere ich ihn hier in diesen Beitrag in meinen Kommentar hinein.

    Da der Beitrag länger ist und ich beabsichtige ausführlicher auf diesen und auch den Kommentar von Dealy Lama einzugehen, kommt eine ausführlichere Antwort von mir später, heute oder morgen Abend.

    Hier also der Beitrag von Sandra aus dem anderen Artikel:
    „Duktus?! häh, was issn das!?
    Aber mal im Ernst…so, wir halten uns nun also gegenseitig für kleingeistig und intellektuell die Zusammenhänge nicht so ganz begreifend.
    Ich denke da es da keinen Unparteiischen geben kann, muß man das wohl einfach so stehen lassen.
    Ich nehme da für mich auch in Anspruch mehr Toleranz zu zeigen, als die ach so toleranten ( meist allerdings nur sehr einseitig Toleranz zeigenden ) Linken.
    Zum Thema:
    Wenn uns eins unsere lange Geschichte gezeigt hat, dann das, dass die freie Marktwirtschaft dem menschlichen Naturell am nähesten kommt (was durchaus bei manchen Auswüchsen zu Bedauern ist).
    Alle anderen Systeme sind mehr oder weniger kläglich gescheitert. Oder können Sie mir einen Staat nennen, der sozialistisch/kommunistisch ist und nicht gleichzeitig bettelarm/eine Diktatur ist?
    Auch wenn Ihnen das nicht gefällt, ist diese Sichtweise in unserem Land Mehrheitsmeinung.
    Und wenn nun eine kleine Minderheit versucht eine ganze Stadt lahmzulegen um ihre Meinung durchzudrücken hat das nach meinen Maßstäben faschistische Züge.
    Und wenn diese Minderheit dabei aktive und passive Gewalt anwendet (auch passive Gewalt ist Gewalt…Punkt…da lasse ich keine Widerrede gelten), dann hat das erst recht faschistische Züge.
    Exakt diese Maßstäbe legen Sie übrigens bei Ihrer Ablehnung von Demonstrationen der NPD-Hänseln an (zurecht)
    Und aus diesen und den anderen Gründen ( die ich in anderen Kommentaren nannte) halte ich den Ausdruck “Blocku-Faschisten” weiterhin für sehr treffend und mehrheitsfähig.
    Ihre Tendenz Meinungen/Argumente die Ihnen nicht gefallen zu ignorieren…und dann sinngemäß zu schreiben “sie haben keine Argumente” ist sehr nervig, kleingeistig …aber auch typisch linksextrem…aber damit wären wir wieder bei s.o.
    Ich möchte die Diskussion damit beenden. Falls Sie nochmal Antworten schreiben Sie deshalb bitte nicht “Sie haben keine Argumente”, sondern “mir gefallen Ihre Argumente” nicht, oder ” ich bin nicht in der Lage die Argumente zu verstehen”
    Viele Grüße
    Sandra
    -eine besorgte, aber wohlwollende Bürgerin -
    PS: HR-Umfrage :-; lustig, warum nicht gleich FR oder taz“

  23. Florian K.

    @ Sandra:

    1. Sie haben eine eigenwillige Definition von „Faschismus“.
    Laut Ihrem Beitrag zeichnen sich „Faschisten“ durch 2 Eigenschaften aus:

    -Sie vertreten eine politische Meinung, die (nach Ihrer Auffassung) nicht der Mehrheit entspricht und erdreisten sich, dafür ihr verfassungsmäßiges Recht auf Demonstrationsfreiheit in Anspruch zu nehmen und damit kurzfristig den wirtschaftlichen Ablauf zu stören

    -Sie vertreten die Auffassung, dass es Alternativen zu einem rein marktwirtschaftlichen System geben könnte
    Ihre Definition von „Faschisten“ erscheint alleine schon deshalb unsinnig, weil damit jeder politische Protest faschistisch wäre, denn wer bereits die Meinung der Mehrheit vertritt, braucht meist nicht mehr zu protestieren.

    Zweitens wird in Ihrer Definition auch jeder Politiker außerhalb des marktradikalen Flügels der FDP zum Faschisten. Joachim Gauck wäre dann auch ein Faschist, da er der Freiheit des Marktes argumentativ die christliche Verantwortung und Nächstenliebe entgegensetzt und somit einschränkende Bedingungen für den Markt formuliert.
    Denn wir haben hier kein System einer freien Marktwirtschaft, noch gibt es irgendwo auf der Welt ein System einer vollständig freien Marktwirtschaft. Die Systeme, die ihren Menschen einen im weltweiten Vergleich hohen Lebensstandard ermöglichen, sind Mischformen aus marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Elementen.
    Wann politische Einflussnahmen in die Handlungen von Marktteilnehmern nötig sind, muss stets Teil der politischen Diskussion bleiben, denn da gibt es keine Patentlösung, sondern nur Millionen verschiedener Handlungsoptionen mit unterschiedlichen Effekten.

    Wenn es allerdings immer deutlicher wird, dass politische Einflussnahme immer stärker von Seiten der durch Marktsysteme ohnehin Privilegierten (s. Rettungspaktete für Banken bei gleichzeitiger Sparpolitik im sozialen Bereich) stattfindet und weniger Privilegierten die Einflussnahme mehr und mehr erschwert wird, dann ist dies Grund für Protest.

    2. Zitat: „Ich nehme da für mich auch in Anspruch mehr Toleranz zu zeigen, als die ach so toleranten ( meist allerdings nur sehr einseitig Toleranz zeigenden ) Linken.“
    Wenn Sie, wie Sie bei anderer Gelegenheit gesagt haben, sich heimlich darüber freuen, wenn Demonstranten von der Polizei verprügelt werden, sollten Sie sich nicht mit Ihrer „Toleranz“ brüsten.

    3. Haben Sie mein Interesse damit geweckt, dass Sie geschrieben haben, Sie wollten sich aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht zu dem Augenzeugen äußern, der angeblich irgendwelche von Ihnen nicht näher bezeichneten Handlungen beobachtet haben soll.
    Gehören Sie denn zu einer Ermittlungsbehörde oder wozu brauchen Sie als „besorgte aber wohlmeinende Bürgerin“ sonst eine Ermittlungstaktik?

    Oder gehören Sie zu den Zeitgenossen, die sich einen Aufkleber „Ich bin ein Bild-Verkehrs-Inspektor“ auf das Auto kleben um damit persönliche Bedeutungslosigkeit zu überspielen und sich wenigstens einmal wie diese coolen Ordnungshüter auf RTL2 zu fühlen?

    4. Wo bleiben eigentlich die Links zu den von Ihnen erwähnten Youtube-Videos, die nach Ihrer Auffassung beweisen sollen, dass die Gewalt von den Demonstranten ausgegangen ist?
    Oder sind die nun auch aus „ermittlungstaktischen Gründen“ geheim?

    5. Nun gut, ich habe als Widerlegung Ihrer These, Blockupy hätte keinen Rückhalt in der Bevölkerung, eine HR-Umfrage zitiert.
    Beim HR handelt es sich um eine öffentliche Rundfunkanstalt, die genauso Teil des Staates ist, wie die Polizisten deren Vorgehen Sie ja offenkundig gut fanden.
    Außerdem frage ich mich auf welche belastbareren Zahlen und Fakten sich denn Ihre Auffassung stützt, Blockupy habe keinen Rückhalt in der Bevölkerung?
    Im Übrigen: Selbst wenn der Rückhalt in der Bevölkerung gering wäre, steht das Recht auf Demonstrationsfreiheit auch Minderheiten zu.

    6. Wenn Sie das Scheitern der bisherigen kommunistischen Versuche und deren schreckliche Folgen anprangern, so haben Sie vollkommen Recht.
    Allerdings ist der Bezug, den Sie davon zu Blockupy herstellen wollen, ziemlich lächerlich.
    Zwar sind an Blockupy viele Gruppen mit teils auch konträren politischen Programmen vertreten und es gibt gewiss auch Splittergruppen und Spinner darunter. Die Blockupy-Bewegung in Ihrer Gesamtheit beabsichtigt nicht, hier ein stalinistisches oder maoistisches System zu installieren.

    7. Wenn für Sie passive Gewalt auch Gewalt ist (ohne Widerrede! Punkt! Basta!^^) wie verhält es sich dann mit Polizisten, die sich entgegen einem Gerichtsbeschluss einer genehmigten Demo in den Weg stellen?

  24. Florian K.

    @ Dealy Lama:

    1. Ich habe Sandra bewusst Raum für ihre Äußerungen gegeben.

    Da ich mich sehr viel mit den Strategien neukonservativer Bewegungen auseinandergesetzt habe, war mir das Muster nach dem sie schreibt hinlänglich bekannt.
    Ihre Strategie zielt auf Selbstbestätigung.

    Zu diesem Zweck beabsichtigte sie, emotional gereizte Reaktionen zu provozieren um diese dann als Beleg dafür zu nehmen, dass es der Gegenseite an rationalen Argumenten mangelt.
    Sie gab ja selbst zu, dass Löschungen ihrer Beiträge für sie eine Bestätigung sind, dass sie im Recht ist.
    Meines Erachtens gibt es garkeinen Grund ihr diese Möglichkeit zur Selbstbestätigung zu gewähren.
    Wenn ihre Beiträge ernst genommen und diskutiert werden zeigt sich ja immer wieder ihre Unterlegenheit im Wettstreit der Argumente, was Sandra natürlich wurmt und sie ihrerseits zu emotionalen Reaktionen („Ihr seid doch alles Links-Nazis“) bewegt.

    Die Frage bleibt natürlich:
    Warum verbringe ich meine Zeit lieber damit, mich mit einer Person wie Sandra zu beschäftigen, als meine Schreibkraft vermeintlich „sinnvolleren“ politischen Aktivitäten zu widmen?

    Antwort:
    Weil ich diesen Wettstreit der Argumente für eine wertvolle Form politischer Aktivität halte, zumal er in der Öffentlichkeit stattfindet und schriftlich dokumentiert ist.

    Denn solche Diskussionen helfen, die Motive und Denkmuster der Gegenseite besser zu verstehen.
    Nur wer erkennt, dass es sich bei Sandra nicht um eine „Klonkriegerin“ handelt, die auf einem fernen Planeten von einer Funktionselite gezüchtet wurde, um die Sklaverei des Kapitals gegen die gerechtfertigten Ansprüche der 99% durchzusetzen, sondern um eine Person, die bestimmte Schlüsse aus ihren persönlichen Erlebnissen gezogen hat, kann sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, warum es so viele „Sandras“ auf dieser Welt gibt.

    Zudem kann jemand, der unentschlossen ist, sich anhand unserer Diskussion ein Bild über die vorgetragenen Argumente machen und so für sich vielleicht Präferenzen in die eine oder die andere Richtung entdecken.
    Und Sandra macht es einem unvoreingenommenen Leser, der eben nicht bereits vorher schon ihre Position teilt, relativ schwer, Präferenzen für ihre Position zu entwickeln.
    Von daher sollte man ihr Raum geben, sich hier lang und breit auszulassen.

    Fatal wäre es natürlich, wenn ihre Argumentation irgendwann so hanebüchen wird, dass alle denken Sandra sei nur eine Sockenpuppe von mir, die ich benutze um meine Position im Lichte einer von mir ersonnenen Karikatur eines politischen Gegners zu stärken.
    (Ich versichere hiermit allen, dass dies nicht der Fall ist)

    So erging es mir teilweise mit Sandras bedauernswertem Vorgänger, einem User namens Frank, der leider irgendwann die Flinte ins Korn geworfen hat und sich aktuell hier nicht mehr an den Diskussionen beteiligt.

    2. Die Angst vor dem was Du Biomacht nennst, finde ich sehr berechtigt.

    Allerdings halte ich es für zu einfach, diese monokausal mit einer Machtelite zu erklären, die ein Interesse an dieser Biomacht habe, um den Rest der Bevölkerung besser ausbeuten zu können.
    Tatsächlich finde ich es dramatisch, dass inzwischen viele Leute selbst nach dieser Biomacht über jedes Detail ihres Lebens verlangen und derartige Eingriffe immer leichtfertiger akzeptieren. Es gibt einen weit verbreiteten Wunsch in der Bevölkerung nach besserer Kontrolle, Sicherheit etc.
    Unter der aus meiner Sicht bestehenden Dominanz utilitaristischer Denkmuster ist dieser Wunsch nach vollständiger Kontrolle aller kontrollierbaren Faktoren folgerichtig.

    Ich habe hier 3 verschiedene Artikel geschrieben, die sich alle letztlich um dieses Thema drehen:

    -hier
    -hier
    -und hier

    3. Allerdings halte ich es nicht für eine Krankheit der Linken an Aufklärung und Bildung IM Kapitalismus zu glauben.
    Das Gegenteil wäre nach Deinen eigenen Prämissen unlogisch, zumindest wenn Du davon ausgehst, dass Du über Aufklärung und Bildung verfügst obwohl Du in einem kapitalistischen System aufgewachsen bist.

    Ich denke eine wirkliche Analyse des uns umgebenden Systems kann nicht erfolgen, wenn man die normative Setzung „das System, welches unsere gesellschaftliche Realität darstellt, ist in Gänze falsch und ausbeuterisch“ zur zwingenden Voraussetzung seiner Analyse macht.

    Eine solche Form von Fundamentalopposition muss an ihren Ansprüchen scheitern.

    Mein größter persönlicher Kritikpunkt an Blockupy ist denn auch, dass Blockupy nach meiner Einschätzung mehr ein Ausdruck einer diffusen Unzufriedenheit, als ein politisches Projekt ist.
    Die Reaktion der Polizei hat dem Ganzen allerdings eine politische Dimension gegeben, die aus meiner Sicht Solidarität mit dem Protest erfordert.

  25. Dealy Lama

    “Fatal wäre es natürlich, wenn ihre Argumentation irgendwann so hanebüchen wird, dass alle denken Sandra sei nur eine Sockenpuppe von mir, die ich benutze um meine Position im Lichte einer von mir ersonnenen Karikatur eines politischen Gegners zu stärken.”
    :)
    Ich habe derart zugespitzt formuliert, dass Missverständnisse aufgetreten sind. Erstens, natürlich ist Sandra keine Fiktion. Sie ist ein Mensch, der in der gegenwärtigen Situation mit Essentialismen und vermeintlichen Wahrheiten auf eine Welt im Umbruch reagiert. Der Schritt zum Chauvinismus und zur Exklusion von Feinden und Schuldigen ist nur noch ein kurzer. Die Zunahme solcher Haltungen (Attitudes) finde ich tatsächlich besorgniserregend.

    Monokausal erkläre ich gar nichts, sonst hätte ich nicht etwas polemisch auf die Sandras dieser Welt verwiesen, die im Sinne der foucaultschen Gouvernementalite den Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft überhaupt erst möglich machen. Selbstregierung ist hier das Stichwort und korrespondiert in etwa mit deinem verlinkten Artikel.

    Die Kritik an der Aufklärung und ihrer Vorstellung von der Erziehung des Menschengeschlechtes bedeutet nicht, dass ich die Aufklärung als solches ablehne. Die Kritik an den gegenwärtigen kapitalistischen Verhältnissen bedeutet nicht, dass ich nicht lieber in einer bürgerlichen als in einer Feudalgesellschaft lebe. Ich bin kein Kleinbürger und bin mir der Bedeutung dieser wichtigen Gesellschaftsformation und Epoche bewusst. In ihr keimt das Neue, so ist zumindest meine Hoffnung.

    Das unlogische meiner Kritik an einem naiven aufklärerischen Bildungsbegriff vermag ich nicht zu erkennen und du formulierst meinen Ausgangspunkt ja bereits völlig richtig: “dass Du über Aufklärung und Bildung verfügst OBWOHL Du in einem kapitalistischen System aufgewachsen bist.” Ich bin kein Fan von Kant (logischerweise) aber echte Bildung muss auch für mich zur Freiheit des Geistes führen,ja weiter, zur Fähigkeit zu dekonstruieren. Dem versuche ich mich anzunähern TROTZ Schule und Universität.

    Deine Kritik an Blockupy ist wohlfeil, denn niemand aus dem gesamten Bündnis behauptet etwas anderes. Wie auch wenn das Bündnis von revisionistischen Gewerkschaften bis zu Ums Ganze reicht? Was kann also Blockupy? Nur das, was es am WE auch erreicht hat: Zu zeigen wie es ist!

    Nun braucht es Analyse und eine Diskussion um die Bedeutung und Konsequenzen. Darum ging es mir in meinen Kommentaren.

    Allerdings bleibe ich dabei, dass in zeitlicher Hinsicht eine gewisse Dringlichkeit vorliegt. Natürlich gibt es keinen monolithischen Block der Herrschenden, eher Tendenzen und die dominanteste besteht seit den 80igern in einer globalen Neoliberalisierung, die zu einem ungeheuren Machtzuwachs auf Seiten der privaten kapitalistischen Akteure geführt hat, die uns meist unpersönlich in Form von Konzernen gegenübertreten.

    Als jemand, der beruflich mit Paläoklimatologie vertraut ist, kann ich dir sagen, dass kein Klimatologe weiß, was genau kommt aber wir wissen alle, dass die Veränderungen bereit in den nächsten 50 Jahren unvorstellbar dramatisch sein werden. 400ppm CO2 mit extrem steigender Tendenz lassen keinen anderen Schluss zu auch wenn wir das gegenwärtige Muster noch nicht ganz verstehen. Dazu ist das Erdsystem auch zu komplex. Was aber wird das für menschliche Gesellschaften bedeuten, was werden Herrschende in einer zugespitzten Krisensituation machen?

  26. Dealy Lama

    Ach wichtig ist für mich noch, dass ich auch vom Begriff des Krieges, der dir vermutlich die Welt als zu negativ und einseitig charakterisiert, kein Abstrich mache und ihn auch nicht polemisch verwende.
    Es ist ein Krieg gegen alles Lebendige, gegen eine Vielfalt, die aus sich heraus besteht, unkontrolliert und ungezähmt.
    Diese lebendige Mitwelt wird in Kürze der Vergangenheit angehören. Natürlich existiert in ökologischer Hinsicht eine Resilienz, also die Fähigkeit zur Erholung und Neuordnung nach dem Kollaps. Doch das ist für das sterbende einzelne Lebewesen leider unerheblich.

    Der Kapitalismus ist keine Vernichtungsmaschine, weil er die Vernichtung nicht intendiert, dieses ökonomische System mit der Tendenz zur Totalität (Ökonomie als erstes Existenzial) verwertet und verwüstet dabei. Es ist eine Verwüstungsmaschine und zurück bleibt Ödnis. Wer sich der Verwertung widersetzt, wird bekriegt.

  27. Florian K.

    Tatsächlich hatte ich Deine Aussage mit der Funktionselite und den „Klonkriegern“ im Sinne einer monokausalen Erklärung missinterpretiert. Daher danke für diese Klarstellung!

    Die Aussage, es sei eine Krankheit der Linken noch immer an die Möglichkeit von Aufklärung und Bildung IM kapitalistischen System auszugehen, habe ich ebenfalls anders interpretiert.
    Ich ging davon aus, dass es sich bei Deiner Aussage nicht nur um eine Kritik an einem naiven aufklärerischen Bildungsbegriff handelte, sondern dass Du da vielmehr auf einen der immer wieder aufkommenden Streitpunkte linker Politik abzieltest:
    Die Frage ob das Bestehende reformierbar ist oder ob nur ein radikaler Bruch des Bestehenden sich abzeichnende soziale und ökologische Katastrophen verhindern kann.
    (Ich hatte den von Dir genutzten Begriff der “revisionistischen Gewerkschaften” auch in dieser Hinsicht interpretiert)

    Die Auffassung, die diesen radikalen Bruch gegenüber Reformen bevorzugt, halte ich tatsächlich für inkonsistent, da die Mittel zur Hinterfragung des bestehenden Systems selbst in diesem System erwachsen sind und eine radikale Ablehnung auch die eigenen Mittel des Handelns einschließen müsste.
    Oder es wird eben doch zwischen guten und schlechten Aspekten des Bestehenden unterschieden, wodurch aber die fundamentale Ablehnung nicht mehr möglich ist.

    Das zeigt sich, um nur ein Beispiel zu nennen, darin, dass Proteste, die sich gegen datenakkumulierende Konzerne richten, sich selbst innerhalb der von diesen Konzernen zur Verfügung gestellten Medien organisieren. (Beispiel Facebook)

    Zudem benötigt politisches Handeln nach meiner Überzeugung auch positive Inhalte und kann sich nicht nur in einer Kritik des Bestehenden (also in einer negativistischen Position) erschöpfen.
    Ein radikaler Bruch der selbst keine positiven Inhalte für sich aufweisen kann, böte wenig Perspektive außer der, von Bauernfängern, die vermeintlich einfache Lösungen aufzeigen, gekapert zu werden. Denn die alles entscheidende Frage ist doch, was nach dem Eintreten eines Bruches passiert.
    Und ich glaube einfach nicht, dass sich die Frage nach dem „was machen wir jetzt?“ durch das Zerreißen eines „Schleiers der Verblendung“ oder irgendeine Art von Massenerlösung selbst erledigen wird.

    Dies ist auch der Grund warum ich Blockupy zuvor einmal als unpolitisch kritisiert habe, da die Bewegung aus meiner Sicht zu diffus aufgestellt ist, um die aus meiner Sicht notwendigen positiven Inhalte generieren zu können.
    Dass die Bewegung dies selbst erkennt, was ich gar nicht in Abrede stelle, bedeutet nicht dass die Kritik von mir daran wohlfeil wäre.

    Trotzdem muss ich es noch einmal betonen, dass ich, insbesondere nach den neueren Ereignissen die Blockupy-Bewegung unterstütze, auch wenn ich mit ihr nicht hundertprozentig übereinstimme.
    Solidarität ist auch möglich, wenn man sich inhaltlich uneins ist.
    Deshalb möchte ich mich hier auch noch einmal direkt an Dich wenden, denn wahrscheinlich erscheint dir vieles von dem was ich hier geschrieben habe, als vorgestrig und abgeschmackt.
    Letztlich ist der uralte Streit von Revolutionären vs. Reformer auch ein Streit, den wir hier nicht abschließend klären können.

    Trotzdem möchte ich hier noch eine Lanze zugunsten des Reformismus brechen und dabei eine von Dir gebrauchte Metapher aufgreifen.
    Du sprachst vom „Krieg“ und ich sehe einen großen Vorteil des Reformismus gegenüber revolutionären Ansätzen darin, dass er diese Metapher nicht benötigt.
    Die Annahme sich im Krieg zu befinden birgt nämlich einige sehr unappetitliche Implikationen. Denn Krieg kann niemals ein Krieg gegen ein Abstraktum sein.
    Der Krieg gegen die Drogen ist letztlich ein Krieg gegen die Produzenten, Verkäufer und Nutzer von Drogen.
    Der Krieg gegen den Terror ist ein Krieg gegen vermeintliche und echte Terroristen, sowie gegen die Zivilbevölkerung, die in diesem Krieg zum “Kollateralschaden” wird.
    Aus meiner Sicht zwingt die Annahme, der Kapitalismus befinde sich in einem Krieg gegen alles Lebendige einem die Annahme auf, man selbst befinde sich in einem Krieg gegen den Kapitalismus (sofern man lebendig ist).

    Der Krieg gegen den Kapitalismus muss nach der Logik des Krieges zu einem Krieg gegen die Kapitalisten werden und an diesem Punkt hat unser blindes Huhn Sandra sogar ein Körnchen Wahrheit gefunden.

    Wer sich im Krieg gegen echte und vermeintliche Kapitalisten wähnt, riskiert tatsächlich in den Chauvinismus und die Suche nach Schuldigen zu verfallen, was ja etwas ist, das Du völlig zu Recht kritisierst.

    Letztlich denke ich, dass unsere unterschiedlichen Standpunkte sich aus unserer unterschiedlichen Wahrnehmung und Bewertung der Dinge speisen.
    Wir beide sind zwar der Auffassung, dass sich Dinge ändern müssen, aber wir schätzen den Zeitrahmen, der zu den Änderungen zur Verfügung steht, unterschiedlich ein.
    Aus diesem Grund scheint sich für Dich aus den gegenwärtigen Verhältnissen ein größeres Maß an gefühlter essentieller Bedrohung zu ergeben, als für mich, was sich in Deinem Satz ausdrückt, die lebendige Mitwelt in ihrer Vielfalt werde bald der Vergangenheit angehören.
    Ich für meinen Teil würde dies weder in dieser Absolutheit, noch in dieser Gewissheit annehmen, wenngleich auch ich annehme, dass es Einflüsse gibt, die die lebendige Vielfalt der Mitwelt bedrohen und Aktionen erforderlich sind.

    Insgesamt aber schätze ich das Ausmaß der ökologischen Bedrohung geringer ein, als das Ausmaß der Bedrohung durch den Verlust menschlicher Selbstbestimmung. Und ich denke, dass es zu einfach ist, beides als die Folgen eines bösartigen Konstruktes namens „Kapitalismus“ zusammenzufassen, das es dann nur zu bezwingen gilt.

    Letztlich kommen wir wohl zu einer relativ hohen Übereinstimmung unserer persönlichen Grundwerte aber zu einer größeren Differenz in deren Gewichtung und unseren Methoden.

  28. Dealy Lama

    Es ist mir fast peinlich noch einmal zu schreiben, weil ich Dir gerne und ohne Probleme das “letzte Wort” lassen würde, denn deiner Darstellung unserer kleinen Argumentation kann ich voll und ganz zustimmen und auch die Darstellung der Unterschiede unserer Auffassungen sind dir in deinem letzten Beitrag gelungen.
    Daher nur noch eine Bemerkung zu einem wichtigen Punkt meiner Argumentation, die tatsächlich auf einem Drahtseil verläuft:

    “Aus meiner Sicht zwingt die Annahme, der Kapitalismus befinde sich in einem Krieg gegen alles Lebendige einem die Annahme auf, man selbst befinde sich in einem Krieg gegen den Kapitalismus (sofern man lebendig ist). ”

    Die Kunst- ob reformerisch oder revolutionär- besteht darin, sich die Logik des Krieges nicht oktroyieren zu lassen. Sonst hat man verloren.
    Als der Investor Warren Buffet vor ein paar Jahren einer kanadischen Zeitung dieses berühmte Interview gab und darin sagte, dass es seine Klasse sei, die einen Krieg gegen all die lohnabhängigen, prekär Beschäftigten, Habenichtse, Flüchtlinge… führe, war das (für mich) ein seltener Moment der Wahrheit.
    Meine Eltern haben nicht studiert, konnten aber den typischen mittelständischen Wohlstand aufbauen, der für die Ära des korporativen Sozialstaates bis Anfang der 80iger noch typisch war. Seitdem fand eine gewaltige Umverteilung statt, die den Zugang zu einem gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtum ungleich schwerer oder , für viele, gar unmöglich macht. Das ist der ökonomisch soziale Krieg.

    Die fortgesetzte Ausbeutung natürlicher Ressourcen, einzig und allein, um Profit zu generieren, führt zu Umweltzerstörungen und einer Destabilisierung der Ökosspäre. Das ist der Krieg gegen alles Leben, einschließlich menschliches.
    Man muss es nicht Krieg nennen, kann auch von Raub oder Überfall sprechen oder was wohl am besten passt: Terror.
    Terror begegnet man nicht durch einen Krieg. Hier stimme ich dir vollkommen zu. Der Krieg gegen Drogen war sinnlos, der Krieg gegen Terror ist es auch und lässt vor allem die Grenzen zwischen Terroristen und vermeintlich Guten verschwimmen.

    Für mich persönlich bleibt als Alternative nur das Konzept einer “wehrhaften” sozialen Verteidigung, dass seit den 60iger Jahren existiert aber leider kaum ausreichend praktiziert und weiterentwickelt wird. Dazu gehören (General-) Streiks, individuelle Verweigerung, etwa in den Bereichen Konsum, Lohnarbeit, ehemals Wehrdienst, Sabotage und Desinformation von unten (der “echte” Dealy Lama ist der Meister der Desinformation und Irritation)….
    Dazu gehört aber auch die lebensbejahende, positive Antwort:
    Der Aufbau kleiner flexibler Netzwerke: Nachbarschaftshilfen, solidarische Landwirtschaft, von mir aus auch Tauschringe… also die informelle Reorganisation des Sozialen im Gegenwärtigen.

    Ob das reicht oder ob Herr Buffet nicht doch recht behält, weiß ich nicht. Liebe Grüße
    der DL

  29. Dealy Lama

    http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Verteidigung

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