Frankfurter Gemeine Zeitung

Streikversammlung Einzelhandel Frankfurt am Main am 11. Juni 2013 im DGB-Haus

von Bernhard Schiederig

Herzlichen Glückwunsch, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, zu eurem heutigen, tollen Streik!

Bernhard Schiederig spricht

Die hohe Streikbeteiligung bringt das zum Ausdruck, was ihr vom Arbeitgeberverhalten in der diesjährigen Tarifrunde des Einzel- und Versandhandels in Hessen haltet.

Heute waren die Beschäftigten
- der Galeria Kaufhof – Filiale Frankfurt / Zeil,
- der Karstadt-Filiale Frankfurt / Zeil,
- New Yorker Frankfurt / Zeil und
- Hennes & Mauritz im Hessencenter (Bergen-Enkheim)
zum Streik aufgerufen.
Ihr seid diesem Streikaufruf in großer Anzahl gefolgt.

Die Arbeitgeber des Einzelhandels steuern in dieser Tarifrunde mit ihrem „Generalangriff“ auf die Arbeitsbedingungen und die Rechte der Beschäftigten auf einen Tarifkonflikt der besonderen Härte zu.

Obwohl die Gewinne der Einzelhandelsunternehmen seit dem Jahre 2000 kontinuierlich von 9,8 Milliarden Euro nach Steuern im Jahre 2000 auf 20,2 Milliarden Euro nach Steuern im Jahre 2011, also um insgesamt 76,3 Prozent gestiegen sind, wollen sie die Arbeits- und Einkommensbedingungen der im Einzel- und Versandhandel Beschäftigten massiv verschlechtern!

Jetzt soll offenbar in dieser Tarifrunde mit aller Macht eine Abwärtsspirale für die in den letzten Jahren durch euch und eure Kolleginnen und Kollegen hart erkämpften, tariflichen Leistungen in Gang gesetzt werden.

Im Einzelhandel, in dem es mittlerweile von den circa 3,2 Millionen Beschäftigten 980 Tausend Mini-Jobber/innen gibt und die Anzahl prekärer Beschäftigung immer stärker zunimmt – 12 Prozent aller Einzelhandelsbeschäftigten arbeiten für weniger als 5,00 Euro pro Stunde – jede/r fünfte Beschäftigte erhält weniger als 8,50 Euro pro Stunde mit der Folge:
Der Staat, also die Allgemeinheit und somit wir, mussten für viele dieser Mini-Löhne Aufstockungsbeträge finanzieren! Nach Angaben der Bundesregierung betrug der Aufstockungsbetrag für die Beschäftigten im Handel 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Warnstreik!

Es ist ein Skandal und eine Schande, dass Beschäftigte im Einzel- und Versandhandel trotz harter Arbeit von ihrem Einkommen ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Diese dramatische Situation soll sich, wenn es nach dem Willen der Arbeitgeber in dieser Tarifrunde geht, noch weiter verschärfen. Unter der Überschrift „Modernisierung der Tarifverträge“ wollen die Arbeitgeber des Einzelhandels:

x Eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen;

x eine spürbare Senkung der Einkommen

x und eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit mit der Beseitigung planbarer Freizeit durchsetzen.

Konkret bedeutet das:

x Die Kassiertätigkeit soll zukünftig schlechter bezahlt werden.

x Die Einführung einer Billiglohngruppe für die Warenver-räumung und Auffülltätigkeit (bisher 11,69 Euro). Ihnen schwebt hier ein Stundenlohn von 6,68 Euro vor, wie er für Werkvertragsmitarbeiter/innen gezahlt wird.

x Keinen Durchstieg mehr von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Ausbildung in die Gruppe der Verkaufs-mitarbeiterinnen und –mitarbeiter mit Berufsausbildung, die heute in Vollzeit 2.248,- Euro erhalten.

x Streichung der in den letzten Jahren hart erkämpften Zuschläge für Spätöffnungs- und Nachtarbeitszeiten.

x Flexibilisierung der Arbeitszeit und damit Abbau von Schutzrechten bei der Planung von Familie und Freizeit.

x Beseitigung von Mindestbeschäftigungszeiten (20 Stunden pro Woche, 4 Stunden am Tag zusammenhängend an höchstens 5 Tagen in der Woche für Teilzeitkräfte).

Diese massiven Forderungen nach Verschlechterung unserer in den letzten 20 Jahren hart erkämpften tariflichen Schutzbestimmungen in unseren Tarifverträgen nehmen wir nicht widerstandslos hin!

Wir verteidigen unsere guten Regelungen in den Tarifverträgen, auch durch Streiks, die – wenn notwendig – auch massiv ausgeweitet werden müssen.

Wir fordern die Arbeitgeberseite auf, endlich ein – lange schon durch die gute Arbeit in den letzten Monaten – verdientes Angebot zur Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen vorzulegen, und wir fordern die Arbeitgeber auf, den durch sie gekündigten Manteltarifvertrag unverändert wieder in Kraft zu setzen. Kommen sie unserer Forderung nicht unverzüglich nach, gibt es in den Betrieben keine Ruhe! Wir stellen uns auf eine harte und möglicherweise längere Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel ein.

Wir organisieren die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben –
wir mobilisieren sie!

Wir kämpfen gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen für eine Tariferhöhung und den Erhalt des unveränderten Manteltarifvertrages.

Die Unternehmen, die glauben, aus der Tarifbindung aussteigen zu können, wie Karstadt oder GLOBUS, oder die Unternehmen, die keine Tarifbindung eingehen wollen, wie Amazon, werden wir genauso in die Tarifrunde und damit in die Streiks mit einbeziehen wie alle anderen Betriebe des Einzel- und Versandhandels auch.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die Betriebe, die keiner Tarifbindung unterliegen, Wettbewerbsvorteile gegenüber den Betrieben genießen, die die Tarifverträge ordnungsgemäß anwenden.
Lasst uns gemeinsam den bereits begonnenen Tarifkampf in den kommenden Wochen weiterführen und erfolgreich für unsere Tarifverträge kämpfen!

Achtet in den kommenden Tagen und Wochen verstärkt darauf, ob es weitere Streikaufrufe gibt und unterstützt die Kolleginnen und Kollegen im Arbeitskampf.

Motiviert eure Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben, die heute noch nicht dem Streikaufruf gefolgt sind, damit sie beim nächsten Streik mit euch gemeinsam kämpfen.
Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Bernhard Schiederig
Landesfachbereichsleiter Handel Hessen
c/o ver.di Landesbezirk Hessen
Wilh.-Leuschner-Str. 69-77, 60329 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 25 69 – 14 20 * Fax 069 / 25 69 – 14 99
Mobil: 0171 / 262 19 51
E-Mail: bernhard.schiederig@verdi.de


6 Kommentare zu “Streikversammlung Einzelhandel Frankfurt am Main am 11. Juni 2013 im DGB-Haus”

  1. Bernhard Schülke

    Gern möchte ich auf eine Solidaritätsaktion verweisen, bei der jeder mitmachen kann – jetzt am Mittwoch, Donnerstag und Freitag auf der Zeil. Hier der Link mit Einzelheiten zum Nachlesen:

    http://kwassl.net/?p=22823

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