Frankfurter Gemeine Zeitung

Merkels Coup – positiv gestimmt in den Abgrund

 SIE hat es wieder einmal gut hinbekommen, diese „unsere“ Angie.

Dabei geht es nicht um das, was sie versprochen hat – oder eben auch nicht. Denn eigentlich hat sie nur gesagt, mit ihr könnte es so etwas geben wie mehr dies und mehr das ohne mehr Steuern und so. das heisst, erst müsst ihr mich wählen, damit eine Chance besteht, dass ihr in den Genuss dieser Dinge kommt. Das ist schon mal schlau.

Weit besser allerdings ist, dass jetzt sie und ihr Anhängsel, die CDU, landauf landab positive Nachrichten zu verbreiten hat, während alles andere reflexhaft versucht dagegen anzustinken und damit das Kalkül bedient: lauter Miesmacher, die nicht wahrhaben wollen, wie gut es uns doch geht, dass wir nur so weitermachen müssen, dann wird das Füllhorn ausgekippt.

In all diesen von Ängsten beherrschten Zeiten ertönt hier eine positive Stimme, produziert sich hier eine Hoffnungsträgerin vom Feinsten.

Und auch klar: sollten die Zeiten derart hoffnungslos sein, dann wollen die Leute betrogen werden, schon allein, weil sie die ewigen Horrormeldungen satt haben. Nicht, dass die Situation sich derart geändert hat, nur endlich einmal etwas anderes hören.

Es ist ein meisterhafter Coup, den wir hier erleben dürfen, weil er so substanzlos ist wie Röslers Erwiderung und Steinbrücks hilfloses Gestammel angesichts dieser Königin der Herzen der Mitte. Und wie jede dieser treusorgenden Mütter der Nation hat sie es verstanden, Euphorie zu vermeiden und bedeutet, dass es selbstverständlich ist, dass die Bürger*innen nach so viel Opfermut ein Anrecht auf Belohnung haben sollten – sofern es die Kassenlage zulässt. Das ist mal ein Wort, nichts muss sich ändern und alles wird gut.

Man konnte ihr ansehen, wie es sie mitgenommen hat, diese gute Nachricht verbreiten zu können, das ist die Empfehlung schlechthin für den September – und deswegen wird man es ihr dann auch wiederum abnehmen, dass es nicht geklappt hat, weil wieder einmal so eine Nation von Schmarotzen unter den Rettungsschirm geflüchtet ist und deshalb wieder einmal das Geld nicht reicht (vorsorglich hat man Kroatien aufgenommen, das klappt schon).

Es ist angekommen: lasst sie nur machen, sie ist auf dem richtigen Weg, geben wir ihr die Chance, wir haben es verdient.

Ein Wermutstropfen ist allerdings die Reaktion der CDU-Wirtschaftsverbände, die haben gelächelt und gefeixt und sich weiter nicht aufgeregt, weil ja alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.

Und darauf kann man sich halt verlassen.


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