Frankfurter Gemeine Zeitung

Grüne Spießer im Wahlkrampf

noch zu vergeben: der Gentrifizierungs-Riese

 

Das hatten sie sich etwas anders vorgestellt, diese satten grünen, mehrheitlich leicht in die Jahre gekommenen Gentrifizierer der ersten Stunde im Frankfurter Nordend. Ein gediegenes Publikum, das eine ebenso muffige Darstellung seitens der Politiker*innen, kurz bei Häppchen und Vino mals so ein bißchen über Wohnungspolitik räsonieren, denn die meisten der dort versammelten stehen auf der anderen Seite der Barrikade, heisst sie blicken auf ihre Vorgärtchen und fühlen sich höchstens bedrängt durch neue Nachbarn, die ihre Geländewagen so parken, dass Erstere mit ihren Fahrrädern nicht mehr die Bürgersteige entlang fahren können.

 

Und dann war dieses lärmende Völkchen zugegen, das auch noch per Flugblatt verkündete, jetzt genug von dem ewig gleichen Politikergeschwätz zu haben – das gerade von den Grünen in dieser Stadt glänzend beherrscht wird.

 

So konnte man einen Moderator erleben, Professor seines Zeichens, der sich distanziert indigniert gab, gleichwohl voll er Aggression steckte und Teile des Publikums, die sofort in die typisch kleinbürgerliche Attitüde der Kläffer verfiel, nein, das war nicht angemessen. So gelang es dem Grünen, der den offiziellen Titel Planungsdezernent trug unter der väterlichen Aufsicht des Herrn Professor, seine Hausarbeit halbwegs ordentlich aufzusagen, obwohl ihn der Beifall sichtlich zu verwirren schien, ohne deswegen auch nur mit einer Silbe auf Fragen einzugehen. Man hatte so den Eindruck, es war ihm ganz recht so, dass ihm der Herr Professor immer ins Wort fiel. Sicher aus Angst, der Kleine könnte sich rettungslos verhaspeln. Auch der Rest der Auserwählten spulten ihr Programm ab.

 

Es hätte so ein richtig schöner Sommerabend werden können, ohne die, die man sowieso nie fragt und die man hoffentlich demnächst nicht mehr im Viertel ertragen muss. Es war diesen grünen Rentiers anzumerken, dass sie gerne wie früher geschrieen hätten, geht doch nach drüben. Dumm nur, dass dieses Drüben längst kassiert ist, so blieb ihnen nur auf jede andere Vorstellung vom Lauf der Dinge zu schreien: wie in der DDR.

 

Das Gewäsch eines Cunitz, die Predigten eines Dreysse, der sich in zunehmendem Masse den Glorienschein des Urvaters der in Frankfurt sattsam bekannten Entwicklung stilisiert und die versuchte Heuchelei von Interesse der Bundestags- und Landtags-Aspiranten gehen nicht mehr so reibungslos vonstatten in diesem Quartier, soviel dürfte klar geworden sein. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, dass dieses lärmende fröhliche Völkchen wieder auftaucht, um dieses Trauerspiel der Grünen etwas lebendiger zu gestalten. Viel Glück, Leute.

PS: die vorgesehene Verleihung der oben dargestellten Skulptur fiel leider aus. Gibt noch mehr Gelegenheiten, ganz sicher.

 

 

 


Ein Kommentar zu “Grüne Spießer im Wahlkrampf”

  1. Ano

    Gegen das “Grüne Nordend” Frankfurts und seine grünen Gartenzwerge scheint das CSU geprägte Passau-Süd buchstäblich einen freigeistigen Ort abzugeben .
    Kann es denn wirklich sein, dass sich die ganzen Leute, die dort ohne ETW´s, Pensionen oder Erbschaften durchkommen müssen, von diesen neuen Spiessern und Karrieristen angezogen fühlen?

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.