Frankfurter Gemeine Zeitung

Von Grünen Erbhöfen

Es ist eine kurze Meldung und doch beleuchtet sie ein in letzter Zeit recht häufig zu beobachtendes Phänomen in unserer politischen Landschaft, das allseits beliebte Bäumchen-wechsle-dich-Spiel in dessen Verlauf die Banker zu Politiker und die Politiker zu Manager werden.

„Die SPD kritisiert, dass die Stellen beim städtischen Wohnungskonzern ABG “offensichtlich innerhalb der Grünen-Fraktion vererbt werden”. Damit spielt SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling darauf an, dass die Grünen-Stadtverordnete Heike Hambrock bei der ABG eine Position übernehme, die bisher die Grünen-Stadtverordnete Andrea Lehr innehatte. Lehr rücke zur Prokuristin auf. Hambrock übernehme Lehrs Position als Leiterin der Servicestelle West der ABG.“ (alles Grüne Frauen).

Tja und warum wundert sich dieser Herr so sehr, hatte es sein Parteivorsitzender aus besseren Tagen doch vorgemacht und dessen Aussenminister und der hessische Ministerpräsident und und und.
Hören wir zu:
„Die Verflechtung der ABG mit politischen Entscheidungen im Römer sei “immens”, urteilten die Sozialdemokraten. Schon bei der Berufung Lehrs zur ABG hätten die Grünen seinerzeit ihre kritische Haltung gegenüber dem städtischen Wohnungskonzern aufgegeben.“

Da hat er etwas velwechsert, zumindest die Reihenfolge hat er durcheinander gebracht, der Herr von der SPD, wenn es denn so eine Distanz überhaupt gegeben hatte.
Und ausserdem: die Grünen sind doch an der Macht und ihre Vertreter im Aufsichtsrat der gleichen Unternehmung machen – ebenso wie die anderen Kollegen im Aufsichtsrat – dort die gleiche Politik wie ihre Stadtverordnetinnen in ihrem Bereich, den Ausschüssen und dem Parlament.
Man sollte es als das auffassen, was es auch ist, nämlich die Anerkennung der bisherigen Aktivitäten dieser Frau, denen nun der fällige Respekt gezollt wurde.
Wenn das die Opposition jetzt erst entdeckt hat, spricht das nicht unbedingt für ihre politischen Einsichten. Ein Blick zurück wäre da sehr hilfreich gewesen, immerhin haben sie einen ehemaligen Planungsdezernenten, der als Selbständiger gerade dabei ist, die Ernte einzufahren, deren Samen er damals gesät hatte.

Der nun angeprangerte Filz ist beileibe kein individuelles Phänomen, sondern seit einiger Zeit verstärkt und mit zunehmender Geschwindigkeit an jeder Ecke zu beobachten. Die oben genannten Beispiele sind nur die in Deutschland am augenfälligsten. Die Durchdringung von politischer Ebene und dem Spitzenmanagement hat längst Ausmasse angenommen, die z.B. von einem politisch-finanziellen Komplex sprechen lassen. Dies ist nicht immer offensichtlich, wird aber auch nicht verheimlicht. Wir haben es längst hingenommen, dass hier ein Kommen und Gehen stattfindet, dass wir uns über eine derartige Moral nur noch lustig machen können.

Und mal Hand aufs Herz: diesen Konflikt zwischen Mandat und sonstigen Verpflichtungen, den hat es doch nie gegeben.
So auch hier, die gute Frau steht sich finanziell nur etwas besser als vorher, sonst?
Sonst gilt: „same procedure as every year“.
Für was hat man den Partei-Freund und Planungsdezernenten denn auch im Aufsichtsrat dieser Firma.

Ist doch auch völlig (l)egal und völlig normal. Wirkliche Eliten finden sich überall zurecht, deswegen bleiben sie auch so gerne unter sich.


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