Frankfurter Gemeine Zeitung

Kulturcampus ade! Zum Abriss des AfE-Turms

Den Abriss des AfE-Turms kommentierte F. Junker, Geschäftsführer der ABG Holding mit blumigen Worten:

„Damit bringen wir den Kulturcampus als wichtiges Projekt der Stadtentwicklung in eine neue Phase.“ (ABG „Aktuelles“ : “Abriss des AfE-Turms beginnt nächste Woche“)

Dieses „wichtige Projekt der Stadtentwicklung“, bei dem der schwarz-grüne Magistrat „Bürgerbeteiligung“ eher zum Schein als real praktiziert, wird gestartet, ohne dass die parlamentarischen Gremien über die Veränderungen des ursprünglichen „Konsensplans“ gegenüber dem „Strukturplan“ (Reduzierung des Wohnanteils), über Anträge der Opposition und aus dem Ortsbeirat 2 beraten und entschieden haben. Erst nach der Sommerpause sollen die Stadtverordneten ihr demokratisches Entscheidungsrecht wahrnehmen und dann die Planoffenlegung einleiten.

Derweil scheint Herr Junker den Planungsdezernenten zu spielen. Er würde mit dem Abriss des Turms vollendete Tatsachen schaffen, die beispielsweise seinen Erhalt, die Sanierung und die Umnutzung ausschließen.

Der Turm musste noch während des laufenden Semesters von den dort ansässigen Fachbereichen geräumt werden, Klagen von Personalrat, AStA, von Dozenten und Studierenden über zu kleine und fehlende Räume auf dem IG Farben Campus verhallten. Damit niemand auf die Idee einer kulturellen Zwischennutzung des AfE-Turms kommen konnte, wurde das Ergeschoss vollständig mit Bauzäunen und Nato-Draht verrammelt.

Mittlerweile kursieren Gerüchte, nach denen die ABG Holding auf der Suche nach privaten Investoren ist und das Areal des AfE-Turms nebst angrenzenden Grundstücken – noch vor Ablauf der Spekulationsfrist? – für vorwiegend „gewerbliche Nutzung“ lukrativ weiterverkaufen will.

Bereits das Grundstück der alten Mensa wurde an einen privaten Investor verscherbelt und damit die Möglichkeiten für einen Umzug der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frage gestellt.

So erweist sich die Behauptung der ABG Holding, sie habe das Areal „im Sommer 2011 vom Land Hessen erworben, um eine Zerstückelung in kleine Parzellen zu verhindern und das neue Quartier aus einem Guss entwickeln zu können“ als Farce.

Auch die großspurige Ankündigung von „Wohnraum für alle“ hört sich bei den zu erwartenden Mietpreisen auf dem Depot-Gelände (voraussichtlich 12 Euro/qm kalt) vor allem bei Menschen mit niedrigem Einkommen nur noch wie ein schlechter Witz an.

Die Sprüche vom „Leuchtturm Kulturcampus“ sind letztlich die Begleitmusik zur Privatisierung von einst öffentlichem Grund und Boden, den Profit eignen sich Wenige auf Kosten der Mehrheit an.

Vor diesem Hintergrund sind Ideen, Zeit und Kraft bei Aktionstagen gegen neoliberale Stadtentwicklung notwendig und zu unterstützen, small talks mit den Verantwortlichen für Gentrifizierung bei „Runden Tischen“ aber sind für die Katz.

von Angelika Wahl


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