Frankfurter Gemeine Zeitung

Namenswechsel im Norden: “Bild am Montag”

Wer die Zeitläufte der Medienwelt und die heutigen politischen Konstellationen noch nicht so recht glauben mochte, oder wer sich ein bißchen wegen seiner gelegentlichen Einfältigkeit und den dümmlichen Phrasen schämte, über die er sich zuweilen so klammheimlich freuen konnte, oder wer im Mittelstand eines Speckgürtels lebt, auch so denkt, und das ein bißchen für sich selbst abgeschatten möchte – all denen sei gesagt: Tempi passati.

Der Spiegel wird nun ganz offiziell zu dem, was er schon seit bald zwei Jahrzehnten artikuliert, nämlich ein neoliberales Regierungsblatt erster Güte, das dem Berliner Regierungsviertel und dem BDI ganz flink nach dem Mund redet, und gut mit dem Jäckchen linksliberaler Vergangenheit die Verkaufszahlen halten konnte. Das hat er nun endgültig abgelegt.

Endlich werden Bild und Spiegel faktisch nämlich eine Kampfront.


Ums Leben fürchten oder nicht

Passend zur Wahl und nationalen Stimmungen im europäischen Wettbewerb mobilisiert die CDU und verwandte Kreise wieder mal gegen Asylbewerber.

Keine Frage: einige Tausend Anträge mehr gibt es hierzulande im Jahre 2013 und am Ende bleiben gar noch ein paar Dutzend Flüchtlinge in unserem kleinen, ach so gefährdeten Land. Deshalb werden flugs Alarmtreffen einberufen, um über schnelle Gegenmaßnahmen zu beraten.

Auch die Rechtsradikalen versuchen, darüber neue Sympathisanten zu gewinnen. In Berlin Hellersdorf geht es aktuell um die Vorbereitung eines Volkssturms: natürlich nicht das Innenministerium soll Ziel sein, sondern ein kleines “Asylbewerberheim” in einer ehemaligen Schule vor Ort. Ein paar Dutzend Nazis versuchen unter verschiedenen Fahnen gegen die Bewohner vorzugehen – soviel deutsche Hauptstadt muß schon sein.

Besonders interessant ist jedoch eine Meldung aus Berlin, die den schwelenden Nationalgeist und unsere eingespielten Selektionsverfahren voll ins Licht stellen: “Die Berliner Integrationsbeauftragte Lüke forderte eine Bannmeile um Asylunterkünfte. Kundgebungen gegen Bewohner der Heime müssten unterbunden werden, sagte sie in Berlin. Die meisten Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchten, dürften nicht erneut um Leib und Leben fürchten müssen.

Das freut doch alle im liberalen deutschen Lande: DIE MEISTEN dürften nicht erneut um Leib und Leben fürchten müssen! Da fragen wir doch die Berliner Integrationsbeauftragte einfach mal, was denn die anderen, DIE WENIGEN zu fürchten haben: auf welche Weise sollen diese Zuflucht Suchenden denn gegrillt oder massakriert werden, und wer bitte selektiert die Delinquenten denn?

Oder hat sich etwa die Redaktion des qualitätsjournalistischen Deutschlandfunks einen veritablen Versprecher geleistet? Na, bei der ganzen Aufregung im Bundestagswahlkampf erhofft man vielleicht einfach etwas mehr Stimmung in unseren Städten, was ist denn schon eine echte Wahl ohne echte Events?

Zumindest geht solch ein Statement bruchlos durch die deutschen Medien des Jahres 2013, und sagt damit einiges über die allgemeine politische Atmosphäre in der erfolgreichen Wettbewerbsnation.

 


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