Frankfurter Gemeine Zeitung

Real nach Wiesbaden schwimmen: Grünes Klima in RheinMain

Ein paar Wochen vor der Landtagswahl in Hessen (ja, die ist auch Ende September, Moment, es ist ein Sonntag, der 22.) machen die Parteien auf sich aufmerksam, und wir müssen  ein bißchen mehr als sonst ertragen. Zumindest dann, wenn uns nicht einfach prickelndes Entertainment im Stadtteil vor Ort geboten wird.

Die Grünen, in Frankfurt mit der CDU seit Jahren harmonisch in bürgerlicher Regierung, entdecken zur Wahl ihre weniger spießige Vergangenheit, und zwar in unbootmäßigen Bürgerinitiativen. Das wird auch Zeit, denn wenn man selbst wenig mit Unbootmäßigkeit zu tun hat, gar diese in der kleinen Metropole am Main eher verfolgt als sich an ihnen zu beteiligen, benötigt das uninteressierte Wahlvolk, besonders die gewünschte Klientel ein paar Erzählungen, die sich in den geäusserten Unwillen einordnen sollen. Denn wer erzählt nicht gerne mal von damals, als es noch im Wald gegen die “Startbahn West” ging, sozusagen als die mythische Gründungsveranstaltung der Frankfurter Grünen verkauft.

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Lang ist es her, doch heute wohnen in RheinMain, besonders rund um Frankfurt noch und wieder viele, die seit Jahren weiter gegen Fluglärm kämpfen. Meist sind sie in Bürgerinitiativen organisiert, die sich um die Errichtung der neuen 4. Bahn im Wald gebildet haben. Sie fordern eine Schließung der Bahn, die Erweiterung des Nachtflugverbots auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens und die Deckelung der Flugbewegungen.

Abseits allem Geplapper fern vom Ort des Geschehens stimmten die Frankfurter Grünen im Stadtparlament nicht gegen den Flughafen, sondern hielten sich mit Enthaltungen brav an Bedingungen, die ihre Spießerkoalition im Römer nicht gefährdeten.

Zur Wahl aber dichtet eine Stadtverordnete und grüne Landtagskandidatin (auf der Heide) die Realität ihrer Partei um und behauptet gegen die Aversionen vieler Flughafengegner*innen zu ihrer Organisation, „dass ihre Partei als einzige für ein Nachtflugverbot von 22h- 6h gestimmt habe“. Nun mit Verlaub, als Partei haben eigentlich nur die Linken solches getan, und die Grünen damit zu verwechseln entspricht etwa dem, meiner Katze ein ausgesprochenes Begehren nach Langstreckentauchen zuzuschreiben.

Vielleicht folgt solchen Witzen eine neo-politische Strategie von “grüner Atmosphäre für Frankfurt”, denn die zeitgemäße Bio-Partei formuliert schließlich auch gegen Nazis, oder besser sagt sie einfach: “Gemeinsam gegen rechts”. Klar, wer hat nix irgendwie “gegen” die, solche Burschen sind schließlich fürchterlich uninspiriert und verderben uns die schönen Tage.

Wenn  es aber wirklich mal gegen Nazis geht, wie bei deren Aufmarschversuch am 1. Mai in Frankfurt, dann macht Grün lieber gesittet grünes, nein urbanes Gardening. Und fleißig pflanzende Grüne schauen doch etwas indigniert auf die unwilligen Nazi-Störer am Ostbahnhof, wo doch der Flughafen den ganzen Garden dort so nett gesponsert hat. Wer will denn dann noch meckern. Natürlich, zwei paar Schuh: gegen Nazis hat man “auch immer gestimmt” und die Fraport AG gehört schließlich zu RheinMain. Wer hat schon etwas gegen grünes Kulturmanagement und einen Garten vor der künftigen EZB, und wo es doch so vielen Kindern Spaß macht? Es ist einfach wie bei der WM vor Jahren am Main, dabei sein ist alles.

OK die Wahl wird knapp, aber Grün wird kaum nochmal verlieren wollen, nicht in die Falle von 2008 tappen, als eine sozialdemokratische Sozialdemokratin Rot-Rot-Grün wollte und die qualitätsjournalistische Republik entsetzt aufschrie – denn beinahe drohte Kommunismus ala Willy Brandt. Dann doch lieber alles offen lassen für schwarz-grün, passt farblich eh viel besser zu Frankfurt: mit Harmonie um Boris Rhein, den Innenminister und EX-OB-Kandidaten für Frankfurt. Der pflegt wenigstens noch die bemerkenswerte Tradition der hessischen CDU.


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