Frankfurter Gemeine Zeitung

“Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”: Die Verzweiflung der SPD


Verzweiflung schafft mißlingende Symbole. Die SPD hat zwei Wochen vor der Wahl jeden Grund, verzweifelt zu sein. Ihr Kandidat bleibt selbst hinter der 30 Prozenthürde zurück. Und was wichtiger ist: Als Oppositionsführer hat er für die Wahl keine erfolgversprechende Koalition geschmiedet, die mit dem Regierungslager mithalten könnte, obwohl beide “Lager” laut Umfragen fast stimmengleich sind. Steinbrück und die SPD haben also versagt, denn wie auch immer es ausgeht: die nächste Kanzlerin heißt Merkel so sicher wie das Amen in einer bayrischen Kirche.
Andrea Nahles hat nun Merkels Selbstbewußtsein singender- oder krächzenderweise mit dem Pippi-Langstrumpf-Lied: «Ich mach mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt.» verglichen und lächerlich machen wollen. Tatsächlich aber hat die SPD Merkel REAL in die Lage versetzt, sich die Welt zu machen, wie sie will: sie kann sich die Koalitionspartner aussuchen: Will sie lieber mit der FDP, den Sozen oder den Grünen- ein zweifelsohne herrliches Gefühl! Das Kanzleramt hat adäquat gelassen-ironisch reagiert und retournierte: «Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf hat in der Bundesregierung viele Fans. Die Bundesregierung dankt der Abgeordneten Andrea Nahles für das möglicherweise unbeabsichtigte Kompliment und sieht weder den Ruf von Pippi Langstrumpf noch den der Bundesregierung durch die Gesangseinlage beeinträchtigt.” Touche. Mal abgesehen davon, dass Pippi seit langem ein bekanntes Symbol der Frauenbewegung und allgemein eine unwiderstehliche Symphatieträgerin ist: Tatsächlich wäre der Refrain des Pipi-Langstrumpf-Liedes seinem Wesen nach utopisch und emanzipatorisch, also “links”, er wäre das, was Not täte, aber dafür haben die Sozen den Sinn und den Verstand verloren- selbst die angebliche SPD-Linke Nahles. Sie führt stattdessen das klassische konservative Argument ins Feld: DIE WELT ist aber doch SO und nicht anders. Merkel aber auf dem Feld der sog. “Realpolitik” übertreffen zu wollen, ist unmöglich, because that´s her real game. Die Verzweiflung der SPD besteht also völlig zurecht.


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