Frankfurter Gemeine Zeitung

Uraufführung: “Die Erle der Enthauptung”, dadaistisch-surreale Komödie von Bert Bresgen


Am Freitag den 25.10 hat die dadaistisch-surreale Komödie “Die Erle der Enthauptung” von FGZ-Autor Bert Bresgen im Frankfurter Kellertheater Premiere

Die “Erle der Enthauptung” spielt in einer seltsam verschobenen Gegenwart und mixt klassische Komödienmotive mit absurden Elementen aus Märchen, Schauerromanen, dadaistischen Sprachspielen und schwarzer Romantik inclusive ein paar Anspielungen auf Politik.
Es geht um Reitclubmitglieder, die ihre Pferde essen, christliche Orientalisten, die Wiedereinführung der Leibeigenschaft auf freiwilliger Basis, Töchter aus gutem Haus, die an Harfen gefesselt werden, die melancholische Hinwendung zum uneigennützigen Bösen, eine Mutter, die ihren violinspielenden Sohn um sein Erbe betrogen hat und ihn an Sängerinnen der Buckligenstiftung verkuppeln will u. ä. Also um Dinge, mit denen wir eigentlich jeden Tag zu tun haben.

Weitere Informationen zum Stück und den Mitwirkenden findet man auf der Facebookseite: https://www.facebook.com/erle.der.enthauptung oder auf http://www.kellertheater-frankfurt.de/

Darsteller: Tommy Steinkopf, Daniela Vollhardt, Brigitte Korn, Vera Dinges, Samir Djikic, Fabian Dornuf, Birgit Hasse, Kathleen Witt, Bert Bresgen. Choreographie: Jungyeon Kim Bühne: Joao Malheiro . Regie: Oliver Scholz

Termine:
Premiere: 25.10. (ausverkauft) Weitere Termine: Sa 26.Oktober/Fr. 1./Sa 2./ Fr. 29/ Sa 30.November Fr 13.,/ 14.12./ 20./ 21. Dezember. Beginn: jeweils 20.30 Uhr, Kellertheater Frankfurt Mainstraße 2 FFM. Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.


“Wem gehört die Stadt Frankfurt” ist wieder am Netz


Lange schien sie sanft entschlummert: die Homepage des kritischen Frankfurter Netzwerkes “Wem gehört die Stadt”. Nun ist sie wieder in den endlosen Weiten des World Wide Web präsent unter: http://wemgehoertdiestadtffm.net/ Wer also wissen möchte, wie der Aktionstag gelaufen ist oder was die kritische Stadtbewegung in Frankfurt macht, sollte ihr einen Besuch abstatten. Noch sind die Einträge recht spärlich, aber das muss ja nicht immer so bleiben! Mit von der Partie ist beim Netzwerk ein sehr heterogenes Spektrum: Turn Left, die Bockenheimer Bürgerinitiative, die Gallus-AG, kritische Geographen, die interventionistische Linke usw. Auch die FGZ ist im Netzwerk vertreten.

Sein Selbstverständnis hat das Netzwerk so formuliert:

“»Die Frage, welche Stadt wir wollen, lässt sich nicht von der Frage trennen, was für Menschen wir sein wollen, welche sozialen Beziehungen wir anstreben, (…)« David Harvey

Der Slogan des Netzwerks »Wem gehört die Stadt?« stellt in erster Linie Eigentumsverhältnisse in Frage, und ist die Provokation, mit der wir in den städtischen Raum intervenieren wollen.
Gehört die Stadt überhaupt? Wir wollen mit der Frage die Möglichkeiten, die eine Stadt bietet, ausfindig machen und vor allem die Grenzen, die die gesamte Stadt durchziehen, benennen und angreifen. Sie drückt außerdem aus, dass
wir auf der Suche nach unserem Verhältnis zu dieser Stadt sind. Gehört sie auch denen, die besitzlos sind? Wollen wir, dass sie uns gehört? Eine Frage ruft nach Antworten, die mit Sicherheit sehr unterschiedlich ausfallen werden. Eins
unserer Ziele jedenfalls ist, mit Interventionen in der Stadt Ideen einer Gesellschaft aufzeigen, in der Leben eine andere Bedeutung hat als Lohnarbeit und Freizeitpark.

Was tun?
Wir wollen, dass nicht die soziale Herkunft oder die Hautfarbe darüber entscheidet, wer eine Wohnung in der Stadt bekommt. Wir wollen uns unkontrolliert und nach eigenem Belieben überall bewegen können. Wir wollen eine Stadt,
in der das Wohnen ein bedingungsloses Recht aller ist, völlig egal, welche materiellen Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen und egal, in welche Kategorie von »Nützlichkeit« irgendwer gesteckt wird. Mieter_innen Initiativen für bezahlbaren Wohnraum, die Forderung nach sozialem Wohnungsbau in Mitten der Städte und Kämpfe gegen Aufwertung und die damit einhergehende Verdrängung und Umstrukturierung wollen wir unterstützen und bestärken.
Gleichzeitig sind wir der Meinung: Wohnraum darf keine Ware sein, Stadt darf keine Ware sein! Für eine Politik, die »Frankfurt für alle« proklamiert, aber »Frankfurt für alle, die es sich leisten können« meint, stehen wir als Netzwerk
nicht zur Verfügung. Das schließt auch aus, dass wir uns an Runde Tische setzen, wo mit Petra Roth über die weitere und beschleunigte Privatisierung des öffentlichen Raums geredet wird. Oder wo die Schaffung von »attraktiven
Wohnangeboten« für angebliche Leistungsträger Thema ist.

Vernetzen!
Mittlerweile beschäftigen sich die unterschiedlichsten Menschen, Initiativen und Gruppen in Frankfurt mit der neoliberalen Umgestaltung des städtischen Raums. Allerdings gibt es in Frankfurt, anders als beispielsweise in Hamburg (Recht auf Stadt) bisher keine stadtweite Vernetzung, die einen Austausch über einzelne Gruppen und Initiativen hinaus ermöglicht. Mit der Schaffung des Netzwerks »Wem gehört die Stadt?« soll sich das ändern:
Teil des Netzwerks können alle sein, die sich im weitesten Sinne mit Gentrifizierung, Verdrängung und Überwachung etc. beschäftigen, oder direkt von ihr betroffen sind und dagegen emanzipatorische Vorstellungen erkämpfen wollen.
Ein Netzwerk wird trotz und wegen aller Unterschiedlichkeiten die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen, über Aktionen zu informieren oder Bündnisse zu konkreten Anlässen zu schließen. Wir wollen uns so gegenseitig unterstützen und stärken, ohne immer über alle politischen Fragen gleicher Auffassung sein zu müssen.

Das Netzwerk ist kein Bündnis!
Schon jetzt haben wir uns im Netzwerk auf einige strukturelle Vorgehensweisen geeinigt. Es gibt keine Sprecher_innen und keine gemeinsamen Aufrufe oder Texte. Die im Netzwerk beteiligten Gruppen verfassen ihre eigenen Aufrufe, machen ihre eigenen Aktionen und verwenden dabei das gemeinsame Label »Wem gehört die Stadt?«. Wird es nötig als Netzwerk öffentlich aufzutreten, können das Vertreter_innen der einzelnen Gruppen übernehmen – allerdings
muss immer klar sein, aus welchem Zusammenhang sie kommen und dass sie nicht für alle am Netzwerk Beteiligten sprechen können.
Für gemeinsame Aktionen bilden sich Bündnisse aus Gruppen und Initiativen, die dann als Teil des Netzwerks gemeinsam auftreten, Texte und Aufrufe verfassen.

Das Netzwerk ist kein Ort der Beliebigkeit!
Trotz aller Offenheit, die wir für wichtig halten, um die längst fällige Szeneübergreifende Frage »Wem gehört die Stadt?« zu stellen, halten wir es für unerlässlich, einige Grenzen abzustecken. Bürgerwehr-Begeisterte, die der Meinung sind ihren Kiez oder Park von »Pennern«, »Schmarotzern « und »Asozialen« befreien zu müssen,
Rechtspopulist_innen, die den Niedergang Frankfurts oder des Abendlands in angeblicher »Überfremdung« phantasieren oder Nazis, die sich Frankfurt als »national befreite Zone« herbeisehnen, haben in dem Netzwerk nichts
verloren. Das heißt knapp gesagt: Das Netzwerk ist keine Spielwiese für Antisemit_innen, Homophobe, Rassist_innen, Sexist_innen und andere Idioten. Außerdem wollen wir uns nicht parteipolitisch instrumentalisieren lassen, deshalb ist das Netzwerk keine Plattform für Parteien.”

Das Netzwerk trifft sich bereits regelmäßig und freut sich über weitere Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen, die mitmachen wollen. Ort und Termin der Treffen findet man auf der Website.


Der alltägliche Terror: unsere eigenen Kriegsverbrecher

Die Jagd nach Kriegsverbrechern, Warlords und anderen Mördern zieht sich quer durch Schwarzafrika. Gefangene Gesuchte sollen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zugestellt werden. Einige Gejagte aus West- und Zentralafrika kamen in den letzten Jahren vor das Tribunal, und die “internationale Gemeinschaft”, welche unsere Medien gerne gegen die gefährlichen andererorts beschwört, scheint Recht durchzusetzen.

Jedoch wird dabei meist vergessen, dass der Staat, der weltweit im letzten halben Jahrhundert die meisten (Angriffs-)Kriege auf der Welt führte, die USA, den Gerichtshof nicht anerkennen und in Schutzverträgen mit anderen Staaten dafür sorgen, dass ihre eigenen Kriegsverbrecher geschützt werden. Und davon gibt es eine Menge.

Amnesty International veröffentlicht aktuell eine Studie, die den illegalen Drohnenkrieg in Pakistan untersuchte, und eine Serie von Staatsverbrechen  konstatierte: “Mit dem strikt geheim gehaltenen Drohnenprogramm geben sich die USA eine Lizenz zum Töten, die menschenrechtliche Standards und das Völkerrecht vollkommen ignoriert”. “Der Bericht belegt eindrücklich, dass die Zivilbevölkerung in der Unruheregion in ständiger Angst vor den Einsätzen lebt: Im Oktober 2012 wurde beispielsweise eine 68-jährige Großmutter vor den Augen ihrer Enkel getötet, mit denen sie auf dem Feld arbeitete. Die Kinder wurden bei einem zweiten Schlag schwer verletzt. Im Juli 2012 trafen US-Drohnen 18 Männer, die sich nach ihrem Arbeitstag zum Abendessen zusammengesetzt hatten. Sie wurden in den anschließenden offiziellen Berichten als militante Kämpfer bezeichnet – nach Erkenntnissen von Amnesty handelte es sich um Dorfbewohner, die keinerlei Bedrohung darstellten.”

An diese Mordserien haben wir uns inzwischen beinahe gewöhnt, überraschend kommt allerdings ein weiteres Statement zur Rolle Deutschlands bei diesem Treiben: nach pakistanischen Quellen haben deutsche Geheimdienste den US-Drohnen Kämpfern Daten über mögliche Ziele in Pakistan zukommen lassen, sich also an Kriegsverbrechen beteiligt.

 

 


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