Frankfurter Gemeine Zeitung

Von Frankfurt nach Lesbos – weiter auf der Insel

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Fortsetzung der Impressionen aus Griechenland

Trotz wunderschönem Oktober finden sich kaum noch Touristen in den Herbstferien ein und die Insel kehrt zu einem Rhythmus zurück, einer Art Winterschlaf, der Athen und Troika weit weg sein lassen. Hier leben viele Rentner, solche aus den Jahren mit gesicherter Zukunft, aus ganz Europa, die ihre Renten in gesicherter, weil dörflicher Umgebung fernab verzehren. Sie passen in das Bild, das besagt, warten wir lieber ab, was passiert, uns trifft es nicht mehr oder wird es nicht treffen.

Es gibt auch andere Stimmen, die meinen, es sei höchste Zeit, eine andere ökonomische Grundlage zu schaffen, die sich an den Bedarfen der Menschen hier orientiert, zugleich gestehen sie zu, dass die Mehrheit es bislang vorzieht, sämtliche Anzeichen dieses inszenierten Menetekels einfach nur als vorübergehende Erscheinung zur Kenntnis zu nehmen, dann ginge es schon weiter, irgendwann.

Nicht dass die Insel nicht die Voraussetzungen böte, die eine Grundversorgung in Eigenleistung ermöglichte, Arbeit hat derweil einfach einen schlechten Beigeschmack, es sei, sie ist mit den Attributen verbunden, die täglich über die Medien transportiert werden und die griechischen produzieren eifrigst jede Menge Ablenkung.

Das vermeintlich leichte Geld des Tourismus ist längst zum Maßstab geworden, an dem sich alles zu orientieren gedenkt. So bleiben die Diskussionen genau an dem Punkt stecken, der eigentlich der Anfang sein sollte. Jetzt, da es den Menschen noch nicht so schlecht geht, dass sie an der Grenze zum Überleben stehen, warten sie ab, bis diese Marke unmittelbar an sie heran gerückt ist. Jetzt, da die Zentralregierung zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, um sich um alternative Entwicklungen auch nur zu scheren, besteht für die meisten kein Handlungsbedarf.

Trotz der von Berlin und Brüssel erzwungenen Verarmung ist von Ressentiments gegenüber Deutschen hier wenig zu spüren, diese werden hier auch im Gegensatz zu Deutschland nach Art der “faulen Griechen” nicht geschürt.

Die neofaschistische Strömung ist vor allem eine städtische Angelegenheit, deren Parolen hier auf der Insel wenig Anklang finden. Sicher bestehen Ängste, dass Flüchtlingswellen hier stranden könnten, doch gilt der Ärger vornehmlich den Politikern in Athen und Brüssel. Diejenigen, die hier gelandet sind, konnten nur überleben, weil ihnen von der Bevölkerung geholfen wurde, während die grossen Verfechter der Menschenrechte von Bagdad über Kabul und Damaskus ihnen noch nicht mal Zelte und sanitäre Einrichtungen zugestanden haben. Erst kürzlich gelang es, die Administration dazu zu bewegen, für diese Menschen eine längst aufgegebene Kaserne bereit zu stellen. Davor zogen sie vor die Polizeireviere und verlangten verhaftet zu werden, um nicht irgendwo in der Gosse übernachten zu müssen. Versorgt werden sie immer noch von Freiwilligen.

Im Grunde herrscht ein gewisser Fatalismus, der sich wohl erst legen wird, wenn die Lage noch schlechter wird und aus Überlebens-Notwendigkeit Alternativen beschritten werden müssen. Auf Gelder aus Brüssel hofft hier niemand mehr, zudem sich diese Gabe als jene berüchtigten Danäer-Geschenke erwiesen haben, die schon die Römer gefürchtet hatten. Mit diesem Geld gelang es, einst funktionierende Genossenschaften zu zerschlagen, Institutionen, die jetzt fehlen, wo es darum geht, wirkungsvoll gegen zu steuern.

Sehr zuversichtlich klingt dies alles nicht gerade, bei dem schönen Wetter lässt es sich allerdings recht locker über diese Dinge diskutieren und Athen, Brüssel und Berlin sind weit weg.


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