Frankfurter Gemeine Zeitung

VOLL:MILCH und die Freie Szene Frankfurts


Die Hildesheimer Theatergruppe VOLL:MILCH zeigt am Mittwoch, 20. November 2013 um 20.00 Uhr
im THEATER WILLY PRAML in der Naxoshalle ihre Eigenproduktion : VOLL:MILCH – Ein Performer findet die roten Schuhe, stellt sich vors Theater und klopft an.Mit: Paula Löffler, Stephan Mahn, Sebastian Rest, Birk Schindler, Katja Trachsel.

Im Stück selbst und in der anschließenden Podiumsdiskussion geht es um die Zukunft des Freien Theaters in Frankfurt am Main und anderswo. Das könnte vielleicht doch ein wenig arg selbstreferentiell anmuten, ist es aber letztendlich nicht, denn die VOLL:MILCH-Leute schaffen einen erstaunlichen Mix aus Pathos und absurder Ironie, der sich die Frage leistet, inwieweit Theater und Gesellschaft zusammenhängen. Ausgangspunkt dieses Stückes war das umstrittene Papier einer Perspektivkommission, die mit der Evaluation der Freien Szene Frankfurts beauftragt worden war. Die FGZ hat im letzten Jahr eine Kritik dieses Papiers publiziert. In diesem Papier wurde die Hildesheimer Gruppe den geschmähten Freien Theatern Frankfurts als positive Bezugsgröße gegenüber gerstellt. Wie der Abend zeigen wird, hat das VOLL:MILCH nicht daran gehindert, eine erfrischend respektlose Kritik an dem Gutachten und dessen Werturteilen zu üben und provokant die Frage nach der Rolle des Theaters in der heutigen Gesellschaft zu stellen. Agitprop vom feinsten! Ein theatralisch und kulturpolitisch aufregender Abend ist zu erwarten.

An der Podiumsdiskussion ab ca. 22 Uhr nehmen außer dem FGZ-Autor Bert Bresgen für das Kellertheater teil:
Florian Ackermann, Frankfurt LAB, Dieter Bassermann, Kulturamt Frankfurt a. M., Jan Deck, Landesverband professionelles freies Theater in Hessen, Linus Koenig, Landungsbrücken, Sebastian Popp, Kulturpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Römer,  natürlich Willy Praml himself, Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Universität Hildesheim und Prof. Dr. Gerald Siegmund, Uni Gießen, angew. Theaterwissenschaften, nebenbei einer der Gutachter, sowie Albert Zetzsche, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Sie selbst stellen ihre Produktion folgendermassen vor:

“Es muss darum gehen, Geschichte zu schreiben!

Im März 2012 wurde die Theaterszene in Frankfurt erschüttert. Auslöser war das 30 Seiten umfassende Papier einer Perspektivkommission, die mit der Evaluation der Freien Szene in Frankfurt beauftragt worden war. Die vier Experten dieser Kommission stellten fest, dass der Nachwuchs zu kurz komme und Frankfurt mit seinen etablierten freien Theatern und deren Gründern in den 80er Jahren stehen geblieben sei. Ein Glaubenskrieg wurde so vom Zaun gebrochen, in dem sich die Freie Szene selbst rechtfertigen, neu verorten und definieren muss, schließlich geht es um nicht weniger als die zukünftige Theaterförderung und damit die konkrete Existenz. Ein gutes Jahr später haben sich die Wogen wieder etwas geglättet. Viele Probleme des Papiers, soviel ist inzwischen klar, waren Resultat eines unklar formulierten Auftrags. Bewertet wird es von einigen als politisches Kalkül oder als Meinungspapier, von anderen als notwendiger Auslöser für eine Diskussion, welchen man aber im Detail einfach schnell wieder vergessen sollte. Die Evaluation lässt sich jetzt unter dem Strich als ungeschickt formuliert betrachten. Nichtsdestotrotz hat die Evaluation und die so ausgelöste Diskussion zur Abschaffung der bisherigen Förderstrukturen in Frankfurt geführt.

VOLL:MILCH erachtet die Evaluation als Beweis für eine dringend nötige Auseinandersetzung der Freien Szene mit den Produktionsbedingungen von Theater. Als Hildesheimer Studierende werden wir durch die Evaluation konkret erwähnt und wo mit unserem Studiengang argumentiert wird, fühlen wir uns angesprochen. Wir stellen uns daher die Frage: Wie wollen wir repräsentiert werden und unter welchen Bedingungen wollen wir Theater machen?

Schließlich müssen sich auch die Protagonisten der Freien Szene überlegen, wie sie miteinander die Theaterszene gestalten wollen. Die Freie Szene muss sich formieren können, um so selbst ihre Zukunft gestalten und damit politisch aktiv auftreten zu können.
Inspiriert von Brechts Mutter Courage und ihren Kindern, sowie vom Wizard of Oz, reist VOLL:MILCH von der Ausbildungsstätte Hildesheim, über die Ausbildungsstätte Gießen in den Krisenherd Frankfurt. In der Naxoshalle findet dann das große Finale statt, bei dem Geschichte geschrieben werden soll. Was sonst!?”


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.