Frankfurter Gemeine Zeitung

Macht sich Frankfurt mit den “Siegerentwürfen” zum Campus Bockenheim lächerlich?

Seit Mitte September sind die ersten Pläne zur Bebauung des Campus Bockenheim, und damit zur Entwicklung des „Kulturcampus“, öffentlich. Wir teilen weitgehend die heftige öffentliche Kritik an den Wettbewerbsergebnissen für die Fläche zwischen Senckenberganlage, Bockenheimer Landstraße und Jügelstraße.
In den Plänen der Investoren ist kein Konzept für die Gestaltung des Campus als öffentlichen Raum erkennbar. Dies gilt sowohl für die stadtplanerische Priorität, eine Verbindung zwischen Bockenheim und Westend herzustellen, als auch im Hinblick auf die Integration in die bestehenden städtebaulichen Strukturen. Der ausgewählte Entwurf sieht weitgehend hermetisch abgeschottete Büro- und Wohnbereiche vor und steht damit im krassen Gegensatz zur Bockenheimer Kultur öffentlicher Räume.

Das kommt nicht überraschend, sondern folgt einer bestimmten Logik: Ausgangspunkt des von der ABG Holding und des Investors Lang & Cie. ausgelobten Wettbewerbs war die Privatisierung öffentlichen Grund und Bodens unter der Vorgabe seiner maximalen Verwertung und größtmöglichen Flächenausnutzung. Dies ist letztlich Ergebnis einer am Profitinteresse orientierten Planung und entspricht keineswegs den Interessen der Mehrheits-Bevölkerung.

Brachen und Lücken sollen im Eiltempo mit Büro- und Geschosswohnungsbau geschlossen werden, während Marketingkampagnen “lebendiges Wohnen in der lebendigen Stadt“ versprechen. Doch über Erfolg und Misserfolg der verdichteten Stadt wird an der Schnittstelle von Wohnung und Straße entschieden. Die kollektiven Errungenschaften des letzten Jahrhunderts, die Qualitäten seiner halböffentlichen Räume, seiner typologischen Angebote an die Stadt und die Bewohner, fallen durch die Finanzierungsraster des renditegeprägten Bauens. Dabei bleiben die in den Planungswerkstätten angestrebten Qualitäten auf der Stecke: So fehlen eine sinnvolle Durchwegung, Gemeinschaftszonen und Zonen des Übergangs von Öffentlich zu Halböffentlich und Privat.

Auffällig bei der medialen Bewertung der Entwürfe ist deren Fokussierung auf die Fassadengestaltung. Diese ähnelt in ihrer optischen Wirkung dem Außenbild dessen, was in Frankfurt leider State of the Art ist. Aufwendige Gestaltung mit teuren Materialien täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Außenhaut keinen Bezug zum Inhalt und zu den umliegenden Bestandsbauten hat (Der einzige Entwurf der den Bestandsbau Juridikum eingebunden und erhalten hat, kam nicht in die
Siegerauswahl). Während die Nutzungsart in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund tritt, möchten wir betonen, dass – nachdem schon der erste Bauabschnitt am Bockenheimer Depot ohne Bürgerbeteiligung abgelaufen ist – auch das nun Geplante keineswegs auf Planungswerkstätten und „Konsensplan“ zurückzuführen ist.

Während die Planungswerkstätten einhellig für einen Standort der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst an der Bockenheimer Landstraße votiert hatten, welcher in Verbindung zur gegenüber geplanten Probenbühne stehen würde, wird nun an prominentester Stelle des großmäulig angekündigten „Kulturcampus“ ein Bürobau stehen. Dies ist nicht nur ein falsches Signal für das gesamte Vorhaben, sondern widerspricht den Ansprüchen der Menschen in dieser Stadt: Der hohe Anteil an Büros ist nicht gewollt und wird in der Leerstandshauptstadt Frankfurt objektiv auch nicht gebraucht. Hier wird offensichtlich, dass die Planung dem Anlageinteresse von Investoren dient und nicht dem Wohl der Stadt.

Mit den bislang geplanten überwiegend teuren Wohnungen droht eine Chance vertan zu werden, auf den hinlänglich bekannten Mangel an günstigem Wohnraum zu reagieren. Zudem enthalten die vorliegenden Pläne keinerlei Ansatz für dringend benötigtes studentisches Wohnen. Dies ist umso fataler, als es noch nicht einmal eine Garantie für die bestehenden Wohnheime auf dem Campus gibt.

Es steht zu befürchten, dass nun im Dienste einer häppchenweisen Verwertung bei jedem Bauabschnitt die gleichen Fehler wiederholt werden. Der Campus Bockenheim wird dann ein ebenso von den Stadtteilen losgelöstes fassadenorientiertes, aber lebloses Stadtbild abgeben, wie es der auf Repräsentation zielende IG Farben Campus schon heute ist: eine „schöne neue Welt“ ohne urbane Lebensqualität.

Initiative Zukunft Bockenheim / Offenes Haus der Kulturen


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