Frankfurter Gemeine Zeitung

Xaver bleibt unberechenbar!

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Xaver schwebt heran

Es sollte wieder eine Sternstunde der deutschen Medien werden: Xaver reiste auf die Nordseeküste zu und stürmte vor der Ankunft schon durch Interviews und Sonderberichte.

Hoffnung bestand: können wir endlich mal richtig am Klimawandel teilnehmen, mehr Views und Klicks als die karibischen Tornados oder die fernöstlichen Taifune generieren? Xaver sollte der schlimmste seit Jahrzehnten sein, der echte Jahrhundertorkan, was sage ich, der Jahrtausendsturm. Immer wieder redeten mutige Journalisten gegen läppische Widerstände an: “Kann man denn nicht sagen, dass Xaver der bedrohlichste Orkan seit vielen Jahrzehnten ist?”, bohrte es vor dem erwarteten Ereignis wieder und wieder in klimatologische Spezialisten hinein.

Aber irgendwie wollten die Wetterleute nicht recht: “Nein, es ist zwar ein Sturm, aber der in den Neunzigern war erheblich schlimmer.” Immerhin: Trotzdem sollte man Xaver nicht vernachlässigen. “Aber es ist doch immer noch möglich, dass es der schlimmste wird, seit gut einem Jahrzehnt, dieses Jahrtausend oder?” Ausgeschlossen ist nichts, ruderten vorsichtige Meteorologen zurück. Es wirkte, Einsatzkommandos wurden aufgestellt, Sondersendungen, Journalisten und Touristen zum Wetterspektakel an die Küste. Dabeisein zählt.

Es half alles nichts. Xaver wollte einfach nicht! Eine gewisse Trauerstimmung am Mittag danach: “Wieso war es denn nicht der schlimmste Orkan seit Jahrzehnten, so wie von allen erwartet?”, fragte die verwirrte Sprecherin einen Kollegen aus der Wissenschaftsredaktion. “Tja, Xaver war einfach unberechenbar, und so ist nur ein laues Herbstürmchen herausgekommen. Vielleicht haben wir heute Abend noch eine ganz kleine Chance.”

“Aber es gab doch trotzdem ein paar Landverluste?”, flehte es aus den Lautsprechern. Beruhigend, fast erlösend die Antwort: “Ja, auf Sylt rutschten einige Dünen, etwas Sand ins Wasser”.

Es war nichts, wieder nicht, und auf diese Weise werden wir  kaum mit den gewaltigen chinesischen Erdbeben mithalten können – und dann ist es aus im Kampf um die Exportweltmeisterschaft. Doch immerhin: der Rest des Globus beneidet uns wieder wegen des deutschen Qualitätsjournalismus, fast so gut wie deutsche Qualitätsautos. Denn wer in der Welt würde sonst derart punktgenau recherchieren: ““Xaver” fällt Weihnachtsbaum des Bundespräsidenten

Wir schalten um zum Prozess gegen  Christian Wulff.


4 Kommentare zu “Xaver bleibt unberechenbar!”

  1. Hans

    Guter Bericht…ja ich so ähnlich auch schon hier:

    http://www.pi-news.net/2013/12/xaver-der-offentlich-rechtliche-klimaschwindel/#more-374277

    gelesen ;-)

  2. Wohlgemuth

    Tja, manchmal ist das so platt, dass sogar diese Moslem-Kopfgeldjäger von rechtsaussen was mitkriegen. Denen geht es aber um öffentlich-rechtlich, nicht um die gleichzeitige Kampagne von “Bild” und ähnlichen privaten Qualitätsmedien.
    Und ich denke die würden auch sofort eine Meldung von Fox News bejubeln, dass 10000 islamische Atomraketen mit Giftgas und Todesviren auf uns gerichtet und startbereit sind.

  3. Bernhard Schülke

    Ähmm, Xaver hatte Todesopfer zur Folge. Wenn auch nicht bei uns, doch anderen Orts – Meines Wissens tobte der Sturm in Schottland besonders heftig mit Todesfolgen.

    Deutschland: Glück gehabt.

  4. Wohlgemuth

    Gewiß, von den traurigen Unfällen in Nordschottland oder wo es war, habe ich auch vernommen. Sie ergänzen die anderen Tausende Unfalltoten dieser Tage in Europa.
    Es ging hier eher um das mediale Hintergrundrauschen mit öffentlichen Erregungsspitzen, dessen Betrieb die FAZ gerade so schön beschrieb: “Sendungen mit dem Titel „Brennpunkt“ zu produzieren (so nannte man in dem Land ein besonderes Show-Format, das im Freien spielte und oft mit Überschwemmungen zu tun hatte)”

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