Frankfurter Gemeine Zeitung

Der kommende Aufstand will be gamed

Occupy ist weg, Blockupy zuweilen müde, und die arabischen Islamisten haben die Revolutionen gekapert. Was bietet sich dann mitten in Frankfurt besser an, denn ein Theaterstück über die Verzweigungen und Irrwege nach den Aufständen. Sie bilden den Rahmen für ein Stück, das uns der Mousonturm bot, „Nach dem Zorn“ heißt und von Stephane Bittoun inszeniert wurde.
Und weil wir in einer Gesellschaft der Medien leben, wurde die Bühne nicht nur durch fünf Akteure belebt, sondern auch noch durch eine Leinwand, auf die ein Beamer sie mit weiteren Erzählungssträngen verdoppelte, sogar zusätzliche Beteiligte genauso wie Sendungen der Tagesschau hinzufügte.

Dies formte den „Level 1“ des Spiels, in das uns virtuelle Occupy Aktivisten einführen, die nach andauernder Erfolglosigkeit wirklich nicht mehr weiter wissen, besonders mit dem ganzen System. Aus ihrer Sackgasse anonymer Wirkungslosigkeit sollen ein paar Ikonen vergangener Aufstände helfen, munter zu einer heterogenen Crew für den globalen Revolutions-Coup zusammengewürfelt. Sie bleibt hart am Geschehen, mit Fidel Castro vorne dran, im Schlepptau Che und Assange, moralisch betreut von Aung San Suu Kyi, von der unsereiner nur den Friedensnobelpreis kennt.

Passt auch, wenn es im weiteren drum geht, die fünfte der Erwählten aus dem Gefängnis zu befreien, das hübsche Pussy Riot Girl Hadesha. Im Film auf der Leinwand stürmt die Truppe durch Wälder und in ein Gefängnis, hauen die Punkerin ohne Rücksicht auf Verluste, aber mit vielen flotten Sprüchen raus. Nach geglücktem Coup geht es munter von Sibirien um die halbe Welt, bis in die arabische Wüste. Viele ihrer revolutionsaffinen Helfer bleiben als Leichen auf dem Weg, und beim Massakrieren der Araber vor Ort kommt den Ex-Aufständlern gar noch Lawrence von Arabien zu Hilfe. Global Spectacle on Stage, quer durch die letzten Hundert Jahre. Und ein Hauch von „Krieg gegen den Terror“ weht auch noch durch den Saal.

Nun könnten wir uns zurücklehnen, und die etwas anachronistische Belehrung über das ewige Scheitern der Revolutionen, den drohenden Totalitarismus und die pausenlose Wiederkehr korrupter Figuren als Aktualisierung von alten Erzählungen rezipieren, wie sie damals, im „kalten Krieg“ gang und gäbe waren. Derart lässt es sich von Publikum besser in echte Werte einfühlen, die allgegenwärtig fehlen.

Nun, es wäre das Spielende des Stücks auf „Level 1“, aber „Nach dem Zorn“ zeigte etwas mehr als übliches Multimedia, das uns oft als Hintergrundflirren auf Bühnenwänden anödet. Aber nach gut eineinhalb Stunden wird fix auf den „Spiellevel 2“ umgeschaltet. Einerseits stoppt nämlich Assange als IT-Freak das „Programm Lawrence“, und schaltet den britischen Berserker einfach ab. Andererseits wird der Plot „egomanischer Chauvi Castro“ direkt auf die Leinwand gebeamt. Maximo Leader als tumber Egoshooter, der in einer Minute anonyme Stehaufmännchen im Dutzend abknallt – Wwwwoooohww.
„Z“ nannten sie das ganze dargestellte Programm, gegen Schluß wird es reloaded und die Spielkonstellation ein Stück schärfer. Ihm ging auch um Geschehen im Videospektakel, das wie ein Storyboard funktioniert, mit typischen Personenplots, wie wir sie kennen und lieben, beliebig zeitlich und räumlich konfigurierbar. Bei dessen Start galt: Wie können wir uns, als virtuelle Aktivisten beim kleinen Zelt neben den großen Hochhäusern endlich in diesen und jenen Maximo Leader beamen, oder noch besser: als echte Aktivisten 2013 gegen solche Figuren wohlmeinend agieren. „Nach dem Zorn“ geht es um Aufstand nach Art von „World of Warcraft“, mit eingebauter Erzählsoftware und angekoppeltem Franchising, Che Sweatshirt gibt’s gleich gratis dazu.

Damit ist jedoch immer noch nicht Schluß, meine ich. Auf dem 3. Level schließlich wird das ganze ein Spiel der paar Aktivisten, die in ihren Besetzer-Zeltchen auf der Bühne jeweils vereinzelt ihre Lämpchen oder ihre iPads leuchten lassen, uns vor der Bühne, die wir dabeihocken ins einsame Spiel einbeziehen. Am Ende spielen wir vielleicht alle Insurrection Game und schauen uns verschiedene, stylische Aufstandsvideos an.

Zuweilen kommt das Aktivistenteam dann raus aus den Zelten, an den vorderen Rand der Bühne und nimmt das ganze Publikum als Geiseln, berauscht es mit riesigen Ventilatoren, um ihnen den nötigen Schub für die feindliche Welt draussen zu geben.

Die Szenen sollen über das Theater hinaus zeigen: In der Mediawelt nach dem Stück können die braven Zuschauer wie die wohlgebildete Bühnencrew selbst deutsche Feuilletons dieser Tage rezipieren, in denen über das Stück und seinen Kontext berichtet wird. Darin wird von wilden Frankfurter Strassenschlachten dieses Jahr rund um ein „Bloccupy“ fantasiert, oder von den Horden gewaltverzückter Revolutionäre, vor deren Verführungskraft uns das Stück doch so eindringlich aber karnevalesk warne (Frankfurter Rundschau). Sie bleiben buchstäblich im Narrativ der Spielebene 1 verfangen, genau so wie es mediale Erzählmaschinen gerne ausspucken.

Zu diesem netten Vexierbild passt schließlich die Schlußszene des Stückes, in der sich die Akteure über die Absurdität ihrer Avatare verständigen, die schließlich gar nichts mit deutschen Schauspielern zu tun hätten, sondern weit weg vom Kontinent oder anderen Zeiten agieren, eben wie bei den Aktivisten im Geiste hier und im Publikum. Im Hintergrund tauchen dann die Avatare anstelle der Leinwand auf, als überdimensionale Sweatshirts oder nette Plakate für daheim.

Ich nehme fast an, dass für manche die FGZ zum 4. Level des Spiels gehören könnte, oder gibt es gar keine Level?


2 Kommentare zu “Der kommende Aufstand will be gamed”

  1. Chucky

    Was willst du damit sagen? Wenn ich versuche mir Anhand deines Textes ein Bild zu machen, hab ich absolut keine Ahnung was mich da erwartet!?

    Ist es nun öde oder n Spektakel oder doch sehenswert? Was willst du nur sagen?

    Liebe Grueße,

    Chucky

  2. Allencarty

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