Frankfurter Gemeine Zeitung

Fritz Bauer und Herrman Josef Abs – zwei Ehrenbürger Frankfurt

50 lange Jahre nach dem Beginn des Auschwitz-Prozesses wurde am 12.12. eine Gedenktafel für Fritz Bauer im Frankfurter Römer, im Plenarsaal, enthüllt. Salomon Korn (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/M. und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und Raphael Gross (Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt und Direktor des Fritz Bauer Instituts) waren Gäste des Parlaments. Raphael Gross hielt eine Rede über Fritz Bauer wie man sie im Römer sonst vermisst.
Nach der Enthüllung, zu Beginn der üblichen Parlamentssitzung und Haushaltsdebatte, verdeckte die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) die Ehrenbürgertafel,  die schräg gegenüber der neuen Fritz-Bauer-Gedenktafel hängt, nämlich die von Hermann Josef Abs mit einem Klebeband. H. J. Abs war Chef der Deutschen Bank im Nationalsozialismus und dadurch mitverantwortlich für den Krieg, die Beraubung der europäischen Juden, für Mord und Verklavung. (Zur Verstrickung von Abs in den Nationalsozialismus hier ein Spiegel-Artikel und  hier eine Rede von Jutta Dittfurth)  Ein weiterer Ehrenbürger der Stadt ist übrigens Max Horkheimer. Sein Name steht seit Jahren auf derselben Ehrenbürgertafel wie der von Abs.  Jutta Dittfurth brachte auf dem Klebestreifen folgende Inschrift an: “Abs war Chefbankier der Nazis und mitverantwortlich für Krieg, KZ, Massenmord, Raub und Versklavung. Max Horkheimer und Fritz Bauer sollen durch die Nähe zu seinem Namen nicht beleidigt werden.” Der erste Klebestreifen wurde sofort vom Stadtverordneten Wolfgang Hüber (Freie Wähler/AfD) abgerissen. Ein zweiter Klebestreifen klebte ein bisschen länger und wurde abgenommen, nachdem sie eine persönliche Erklärung zu Abs Ehrenbürgerschaft abgegeben hatte. Die einzigen , die die kleine Protest-Aktion gut hießen waren Dittfurths Auskunft nach die Stadtverordneten der Linken und immerhin eine Stadtverordnete der Grünen.

Wer sich für Fritz Bauer interessiert, kann mehr über ihn erfahren bei einer Filmvorführung am Montag, den 16.12. im Landesmuseum Mainz. Dort wird Ilona Zioks filmisches Meisterwerk: “Fritz Bauer-Tod auf Raten” gezeigt. Anschließend folgt ein Filmgespräch mit Regisseurin Ilona Ziok und Fritz-Bauer-Biographin Irmtrud Wojak. Der Eintritt ist frei.
Fritz Bauer gehört zu den bedeutendsten Juristen der Bundesrepublik: im Remer-Prozeß sorgte er 1952 dafür, dass die Attentäter des 20. Juli als legitime Kämpfer gegen ein Unrechtsregime rehabilitiert wurden. Er gab Israel den entscheidenden Hinweis, um Adolf Eichmann von Argentinien zu überführen und dem “Spediteur des Todes” in Jerusalem 1961 den Prozeß zu machen. Er stieß die Frankfurter Auschwitz-Prozesse ab 1963 an – und bereitete manch weiteres Verfahren vor, um Nazi-Täter auch in der Justiz zur Rechenschaft zu ziehen, z.B. die, die Ermordung Behinderter in psychiatrischen Kliniken wie Hadamar (“Euthanasie”) gedeckt oder gebilligt hatten.
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