Frankfurter Gemeine Zeitung

Stoppt die Massenzuwanderung: Raus mit den Deutschen!

Während sich die reichen deutschen Bundesländer im Süden der Republik über Zuwanderung echauffieren (“Wer betrügt, der fliegt“), finden wir ein Stück weiter im Süden, dort in den Alpen, wo noch mehr Geld als hierzulande sitzt, eine andere Variante von Immigrationsfeindschaft. Die Schweizer CSU heißt SVP.

In der wohlhabenden Schweiz sind deutsche Arbeitsimmigranten die verschmähten Rumänen – nicht die Schumachers und Kühnes in ihren Schlössern. Viele Hochqualifizierte aus Deutschland, die sich nicht ausreichend bezahlt empfinden, folgen lockenden Angeboten der Eidgenossen, die locker 50 Prozent mehr Gehalt als an Rhein und Main versprechen.

Genau wie bei uns, sind anderorts gut und teuer ausgebildete Fachkräfte beliebt: Keine Kosten für das Bildungssystem, aber die Vorteile preisgünstiger Spezialisten aus anderen Landen nutzen, lautet die Parole. Deswegen wundert es kaum, dass sowohl die deutsche wie die schweizerische Wirtschaft zur Vorsicht mahnen, denn ihre Wünsche gleichen sich: Hiesige Ausbildungskosten zu sparen, die Spitzenkräfte einfach aus kostenneutralen Standorten abzuschöpfen, etwas weniger Gehalt an sie zu zahlen und die sozialen Kosten möglichst fern zu halten.

Darin unterscheiden sich ökonomische Kalküle für günstige Ärzte und Ingenieure in Deutschland und der Schweiz aber auch nicht von denen für kräftige, doch illegale Afrikaner, die hunderttausendfach bei der Orangenernte in Spanien helfen.

Dazu kommen natürlich in der Schweiz wie in Deutschland noch weniger Qualifizierte, die in schlechter bezahlten Servicebereichen eine Lohnspirale nach unten am Laufen halten. Welches Edelrestaurant südlich wie nördlich der Alpen käme denn ohne elend bezahlte Hilfskräfte in den Küchen auf die gewünschten hohen Margen, um nur eines der vielen möglichen Beispiele zu nennen?

“Geringverdiener” bilden zusammen mit potentiellen Empfängern von Sozialleistungen das geistige Brückenglied für ein fremdenfeindliches politisches Milieu in reichen Ländern, in dem vehement auf nationale “Wettbewerbskraft” gesetzt wird, die Gewinne privatisieren, besser immer weiter steigern und gleichzeitig Kosten extern sozialisieren möchte.

Ausgerechnet in den reichsten Zonen Europas wird in der gegenwärtigen Umbruchszeit ein rechter Populismus massentauglich, der ihre wohlhabenden Regionen zu kleinen Festungen, Effizienz-Bollwerken und Kunden-Burgen ausbauen möchten, die von Folgen ihres Tuns ausserhalb der Mauern möglichst nicht belästigt werden. Sie imaginieren sich dabei eine Welt, die für ihre Aktivitäten Höchstpreise bezahlt und erwarten, dass die Lieferanten an den Toren günstigste Offerten aus der Ferne andienen. Viele des schlechter dotierten Servicepersonal in den Festungen hoffen im Windschatten der rechten Kampagnen einige Krumen aus den Festsälen in den oberen Stockwerken abzubekommen.

Es kann aber sein, dass eine Nachbarfestung die Kanonen auf die eigene richtet oder die Welt sich das Spiel nicht weiter gefallen lässt.

 


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