Frankfurter Gemeine Zeitung

Grimmepreis für Markus Lanz!

screenshot zdf

Wer das VÖLLIG VERROTTETE am heutigen Politikjournalismus studieren will, schaue sich diese “Talkshow” an. Zwei Vertreter unserer “vierten Gewalt”, nämlich Markus Lanz, ZDF und Hans-Ulrich Jörges, Chefredakteur beim Stern versuchen sich GEMEINSAM, aber mit verteilten Rollen Sahra Wagenknecht vorzunehmen. Und zwar weil Wagenknecht wohl im Ernst eine andere Politik will, nämlich tatsächlich die der OPPOSITION gegenüber einer großen Koalition, obwohl die ca. 80% der Sitze hat. Was für eine Anmaßung! Eigentlich würde man ja denken, Journalisten kontrollieren in einer Demokratie die Machthaber, hier aber ist es gerechterweise genau umgekehrt: sie wollen offenbar selbst die kleinstmögliche Opposition Mundtot machen. Der eine, Lanz, mimt nominell den “Moderator” der Sendung, drängt aber ständig dem Publikum seine eigene Regierungskonforme Meinung auf, qualifiziert Applaus an der falschen Stelle als “populistisch” ab und fragt manisch Sachen wie “Raus oder rein in den Euro? Raus oder rein? ” oder : “Haben Sie da eigentlich Minderwertigkeitskomplexe, wenn sie nur so wenige sind in der Opposition und dann noch der nur 1,50 große Gysi?” Ist das nicht genial?Lanz, der selbst laut BILD mit 12000 Euros aus öffentlichrechtlichen Zwangs-Gebührenabgaben für jede seiner Talkshows gepudert wird, fragt allen Ernstes Wagenknecht, während sie versucht etwas über europäische Lobbypolitik zu erzählen, was sie als Europaabgeordnete verdient, nur um ihr Engagement für ein sozialeres Europa zu diskreditieren. Das sind dann sagenhafte 7000 im Monat. Potzblitz! Der Witz ist: wenn Lanz sich solche Flegeleien mit einem SPD oder CDU-Politiker geleistet hätte, wäre er sofort Dank Rundfunkrat seinen Job los. Aber bei der Wagenknecht wird sich doch anders als beim Sigmar kein Seehofer aufregen-eher im Gegenteil. Und Lanz weiß das sehr genau. Der andere “Journalist”, Jörges, der mit geschwollenem Kamm Wagenknechts Äußerungen als “Stuss!” “Unredlich!” etc. abqualifiziert, aber ihr als echter Gockel zugesteht, trotzdem “SO EINE KLUGE FRAU ” zu sein, hat dereinst die Hartz-IV-Reformen kommentiert mit “Der Kommunismus siegt – Arbeit wird verhöhnt, Nichtstun belohnt“ Tja, muss man noch mehr sagen? Der Mann mag alt und verwirrt erscheinen, aber hat offenkundig den Durchblick. Wagenknecht ihrerseits bleibt trotz aggressiver Unterbrechungen und Anmache gradezu unbegreiflich stoisch. Ist das Taktik? Oder weiss sie, dass dese Art des öffentlich-rechtlichen Hof-Journalismus Dank des Internets dem Untergang geweiht ist und man ihm keine Träne nachzuweinen braucht? Anyhow: Eigentlich hätte die Sendung den Grimme-Preis verdient, denn sie zeigt ungewollt, wie vollends korrupt das normale Mediensystem inzwischen geworden ist. Ein Hauch von später DDR umweht Sendungen wie diese. Das Schöne darin ist nichts als des Schrecklichen Anfang. Und hat Markus Lanz nicht schon bewiesen, dass er keine Samstagabendshow kann wie kein anderer? Er war fähig, selbst dem schmerzfreien stoneface Tom Hanks die Fremdschamröte ins Gesicht zu treiben. Deshalb have a look and -ENJOY:

Und natürlich sei hier noch verwiesen auf die onlinepetition zu Markus Lanz:
https://www.openpetition.de/petition/online/raus-mit-markus-lanz-aus-meiner-rundfunkgebuehr. Please sign this…


Bilanz und Konsequenz: Ein Jahr Veröffentlichung von Jobcenter-Telefonlisten

Geheimniskrämerei bei vielen Jobcentern: keine Durchwahl zu Sachbearbeitern möglich, da die Durchwahlen häufig wie Staatsgeheimnisse behandelt werden. So kam es, dass hiergegen geklagt wurde. Das zuständige Verwaltungsgericht in Leipzig hat im Urteil vom 10. Januar 2013 festgestellt, dass es einen Zugangsanspruch auf Jobcenter-Telefonlisten gibt. Durch die Berufung seitens des Jobcenters ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.  Harald Thomé hat das Urteil dann zum Anlass genommen, Jobcenter-Telefonlisten zusammenzutragen und im Internet zu veröffentlichen. Einigen Jobcentern passte dies nicht. Insbesondere das Jobcenter Berlin-Spandau kündigte eine Unterlassungsverfügung mit nachfolgender Massenklage an, sollte das Telefonverzeichnis dieses Jobcenters nicht vom Netz genommen werden. Die Anwalts- und Prozesskosten belaufen sich auf  400000 €. Dieses Risiko war Harald Thomé dann doch zu groß. Hierüber hinaus wurden er und seine Familie angefeindet bis hin zu Drohanrufen. Harald Thomé nahm sodann alle Telefonverzeichnisse von seinem Server und bat ganz allgemein die Erwerbsloseninitiativen darum, dieses Projekt weiter fortzuführen. Dies ist der nachfolgenden ausführlichen Stellungnahme Harald Thomés vom 8. Januar 2014 zu entnehmen. Lesen Sie bitte selbst:

Bilanz und Konsequenz: Ein Jahr Veröffentlichung von Jobcenter-Telefonlisten

von Harald Thomé  (Referent für Arbeitslosen- und Sozialrecht aus Wuppertal)

Stacheldrahtromantik (Foto: Bernhard Schülke (2013))

Am 10. Januar 2013 hat das Verwaltungsgericht Leipzig geurteilt, dass es im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes einen Zugangsanspruch auf Jobcenter-Telefonlisten gibt. Aufgrund einer Nichtzulassungsbeschwerde des beklagten Jobcenters ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Das Verwaltungsgericht Leipzig hat den Informationsanspruch wie folgt begründet: „Es ist Ausdruck modernen staatlichem Selbstverständnisses, die telefonische Erreichbarkeit in beiden Richtungen unmittelbar sicherzustellen, und zwar auch in sogenannten Massenverfahren und grade auch in Bereichen, wo es um die soziale Existenz gehen kann“.

Nach dem Leipziger Urteil habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, mit der konsequenten Veröffentlichung der mir bekannten Telefonlisten von Jobcentern den Anspruch auf Informationsfreiheit praktisch durchzusetzen. In einem Jahr sind so fast 150 Telefonlisten von Jobcentern an das Licht der Öffentlichkeit gekommen. Die Strategie der Abschottung der Jobcenter konnte so zumindest teilweise durchbrochen werden.

Im letzten Jahr gab es viel Zustimmung, so haben einige Jobcenter mich in ihre Telefonlistenverteiler aufgenommen und mir regelmäßig ihre Listen von Amtswegen übersandt. Einige Jobcenter-Geschäftsführer haben mich in der Veröffentlichung bestärkt und ihr Unverständnis über Einschüchterungen durch manche Kollegen zum Ausdruck gebracht, so schrieb beispielsweise ein Jobcentergeschäftsführer er sei „definitiv der Meinung, dass direktes Anrufen und direktes Anmailen die bestmögliche Kundenfreundlichkeit ist“. Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Es hagelte aber auch Gegenreaktionen und Widerspruch. So gab es eine Reihe von Anfeindungen, Beleidigungen, Drohanrufen, aber auch unmittelbare Gewaltandrohungen, dass man mir beispielsweise „persönlich mit einigen Kumpels“ auch erläutert könne, dass ich die Listen aus dem Netz zu nehmen habe. Ebenfalls wurden mir angedroht, Strafantrag gegen mich zu stellen, möglichst kostenintensive Unterlassungsverfügungen zu initiieren und mich persönlich für etwaige Folgen von Übergriffen auf Jobcentermitarbeiter verantwortlich zu machen.

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Der Wasserkocher: im Nahkampf mit den unsichtbaren Händen des Marktes

Der alte Wasserkocher

Wirklich Probleme mit Wasserkochern habe ich erst seit kurzem. Wasserkocher sind semi-mobile Behälter mit Stromanschluss, in denen sich Wasser fix zum Kochen bringen lässt, und die sich bei der Siedetemperatur automatisch abschalten. In der Ära des Multi-Geräte-Haushalts sind sie fast anachronistisch, machen sich armselig neben verchromten Kaffeeautmaten, Teemaschinen oder Eierkochern, eher zum Drittgerät für Brühgetränke zu Hause abgesunken. Aber ein paar Hundert dieser Spezies lassen sich bei einer Shopping-Suche im Web immer noch finden.

Egal, mein letzter kam aus der Berger vor gut 5 Monaten hierher, kostete fast 50 Euro und wiegt knapp 2 Kilo – ohne Wasser. Seit kurzem schaltet das Gerät ab, bevor das Wasser siedet, und das in immer kürzeren Abständen. Mit anderen Worten: ich muß neben dem technischen Wunderding stehen bleiben, den Schalter immer wieder nach unten drücken bis das Wasser schließlich kocht. Ohne Schalter wär es einfacher, so wie das Gerät meines Großvaters funktionierte: Stecker rein, es fängt an zu blubbern und beim Kochen schaltet es sich aus. Übernahm ich nach seinem Tod, und es funktionierte ein gutes Jahrzehnt weiter.

Mit dem Entschluß vor fünf Jahren, das inzwischen aschgraue Gerät in den Keller zu verfrachten fing es an. Ich lernte, dass Märkte uns den technischen Fortschritt und ihre Weisheit inzwischen nur per “geplanter Obsoleszenz” offenbaren können. Dies bezeichnet den Mechanismus, einfache Schwachstellen einzubauen, eine Art Selbstzerstörungsmechanismus für Produkte nach Ablauf von Garantienzeiten.

Der Ersatz für das geerbte Urgerät stammte aus der Stadt und bot für 19.99 ein gutes Lebensjahr Kochkraft. Dann zeigte sich eine Bruchlinie am Griff und einen Liter kochendes Wasser mit Wackelgriff auszugießen macht schließlich keinen Spaß. Das Nachfolgegerät, offenbar sündhaft teuer und Edelmarke, war ein Weihnachtsgeschenk der Verwandschaft. Immerhin schaffte es das auf fast 2 Jahre, dann begann am Rand Wasser auszulaufen, das sich genüßlich seinen Platz in der Küche suchte.

Ein Intermezzo bot ein weiteres Gerät aus einem bekannten Discounter, keine 30 Euro, dafür schon größer als das letzte. Weil es erst nach 5 Minuten Kochen abschaltete, wurde es mit Verweis auf chinesische Produktion in 12/6 fix im Laden zurückgegeben.  Beim folgendem griff dann wieder die geplante Obsoleszenz: nach gut einem Jahr ging nichts mehr, kein Strom, Apparat schlicht tot. Vor einigen Jahren bot das noch kein Problem: Schraube auf, den Wackelkontakt hinter dem Gehäuse repariert, und weiter gings. Zur Blockade solcher marktfeindlichen Rettungsversuche wird vom Hersteller inzwischen auf Schrauben verzichtet und die Gehäuse möglichst aus einem Guß produziert. Schon ist die Reparatur verhindert und ein neues Gerät muß her: es lebe die Marktbelebung! Und eine weitere Bedingung flankiert diese Strategie: der Reparaturberuf für Elektrogeräte aller Art ist im letzten Jahrzehnt bei uns ausgestorben – gibt halt nix mehr zu reparieren.

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