Frankfurter Gemeine Zeitung

Die verschiedenen Realitäten dieser Stadt – VA der FR

Groß angekündigt und im Voraus medial aufgeputscht war das Interesse nicht gerade überwältigend, die dann folgenden Einlassungen des OB ebenso wenig.
Business as usual.
Es existieren offensichtlich verschiedene Realitäten in dieser Stadt, die höchst artifizielle Schnittmengen aufweisen; zunächst die Realität des Alltags der allermeisten hier und dann irgendwo im Kosmos die der Macher und Politiker*innen samt ihrer unheiligen lokalen Allianzen. Und so standen diese Realitäten nebeneinander und wollten keine Verbindung miteinander eingehen, wie auch, wenn sich nur eine Seite auf die Aussagen der anderen bezieht, während Letztere stur am eigenen Konzept festhält. Es fällt nicht schwer, darauf zu wetten, dass solche Veranstaltungen ein Auslaufmodell darstellen.
Da saß ein OB, der in epischer Breite seine Sympathie mit den Menschen im Widerstand bezeugte und somit jeder konkreten Aussage aus dem Wege ging, ein cholerisch-arroganter Architekt, dem es offenbar schon zuwider war, überhaupt dort zu sitzen und angesichts der Verweigerung inhaltlicher Kommunikation auf verlorenem Posten zwei Vertreter*innen von BI, deren Beiträge die einzige Substanz in dieses Schaulaufen brachte, die vom Publikum wohlwollend aufgenommen wurden, das nun gespannt auf die Erwiderung seitens der Koryphäen am Tisch wartete – vergeblich.
Von guten und bösen Investoren
Es kann in Frankfurt gar nicht ausbleiben, dass die Sprache auf den Wohnungskonzern im fast alleinigen Besitz der Stadt kommt und dabei ist es ebenfalls unvermeidlich, dessen Praktiken außen vor zu lassen. Ebenso unvermeidlich ist es auch, dass als Antwort kommt, ohne diesen Konzern wäre alles noch viel schlimmer, dabei fällt es wirklich schwer, sich hier eine Steigerung noch vorzustellen. Es braucht halt doch einiges an Zivilcourage, was aber nicht zur Ausrüstung unseres OB zu gehören scheint. Die heilige Kuh der Frankfurter unternehmerischen Stadt muss unter allen Umständen geschützt werden und wenn dazu Statistiken etwas umgebogen werden. Dass man sich nicht ungestraft mit dem großen Vorsitzenden anlegt, davon können einige hundert Mieter*innen ein Lied singen.
Die Ironie solcher Haltungen ist im Publikum sehr wohl angekommen und daraus scheint zu folgen, dass der Widerstand – zwar um eine weitere Illusion ärmer – demnächst umso heftiger weiter gehen wird.
Während der gesamten Zeit wird einen das Gefühl begleiten, da sitzt ein Politiker, der schon die nächste Kommunalwahl im Kopf hat und den Leuten einzureden sucht, es müsse nur seine Partei „ran“, dann liefe alles Bestens. So kurz ist das Gedächtnis der Menschen nun auch wieder nicht.

Ein Wort zu dem Architekten auf dem Podium: wer schützt uns nur vor solchen Experten!

Was sich allerdings abzeichnet ist, dass die Menschen es sich nicht mehr länger bieten lassen, dass sie auch nicht länger bereit sind, sich von diesen spätpubertierenden „Experten“ den Mund verbieten lassen. Die Stimmung lässt darauf schliessen, dass eine Grenze erreicht ist und es könnte spannend werden, denn eingefordert wurde durchwegs die Beteiligung.
Das einfältige Gerede des „not in my backyard“ des Herrn Feldmann ist ein hilfloser Versuch, nichts weiter.


Hofberichterstattung

Die Diskussion um Wohnungspolitiken in dieser Stadt hält an und scheint weitere Kreise einzubeziehen, die einfach nicht mehr zum Verstummen gebracht werden können. Egal ob es sich um Spekulanten der dritten Liga handelt oder um die Champions League der institutionellen Anleger, ob es um heiße Entmietung geht oder ihre lauwarme Form permanenter Mieterhöhungen. Die Rolle der Wohnungsunternehmen in kommunalem und Besitz des Landes wird zunehmend kritisch hinterfragt und deren Mieter*innen „reicht es einfach“.
In dieser Situation gilt es, auf sämtlichen Kanälen gegen zu halten und so wird auf breiter Front die Gegenoffensive gestartet, wozu sämtliche Hofberichterstatter aktiviert werden.

Wie gut das funktioniert belegen die Veröffentlichungen von FNP und FR, wobei diese einmal in Form eines Kommentars, subtiler als Darstellungsplattform des grossen Meisters Frankfurter Wohnungspolitik daher kommt.
Der Kommentator der FNP droht unverhohlen, jede Form einer politischen Regulierung, die vom Wege der Finanzialisierung und des uneingeschränkten Profits abweiche, müsse zwangsläufig zum Desaster führen und zitiert, ohne jeglichen Anflug von Scham ein Beispiel aus Mainz, das mit dem zur Debatte stehenden Fragen auch nicht das Geringste zu tun hat, sich aber in dieser Verquickung bestens eignet. Denn wir lernen daraus, dass jeder Versuch einer Regulierung gleichbedeutend ist mit einer in der Nähe kriminellen Verhaltens angesiedelten Entscheidung, mit hoch-toxischen Derivaten zu spekulieren. Dabei ist die Zielrichtung, den Politiker*innen klar zu machen, dass sie sich nicht einbilden sollten, in des Geschehen des „freien“ Marktes einzugreifen, bzw. dies vorbehaltlos den Expert*innen dieser aktuell alleinseligmachenden Kirche zu die Zeitun – und deren Hohepriestern. Das ist so eine Art Holzhammer-Lyrik und empfiehlt den Autor als Pressesprecher bei nächster Gelegenheit.
Etwas subtier kommt die gut Redakteurin der FR daher und bietet in einer Art Verballhornung des klassischen griechischen Dialogs den Raum zu einer grandiosen Selbstdarstellung – die allerdings ihre Tücken hat, besonders wenn der Gesprächspartner sich derart gerne zuhört, dass wenigstens ein Teil seiner Überlegungen öffentlich wird. Und das gilt es sich einmal näher anzusehen, vor allem, weil er an diesen Stellen die Pläne direkt ausspricht.
Fangen wir am Ende an: „Wenn Sie in Offenbach wohnen oder selbst in Friedberg, mit bestem ÖPNV-Anschluss, dann würde ich nicht sagen, dass man ein „Recht auf Stadt“ hat und das heißt nur Innenstadt, sondern das geht eben auch in anderen Lagen.“
Was einem Generaldirektor selbstverständlich ist, sich vom Chauffeur aus Königstein ins Herz der Stadt fahren zu lassen, kann auch jedem kleinen Subalternen zugemutet werden. Dabei betont er so nebenbei, dass es längst ausgemacht ist, für wen diese „Innenstadt“ ausersehen ist. Doch schauen wir uns noch etwas um.
„Wenn wir Neubauten vermieten für 11,50 oder 12 Euro den Quadratmeter, dann reizen wir den Markt nicht aus. Aber drunter geht es leider nicht, weil Grund und Boden rar und teuer ist und Baukosten das ihre dazu beitragen.“
Damit ist zweierlei gesagt: einmal, dass es nur noch teure Wohnungen geben wird, zum anderen, dass wir uns endlich über die Frage von Eigentum an Grund und Boden unterhalten müssen. Hier wird die Grenze festgelegt und alles, was damit nicht leben kann, hat keinen Platz mehr in der Stadt, zumindest in der Junker’schen Oberstadt. Für die meisten, das lässt sich daraus entnehmen bedeutet die Neubau-Aktivität keinen Zugang zu haben, weil es eben unter den o.g. Margen nicht geht (da fehlt einfach ein „Basta!“ dahinter) und da zugegebenermassen diese Aktivität hinter dem Bedarf her hinkt, bedeutet es auch keine „Entspannung“ des Marktes, wie inbrünstig man diese Mantren auch herunter leiern mag.
Dass es so etwas wie Gentrifizierung geben mag, ist ja mittlerweile weitgehend akzeptiert. Jedoch dort, wo dieser Herr aktiv ist, verkriecht sich dieses städtische Ungeheuer und ward nicht mehr gesehen:
„Wenn wir vieles machen, eines machen wir nicht: wir verkaufen keine Wohnungen aus dem Bestand. Damit sind wir gerade in Quartieren wie dem Gallus ein Garant dafür, dass es dort nicht zu Gentrifizierung kommt.“
Clever, der Bub’! Ein solider Kaufmann dazu: „…aber wenn wir 4000 Wohnungen bauen wollen, muss irgendwo das Geld herkommen und das geht eben nur dadurch, dass man die Mieten anpasst, …“ Viel besser kann Umverteilung eigentlich nicht beschrieben werden. Denn diese – s.o. – sind nicht unter 11,50 zu haben. Doch ist an dieser Einlassung treffend, was dieser Herr an dieser Stelle nicht gesagt hat, nicht sagen konnte, ohne dass sich seine Stilisierung zum Rächer der Enterbten nicht sofort wieder in Rauch aufgelöst hätte: die ABG hat das gar nicht nötig, denn sie hat für sich entdeckt, wieviel lukrative Möglichkeiten dieser Bestand bietet – und zwar auf Dauer. Die meisten Mieter*innen dieser Gesellschaften unter dem Dach der Holding fallen hier spontan viele Wege ein, die von dem Unternehmen beschritten werden. Dass zudem der Umgang mit Zahlen recht phantasievoll gerät, sollte hier nicht groß breit getreten werden, wenn man so gut in Fahrt ist, dann rutscht die eine oder andere Zahl schon mal in die falsche Spalte. Vor allem, da es gelungen ist, jede Instandhaltung als Modernisierung und gar im Sinne des Wohnraumfördergesetzes als „Quasi-Neubau“ bewerten zu lassen, wofür wir an dieser Stelle der Kammer des LG Frankfurt unsere tiefe Hochachtung aussprechen möchten, hat sie sich im Sinne des Standortes auf keinerlei inhaltliche Diskussion eingelassen. Nur noch eins zu den ach so sozialverträglichen Mieten (mit Verbindungen dieser Mieten zu Größen muss dem guten Herrn nicht erst gekommen werden, baut er doch für alle – Generaldirektoren – und deshalb ist das Verhältnis seiner Mieten zum Netto-Verdienst auch unerheblich): in einer Spalte findet sich die allgemeine Durchschnittsmiete der ABG, in einer anderen die der modernisierten, dann auch noch der Lagenzuschlag und schliesslich gibt es noch eine, da sind die aktuellen Wiedervermietungen zu sehen. Und dann sieht die Geschichte ganz anders aus. (er könnte ja auch mal die Mieter*innen fragen).

„Wir wollen, dass jemand, der eine Heimat hat in einem Quartier, dort bleiben kann, so lange es geht.“
Wenn da nicht dieser verflixte letzte Teil noch mit heraus gerutscht wäre, macht doch alles kaputt.
Kommen wir auf diese Darstellungen zurück, die so hingenommen werden und an der Realität von ca. 50% der Haushalte in dieser Stadt völlig vorbei gehen. Kein Wort darüber, dass diese sozialverträglichen Mieten selbst nach Definition der Bertelsmann-Stiftung nicht mehr als bezahlbar gelten, da sie mehr als 30% des Netto-Einkommens überschreiten (und genauerweise zählt hier die Warmmiete), kein Ton über die stets steigenden Fahrpreise, die eine geringere Miete in Friedberg oder Hanau wieder auffressen, kein Ton über die neo-feudale Einlassung, dass es kein Recht auf Stadt gibt, wenn es die Profitwünsche tangieren sollte.
Wenn dann die „Homogenisierung“ vollendet ist und nur noch Gutverdiener in der Stadt leben, wenn die Subalternen sich die Fahrt zu ihrem gering bezahlten Arbeitsplatz kaum noch leisten können, kann immer noch der Arbeitsdienst wieder aufgefrischt werden, denn irgendjemand muss ja putzen und den Müll abtransportieren. Das machen dann die Vertragsarbeiter*innen aus Osteuropa, die Pflegekräfte kommen ja schon aus China.


Intellektueller außer Dienst: Matthias Matussek

In den letzten Tagen hagelte es scharfe Kritik gegen Matthias Matussek.
Grund waren seine Äußerungen zur Homosexualität.

In einem Artikel in der Welt mit dem Titel „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“ strickte er fleißig mit an der unter Neurechten verbreiteten Erzählung, ein politisch korrekter Mainstream verböte es aufrechten Bürgern ihre Meinung zu sagen.
Dies sei ihm meinetwegen geschenkt.
Darauf berufen sich auch Broder, Sarrazin und all die anderen „unterdrückten Freidenker“, die in unserer Gesellschaft nie gehört werden (außer ihrer permanenten Medienpräsenz natürlich).

Allerdings vertrat er auch die These Homosexualität sei „defizitär“, da sie nicht zur Vermehrung führen könne.
Bei seinen Ausführungen berief er sich ausgerechnet auf den christlich-konservativen Philosophen Robert Spaemann und auf Aristoteles.

Dem Herren Matussek sei angesichts dessen tatsächlich empfohlen, sich einmal eingehender mit Philosophie zu beschäftigen, denn auf diesem Gebiet scheint seine Bildung noch ein wenig „defizitär“ ausgeprägt.
Vielleicht stößt er ja irgendwann einmal auf den Begriff des naturalistischen Fehlschlusses, auch „Sein-Sollen-Fehlschluss“ genannt.

Diesem Fehlschluss ist Matussek offensichtlich aufgesessen, denn er folgert aus einer Beschreibung des Zustandes der Welt („Evolution und Arterhaltung setzen Vermehrung voraus“) auf ein Sollen („Evolution und Arterhaltung sind moralisch positiv zu bewerten, demnach ist Vermehrung ein ethischer Imperativ“).

Aber selbst wenn man diese Auffassung unwidersprochen hinnehmen würde, so könnte man ihm nicht zustimmen.
Denn:
Ist es zur Arterhaltung der Menschheit überhaupt notwendig, dass alle Menschen sich vermehren?
Die ohnehin wachsende Bevölkerungszahl auf unserem Planeten spricht eher dagegen. Der Fortbestand unserer Spezies ist durch die Homosexualität jedenfalls nicht bedroht.

Für wen soll Homosexualität also „defizitär“ sein?

Für die Homosexuellen selbst? Diese bewerten ihre sexuelle Präferenz selbst jedenfalls überwiegend nicht als defizitär.

Für die Menschheit als Ganzes? Warum, wenn es für das Überleben der Menschheit als Spezies überhaupt nicht notwendig ist, dass alle Menschen nach Vermehrung streben?

Die Argumentation von Matussek ist nicht einmal innerhalb ihrer eigenen Prämissen schlüssig.

Oder denkt Matussek hier insgeheim tatsächlich das althergebrachte, wie unsinnige Argument „wenn alle homosexuell wären, dann gäbe es keine Kinder und damit auch bald keine Menschen mehr, also ist Homosexualität schlecht“, so als ob die „akute Gefahr“ bestünde, dass plötzlich alle Menschen homosexuell würden, wenn eine Gesellschaft eine positive Haltung in Bezug auf Homosexualität zeigt?

Diese Annahme ist zwar unter manchen Stammtischbrüdern sehr verbreitet, zeigt aber um so mehr das seltsam obsessive Verhältnis dieser Menschen zur Homosexualität.
Denn die Annahme, dass Menschen aufgrund einer liberalen Politik in Bezug auf Homosexualität nun plötzlich dazu “verleitet” würden, homosexuell zu werden, impliziert ja auch die Annahme, dass Homosexualität für heterosexuelle Menschen derart attraktiv sein müsse, dass diese nur durch gesellschaftliche Ächtung und Verbot von ihr abgehalten werden könnten.

Ist diese Obsession Matusseks eigentlicher Antrieb? Und wenn nicht, was bleibt von seiner ganzen Argumentation?

Inzwischen hat Matussek aber das Argumentieren ohnehin aufgegeben. Lieber greift er nun auf einen anderen Philosophen zurück und zwar auf Arthur Schopenhauer und flüchtet sich in einen von diesem als mutatio controversiae beschriebenen Kunstgriff eristischer Dialektik: Er erklärt in seiner Antwort an Stefan Niggemeier die Diskussion schlicht für beendet.

Zitat:
Merken wir, daß der Gegner eine Argumentation ergriffen hat, mit der er uns schlagen wird; so müssen wir es nicht dahin kommen lassen, ihn solche nicht zu Ende führen zu lassen, sondern beizeiten den Gang der Disputation unterbrechen, abspringen oder ablenken, und auf andre Sätze führen: kurz eine mutatio controversiae zu Wege bringen. (Arthur Schopenhauer)

Und zu welchem Punkt Matussek die Disputation nun wieder zurückführt? Natürlich auf die alte Leier, dass er in seiner auf allen Kanälen publizierten und massenhaft verbreiteten Meinung dadurch beschränkt werde, dass man ihm für seine unsinnigen Äußerungen den Rang als Intellektuellen öffentlich abspricht.

Darauf reagiert er sehr dünnhäutig. Schließlich betont er in seiner Antwort an Niggemeier was für ein ungeheuer wichtiger Intellektueller er doch sei, was ihm auch der große Marcel Reich-Ranicki (hergehört, Ihr Leute!) bestätigt habe.

Zitat:
Jawoll, auch ich stehe in Unterrichtsbüchern, allerdings nicht in denen „zur sexuellen Vielfalt“ – meinen Heine-Text hat Ihr leider verstorbener Kollege, der tatsächlich unsterbliche Marcel Reich-Ranicki, „das Beste“ genannt, was zum Heine-Jahr erschienen war.

Doch seinen Ruf als Intellektueller hat sich Matussek nun selbst in seiner Antwort an Stefan Niggemeier endgültig zerstört, indem er diesen in seinem letzten Artikel mit seltsamen Spitznamen auf Sandkastenniveau attackierte.

Ich zitiere:
Kartonschädel-Niggi
Niggi, aufgeschwemmter Mausepaul
Niggi, verqualmter Brummschädel

„Aufgeschwemmter Mausepaul“?
Und diese Wortkreation stammt nicht von der fiktiven Figur Bernd Stromberg oder Käpt´n Blaubär oder sondern von einem Intellektuellen, der für sich in Anspruch nimmt, über Goethe, Schiller, Hesse, Heine, die Romantiker und kürzlich Büchner geschrieben zu haben, ohne Probleme mit „Leseverständnis“ und „Interpretation“, wie er betont?

Ist Matussek nun vielleicht vom Intellektuellen zum Intellektuellen a.D. mutiert?
In diesem Falle müsste man ihm nun herzlichst zu seinem geistigen Ruhestand gratulieren und den armen Kerl fernab jeglichen öffentlichen Interesses in Würde altern lassen.
Papst Benedikt XVI. hat es ja vorgemacht und der mochte Schwule auch nicht so besonders, zumindest gemäß der offiziellen Linie seiner Kirche. (was unter den Talaren passiert, bleibt unter den Talaren)

Naja… vielleicht benötigt „Matussi“ ja auch nur die Publicity, um demnächst mit einem „politisch unkorrekten Buch“ in dem „endlich mal einer Klartext über den linksschwulen Gesinnungsterror redet“ in den Bestsellerlisten zu landen, woraufhin seine freie Meinungsäußerung gewiss in zahllosen Talkshows zur besten Sendezeit „unterdrückt“ würde?

Thilo Sarrazin hat ja jetzt auch wieder ein Buch geschrieben, in dem er sich bitterlich darüber beklagt, dass seine Schriften Gegenstand öffentlicher Kritik wurden. Das wird bestimmt ein Renner.


Jazz riecht nicht komisch: Peter Rüedis monumentaler Guide

Es gibt eine schöne Anekdote um den Maler Arnold Böcklin und den Komponisten Richard Wagner (nebst Dame Cosima). Böcklin besuchte die Wagners in Venedig. Wagner und seine Frau versuchten, Böcklin als Maler für die Bayreuthweihespiele zu gewinnen. Böcklin blieb eisig distanziert, aber freundlich. Erst gab Wagners Gattin auf und verließ indigniert den Raum. Wagner schaffte hartnäckig weiter. Böcklin blieb bei seiner Abwehrhaltung. Bis Wagner der Kragen platzte: „Sie verstehen wohl nichts von Musik!“ Darauf Böcklin: „Wohl mehr als Sie von Malerei.“

Eines steht fest: Der Charakter Peter Rüedis neigt eindeutig hin zur Person Arnold Böcklins. Geboren 1943 in Basel, war Rüedi Ressortleiter Kultur bei der Weltwoche (1974 – 1980), dann ging er 1982 als Dramaturg ans Berliner Schillertheater, war in den Jahren 1982 – 1989 Chefdramaturg am Zürcher Schauspielhaus. 2011 erschien seine monumentale Dürrenmatt-Biographie Dürrenmatt oder die Ahnung vom Ganzen.


Bild: Peter Rüedi (Liebe Damen, keine Angst, wenn dieser Mann Ihnen seine Jazzsammlung zeigen will…)

Und seit dreißig Jahren nun, seit 1983, schreibt Rüedi eine wöchentliche Jazzkolumne in der Weltwoche, ein Lichtblick in der zur populistischen Rechtsaußenzeitung mutierten Institution. Diese liegen nun in einem monumentalen Band vor, ein Ereignis! Nicht nur die schiere Masse beeindruckt – hier ist eine subjektive Jazzgeschichte von Format der letzten dreißig Jahre zu bestaunen. Vor der Literatur war der Jazz die erste Liebe Rüedis, ihn faszinierte „die mythische Aura“, das Protestpotential, den freien Ausdruck, die „ekstatische Aura von Selbstverausgabung“, die „totale Investition in den Augenblick“ und die hohe Quote von „Untergehern, von tragischen Helden“. Sowie das Fragmentarische, nicht Abgeschlossene. Er verweist auf den Satz des Jazzpianisten Kenny Barron: „If you don’t make mistakes you don’t play Jazz.“

Der Literatur- und Theatermensch Rüedi verstand seine Kolumnen immer als Korrektiv zur Brotarbeit. Berühmt sind seine „manchmal wirklich grotesk ausufernden Einleitungen, Assoziationen und Abzweigungen“ (Rüedi), die, so der Autor in einem Interview, in denen es ihm darum ging, „diese Musik so zu inszenieren, dass auch mit Jazz wenig vertrauter Leser erkennen konnte, in welchem Rahmen von Ernsthaftigkeit man diese Musik hören kann. Andererseits kann man das als Versuch verstehen, von Musik zu reden, indem man von etwas anderem spricht.“ Rüedis Jazz-Etuden sind kleine Prosameisterwerke. Anregend zu lesen, erzählen sie viele Geschichten von Menschen und Instrumenten, Stille und Krach, Wind, Sonne und Kuturkuriosa. Man erfreut sich an dem Enthusiasmus und der Emphase, mit der Rüedi sich seiner Lieblingsmusik zuwendet, über so viele Jahre den eigenen Anspruch erfüllend.
Stolen Moments ist ein Buch, das in jede ordentliche Hausbibliothek gehört. Ohne Haltbarkeitsdatum. Dabei quecksilbrig lebendig. Und sicherlich wird man auf die Suche so mancher Jazzplatte gehen.

Peter Rüedi, Stolen Moments, 1522 Jazzkolumnen, Mit einem Vorwort von Michael Mettler, einem Register aller Albentitel und einem Namensregister aller Musiker, Basel 2013, Echtzeit Verlag, 1320 Seiten, Großformat, Ln. geb., 68 €


Veranstaltung der FR zum „Wohnen in Frankfurt“

Dies ist aktuell eine gute Gelegenheit, dass sich die verschiedenen Initiativen und Gruppen zu Wort melden – und sich auch aufeinander beziehen können. Ein möglichst breites Spektrum dürfte den Herren das Design-Geschwätz (Forster) und das kaum noch zu ertragende Mantra „bauen,bauen,bauen“ (Feldmann) unmöglich machen. Es ist somit angezeigt, dass möglichst viele im Saal sind und [...]

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Solidarität mit Bernd

Offensichtlich fühlt sich die Führungsetage der ABG-FH so weit über den Dingen, dass sie ebendiese gestalten und umgestalten kann, wie es ihr gerade in den Kram passt. Betrachtet man die Protektion – andere Zeitgenossen bezeichnen es auch als Angst – seitens der städtischen Politiker*innen, so ist dies auch wenig verwunderlich. Denn erstens sind sie mit [...]

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Bundeswehr probiert Lauschsystem in der Eifel aus: Zivilisten-Handys auch mit dabei…

Zitat bei Telepolis (Text von Markus Kompa): Es darf jedoch ausgeschlossen werden, dass ein ernsthaftes militärisches System mit der Aufgabe, den Äther zu überwachen, ausgerechnet Handys-Signale nicht auffangen würde. Wer seine Mobilfunkdaten nicht mit dem Militär teilen will, sollte Daun in der Eifel weiträumig meiden. Wenn die Erprobung in Daun erfolgreich war, kann das System [...]

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Post vom OB? – Post vom OB! – und was für ein Brief

Manchmal ist es einfach besser, wenn man keine Post erhält und noch Raum für diese oder jene Illusion bleibt, an der man durchaus eine Weile hängen kann, bevor diese grausame Realität einen denn dann doch einholt. Da hat der Frankfurter OB mal so etwas wie Engagement zeigen wollen, ausreichend Publicity gehabt, wobei die Medien den [...]

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Tendenziöse Gutachten in Strafsachen?

von Thomas Meyer-Falk Indymedia-Logo Ob Angeklagte oder Verurteilte, beide sind in existenzieller Weise von psychiatrischen und psychologischen Sachverständigengutachten abhängig. Wie ist es um deren Unabhängigkeit bestellt? Wer kann als Sachverständige(r) vor Gericht auftreten? Nach der Kommentarliteratur obliegt die Beurteilung eines Angeklagten auf dessen Schuldfähigkeit hin im wesentlichen den Psychiatern, und nur ausnahmsweise soll hier ein [...]

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Lautsprecher für die Obrigkeit?

Maßnahmen in fernen Landen geben deutschen Journalisten, Berichterstattern und Kommentatoren bei uns immer Gelegenheit gar schöne Prinzipien hochzuhalten. Meist stellt sich beim Hören eine gewisse Irritation, gar Entfremdung ein: was folgt aus ihnen für uns, ausser dass wir uns zurücklehnen, und wohlgefällig über den Rest der uns belassenen Freiheit nicken. Gewiß, wer hätte denn nichts [...]

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Jenseits von Spekulation und Ertragslücken – wie sozialverträgliche Mietpolitik aussehen könnte

Mieterinnen und Mieter in vielen Städten, gerade auch in Frankfurt kennen das Problem: Ob neuer Mietspiegel, Wohnungsangebote oder Sozialmieten, der Trend kennt nur eine Richtung – nach oben. Dabei geht es nicht nur um abstrakte Zahlen oder Durchschnittswerte. Angst um die Wohnung ist immer konkret: Modernisierungspläne, rücksichtslose Bauarbeiten, Eigenbedarfskündigungen oder sogar Räumungsklagen.

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Clair de Tour (2014)

Clair de Tour from Merzmensch on Vimeo. Eine kleine Hommage an AfE-Turm von Merzmensch.

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CAMPUS FÜR ALLE!

Demo und Kundgebungen – 20.02. // 17 Uhr // Bockenheimer Warte

Bockenheim ist im Umbruch. Die Universität zieht weg, ein neues Quartier entsteht und wird den Stadtteil grundlegend verändern.
Nur wenigen Bestandsgebäuden wird bisher eine Chance auf Erhalt eingeräumt. Investoren werden umworben, während die Projekte, die alternative + emanzipative Wohn- und Lebensformen verwirklichen wollen, einen schweren Stand haben.

Der erste Neubau des „Kulturcampus“ hinter dem Bockenheimer Depot setzt Maßstäbe: Es wird vor allem teuer und sozialer Wohnungsbau wird reduziert.

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Debatte um Zuzug: wer drückt wen, und warum?

Eine Volksabstimmung  in der Schweiz sorgt für Aufregung: das Resultat fordert die nützliche Selektion der Zuziehenden für den Wohlstand der Bewohner. Die toxische Vermischung verschiedener Impulse zur sozialen Abwehr prägt nicht nur schweizerische, deutsche und europäische Rechtspopulismen, sondern “liberale” Medien brauen mit an der gefährlichen Brühe. Das Vermögen der äusserst wohlhabenden Schweiz speist sich seit [...]

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Frankfurter Nachbarschaftsinitiative NBO – ein Nachtrag

Zum Widerstand gehört auch Repräsentanten beim Wort nehmen. „Ein Umzug löst unser Problem nicht, es verschiebt es nur. In diesen Vierteln müssen wir stets mit der Unsicherheit leben, irgendwann wieder vertrieben zu werden.“ Besser kann man es nicht auf den Begriff bringen, was derzeit in dieser Stadt an allen Ecken und Enden rund um Wohnungen [...]

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Offener Brief: Warum Jan Freitag der Hamburger Morgenpost den Rücken kehrt…

Offener Brief “Bitte kehren Sie um, aber tun Sie es ohne mich …” Sehr geehrter Herr Niggemeier, lieber Kollege, werter Auftraggeber, ich schreibe Ihnen als ehemaliger Praktikant, zwischenzeitlicher Pauschalist und aktuell freier Autor der Hamburger Morgenpost. Zurzeit arbeite ich zwar nur sporadisch für Ihre Zeitung, im Schnitt um die zehnmal pro Jahr, tue es im [...]

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Veranstaltung: Finanzkapitalismus oder schon sanfter Neofaschismus?

Vortrag und Diskussion mit Professor Dr. Max Otte, Universität Graz
Am Montag, 10. Februar, 19:00, Konferenzraum 411, Campus Westend der Johann-Wolfgang-Goethe Universität (IG-Farben Haus)

Professor Otte ist mit seinem Buch „Der Crash kommt“, Berlin 2006, als „Crash-Prophet“ der deutschen Öffentlichkeit bekannt geworden.
Die Finanzkrise 2007/2008 hat seine wissenschaftlichen Analysen vollumfänglich bestätigt.

Seit dieser Zeit ist er als kompetenter Kommentator und konsequenter Analytiker des Geschehens auf den Finanzmärkten auch in den Medien gefragt.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als Universitätsprofessor ist er ein erfolgreicher Fondsberater – mithin Insider, der auf dem Finanzmarkt aktiv arbeitet.

Angesichts des Versagens „der Politik“ vor der Re-Regulierung der entfesselten Finanzmärkte sieht er – wie attac – die Demokratie massiv bedroht.

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Los gehts: Nachbarschaftsinitiative NordendBornheimOstend – NBO

… wer, wie, was: Im Sommer 2013 haben wir uns als ein Gruppe von betroffenen Mieterinnen und Mietern aus dem Frankfurter Nord – und Ostend zur “Nachbarschaftsinitiative NordendBornheimOstend – NBO” zusammengeschlossen und wehren uns seitdem gemeinschaftlich gegen die fortschreitende Mietervertreibung durch Luxussanierungen und Miet- bzw. Mietspiegelerhöhungen in unserem Stadtbezirk. Dabei sind wir auf rein ehrenamtlicher [...]

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Veranstaltung: Die Nazis und ihre Medien

Freitag, den 7. Februar 2014, 19:00 Uhr – Cafe Wiesengrund, Am Weingarten 14, Frankfurt Bockenheim

Gewaltbereite Rechte gibt es in Hessen nicht nur in Allendorf (Lumda) oder in Leun. Nazis sind auch im Herzen des Rhein-Main-Gebiets aktiv. Die NPD ist beispielsweise im Frankfurter Stadtparlament mit einem Mitglied vertreten. Rund 1300 Aktive zählt der Hessische Verfassungsschutz – etwa 400 von ihnen gelten als mögliche Gewalttäter.

Wer sind diese Leute, was treiben sie? Wie suchen sie Sympathisanten? Antworten darauf geben zwei Kenner der Szene.

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Wie mächtig wird sind!

Wie mächtig wir sind! Sind wir stumm, sind wir ohnmächtig, räuspern wir uns (nur), werden wir ignoriert, sind wir laut und ecken an, erst ab dann – dann werden wir gehört.   Wer kann den Text mit einer Musik/Melodie unterfüttern?   – Crosspost -

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Rund um das Ranking auf Friedhöfen

„Ranking“, dieses nette kleine Wort begleitet uns inzwischen vom Kindergarten über die Alltagsgeschäfte bis auf den Friedhof. Unsinn, mögen sie entgegnen, „Ranking“ ist doch eine Bewertungsmaßnahme von Wirtschaftsagenturen für ökonomische Akteure, seien sie Firmen oder Staaten. Um so besser das Ranking (“AAA”), um so sicherer der Hafen, desto geringer die Zinsen. Je schlechter das Ranking [...]

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weggeTURMt – ein Fotobericht

Und weg war der Turm…

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FREI.WILD, Die Vorfeldband der Neonaziszene

von Jutta Ditfurth Redebeitrag auf der Stadtparlamentssitzung in Frankfurt/Main am 30.1.2014 Guten Abend, eine wesentliche Voraussetzung für Zensur ist eine Meinung, die zensiert werden soll. Faschismus aber ist keine Meinung sondern ein Verbrechen. Die sog. Freien Wähler hier im Haus, die neuen Völkischen der AfD, mögen die rechte Band Frei.Wild. Das passt zur “Querfrontstrategie” von [...]

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Drinnen/Draußen: Über Grenzen und soziale Ausschlüsse

Die Stadtviertel unter neuem “Modernisierungsdruck”: ein Diskussionsabend um Investitionsbedingungen, Refeudalisierung und Gentrifizierung mit besonderem Blick auf den Gallus

Donnerstagabend, am 30. Januar fand im Orange Peel ein Vortrag mit Diskussion zum aktuellen Thema Drinnen/ Draußen der von der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützten Zeitschrift „Polar“ statt. Als Experten waren anwesend Peter Siller, Chefredakteur von „Polar“, Sighard Neckel, Professor für Soziologie an der Universität Frankfurt, und Franca Schirrmacher, Kulturpädagogin im Gallus Zentrum.

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