Frankfurter Gemeine Zeitung

Lautsprecher für die Obrigkeit?

Maßnahmen in fernen Landen geben deutschen Journalisten, Berichterstattern und Kommentatoren bei uns immer Gelegenheit gar schöne Prinzipien hochzuhalten. Meist stellt sich beim Hören eine gewisse Irritation, gar Entfremdung ein: was folgt aus ihnen für uns, ausser dass wir uns zurücklehnen, und wohlgefällig über den Rest der uns belassenen Freiheit nicken.

Gewiß, wer hätte denn nichts gegen ein Militärregime in Ägypten, das Journalisten wegen “Terror-Vedacht” verhaftet? Einer der letzten mutigen Stimmen im Lande wagte es aufzubegehren, und charakterisierte die Kernaufgabe der Presse, zitiert nach einem Bericht des Deutschlandfunks: “Kann sein, dass Al-Dschasira und andere Sender dir nicht passen. Kann sein, dass du ihre Berichterstattung falsch findest. Aber Rechte und Grundsätze sind dann am wichtigsten, wenn sie unbequem sind. Sinn und Zweck des Journalismus ist es nicht, ein Lautsprecher für die Obrigkeit zu sein, sondern die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen und den Stimmen am Rand eine Plattform zu bieten.

Hören wir in Richtung Spiegel, FAZ, Welt, Süddeutsche, Bild und so weiter und so fort, und wiederholen: sie sollen “die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen und den Stimmen am Rand eine Plattform zu bieten”

Dass sie diesem Gebot nachkommen, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, inzwischen kaum noch den gelegentlichen Versuch dazu. Als besonders abstoßender Beleg dient die journalistische Gewohnheit genannter Medien, die rückhaltlose Hingabe politischer Initiativen an die herrschenden Regularien noch unter dem Begriff “Reform” zu verwursten.

 


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