Frankfurter Gemeine Zeitung

Empörung 2014: neue Jugendbewegungen in Deutschland

Gestern brachte mich der Sendersuchlauf auf einen dieser hip-kommerziellen U25 Sender in Rheinmain, die uns neben den aktuellen gesponserten Hits Fragen an ihr Publikum präsentieren. Diese drehen sich oft um ihre Lebensweisen, drängende Wünsche und das Weltverständnis drum herum, möglichst etwas cool, so auch am Mittwoch.

Eine  Antwort, wirklich aufrichtig und vehement vorgebracht, ließ mich aufhorchen, denn bereits die Fragestellung klang interessant. Wie wir den Nachrichten entnehmen konnten, so der Moderator, gab es heute Warnstreiks von Verdi zu den Tarifforderungen im öffentlichen Dienst, und die Leute gingen sogar auf die Strasse. Aus dem Radio appellierte der Sprecher dann an die Zuhörerschaft, sich doch zur eigenen Empörung zu äussern, für was das Publikum denn selbst auf die Strasse gehen und für seine Empörung mal richtig Platz fordern würde.

Kurz danach meldete sich eine Hörerin, die ihren Unmut über schreiende Ungerechtigkeit kaum bremsen konnte. Sie selbst und viele ihres Bekanntenkreises können es einfach nicht mehr ertragen, wie Pitbulls und andere Kampfhunde in der Öffentlichkeit diskriminiert werden, hieß es. Damit müsse endlich Schluß sein, und eine Demonstration, gar Besetzung würde Tausende mobilisieren, und zwar nicht nur Hundehalter.

Sie selbst habe ein fünfmonatiges Baby und einen fünfjährigen Pitbull, und die beiden verständen sich wirklich prächtig. Das sei doch ein Zeichen dafür, dass echte Gemeinschaften von ignoranten staatlichen Stellen und Interessenverbänden diskriminiert werden, und so kann es echt nicht weitergehen.

Wie wahr, ein erstaunlicher Typ deutschen Empörungskollektivs nachdem das Proletariat schon lange abdankte und das flüchtige Occupy suspendiert wurde: eine Hundesteuerzahlerin, ein hundeliebendes Baby und ein babyliebender Pitbull, die sich zusammen nicht respektiert fühlen.

Das erinnert mich an die Kleinen aus der Kita, die für mehr Auslauf ihrer Kaninchen demonstrierten, unterstützt von den Mitarbeitern, die nur noch Öko-Gemüse an die Nager verfüttern wollten. Aber vielleicht habe ich diese grüne Empörung doch nur geträumt.


Der SGB2-Dialog, eine Erwerbloseninitiative in Offenbach (Zahltag: Mitmachtag)

[Update 2014-03-27, 14:40 Uhr] Vorbemerkung: Erwerbsloseninitiativen kämpfen um die Rechte erwerbsloser Menschen. Gerade im letzten Jahrzehnt verschlecherte sich die Situation zusehends, an die Massenarbeitslosigkeit fand eine “Gewöhnung” statt. Arbeitslosengeld 2 – als »Hartz IV« verschrien – ersetzte im Zuge der sogenannten »Hartz-Gesetze« (vgl. Agenda 2010) die Arbeitslosenhilfe, was mit einer allgemeinen finanziellen und rechtlichen Verschlechterung der Lebenssituation betroffener Menschen einher ging. Ein weitgehender Niedriglohnsektor, der Massenarmut begünstigt, wurde politisch durchgesetzt. Sehr viele Menschen mit (!) und ohne Job leben in Angst vor dem repressiven System, das von den fünf neoliberalen Bundestagsparteien SPD, CDU/CSU, Die Grünen, und FDP in wechselnden Koalitionen systematisch etabliert wurde. Ihren Ausdruck findet die asoziale Gesetzgebung der letzten Jahre in der fortlaufenden Umgestaltung des Sozialgesetzbuchs 2, gemeinhin als SGB 2 bezeichnet. Das SGB 2 ist Namensgeber des Vereins, den ich Ihnen gerne in diesem Text vorstellen möchte:

Nächste Zahltag-Protestaktion: 7. April 2014, 9:00 Uhr vor der MainArbeit in Offenbach (Berliner Str. 190, gut zu erreichen mit den S-Bahn-Linien S 1, S 2, S 8 und S 9, Haltestelle Ledermuseum)

Zahltag*, 4. Nov. 2013 vor der MainArbeit:
Flugblatt-Verteilaktion des SGB2-Dialogs

Der SGB2-Dialog (SGB2-Dialog Offenbach e. V. 1), ist eine lokale Erwerbsloseninitiative aus Offenbach. Er charakterisiert sich auf seiner Webseite 1 wie folgt:

Wir sind Menschen, die von Erwerbslosigkeit und Einkommensarmut betroffen sind.

Wir treffen uns jede Woche, um uns gegenseitig in dieser schwierigen Situation zu unterstützen.

Wir tauschen Erfahrungen aus und stehen einander mit Rat und Tat zur Seite.

Wir begleiten uns untereinander bei Behörden-Besuchen und können dadurch unsere Rechte besser durchsetzen.

Unser Motto: Keine/r geht allein zum Amt

Außerdem wahren wir unsere Würde, indem wir dem verächtlichen Bild, das die Medien-Mehrheit von uns zeichnet, unsere eigenen Erfahrungen entgegensetzen.

Daneben bilden wir uns in internen Veranstaltungen weiter und lernen so, unsere Situation in einen größeren politischen und ökonomischen Zusammenhang einzuordnen.

Wir sind ein eingetragener und gemeinnütziger Verein, unsere Mittwochs-Treffen stehen allen Interessierten offen.

Treffen: Jeden Mittwoch um 18:00 in der Mirjamgemeinde (Lortzingstraße 10)

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