Frankfurter Gemeine Zeitung

Aus der Reihe “Deppen wie wir ” – Heute: Grünen-Wähler in der Rhein-Main-Metropole im Europawahlkampf 2014

Manuel Stock, Grünen-Geschäftsführer im Römer, schrieb noch davon, den Zuzug von Menschen zu managen. Kein Wort über die Armut, die arm-reich-Spaltung der Stadt. Das wird in den Grünenköpfen anscheinend ausgeblendet.

 

Ostern vor der Europawahl: Am 25. Mai 2014 wird gewählt; kein richtiges Wahlkampfplakat in Sicht- oder Leseweite, könnte man meinen. Beginnt der richtige Europa-Wahlkampf mit dem umfassenden Zumüllen mit Wahlkampfplakaten erst nach Ostern? Oder haben die Parteien vielmehr Mühe, das eigene Wahlvolk zu mobilisieren? Hat man gar verabredet, einen Eurowahlkampf »light« auszufechten? Soll der Wähler bis nach der Wahl eingeschläfert werden? Alles Fragen, denen man sich durchaus stellen kann.

Ich jedenfalls wurde in meinem vor-wahlkampflichen Winterschlaf jäh aufgeweckt, entdeckte ich doch in meinem Briefkasten eine Information der Grünen im Römer (Römer: frankfurter Rathaus) und dann noch ein Grünen-Wahlkampfplakat (als Veranstaltungsplakat getarnt) auf der lokalen Hauptstraße, der Berger Str. in Frankfurt-Bornheim: Hurra, endlich wieder Wahlkampf! Endlich wieder werden wir beachtet, der Wähler, der Souverän aller Wahlen. Groß war meine Vorfreude, mitwählen, ja mitreden zu dürfen. Langsam und bestimmt wich sie aber, die Vorfreude, düsterer Nachdenklichkeit. Sind wir nicht das dumme Wahlvieh, das permanent klassenkampfmäßig von oben, Stichwort Massenmedien, manipuliert und in Wahlkampfzeiten hierüber hinaus noch besonders verarscht wird?

 

Der Eindruck, verarscht zu werden, begann mich erneut zu erfassen, als ich das Titelbild der Römer-Grünen-Wahlkampfzeitung etwas eingehender studierte:

Eigenes Archivbild (2014-03-12)

Frankfurt, eine Stadt mit viel Wald oder Grün, dass ich nicht lache. Nachfolgend eine kommentierte Fotostrecke, die aufzeigt, was es mit der Grünen-Rhetorik so auf sich hat…

Trotz der Bäume, die Bodenversiegelung ist deutlich erkennbar:

Eigenes Archivbild (2014), Einmündung der Neebstr. in die Saalburgstr. in F-Bornheim. Der “Platz” wurde 2012 (oder 2013?) so geschaffen/deformiert unter einer schwarz-grünen Koalition in Frankfurt am Main.

Warum die Flächen wie hier durch den schwarz-grünen frankfurter Magistrat mit Betonsteinen bodenversiegelt werden? … Solche Beton-Grünflächen mit ein paar Alibi-Bäumen sind einfach billiger zu unterhalten als zusätzliches Grün (Rasen). Man wisse, seit 1974 sinkt der kommunale Staatsquotenanteil am Bruttoinlandsprodukt kontinuierlich. Das heißt, die Kommunen, zu denen die (reiche) Stadt Frankfurt am Main gehört, werden finanziell immer klammer. Kein sozialer Wohnungsbau mehr, dafür vielleicht ein paar Alibi-Radwege mit sogenanntem Finanzierungsvorbehalt.

Sündenfall ÖPP
: Die Grünen haben zusammen mit der SPD in Nordrhein-Westfalen die allerersten ÖPP-Projekte (Öffentliche Private Partnerschaft, eine Verbrämung der Staatsprivatisierung) in Deutschland umgesetzt und damit eingeführt. Schauen Sie sich das Bild am Rande einer Privatstr. an (F-Bornheim, Dorfelder  Str.):

»Ohne Worte«, eigenes Archivbild (2014)

 

Frankfurt war und bleibt ein Immobilien-Spekulationsobjekt. Gemeinwirtschaftlicher/sozialer Wohnungsbau unter den Grünen? Fehlanzeige.

Auf dem nachfolgenden Foto erkennen sie eine Baustelle (zwischen Rendeler Str. und Alt-Bornheim, F-Bornheim). Dort werden ausschließlich hochpreisige Immobilien, Eigentumswohnungen und Reihenhäuser, aber keine Sozialwohnungen errichtet.

Oder wie wäre es mit einer Parkanlage, damit die Stadt Frankfurt mit der weiteren Klimaerwärmung besser zurecht kommt? Wieder Fehlanzeige. Also, hier könnte ein Park stehen:

Eigenes Archivbild (Febr. 2014), Baustelle zwischen Rendeler Str. und Alt-Bornheim in F-Bornheim

 

Auch ordnungspolitisch sind die Grünen stark engagiert, wie wir seit den Räumungen von Wohnungen und Häusern in Frankfurt am Main wissen. Dezernent Cunitz von den Grünen im Frankfurter Römer ist für seine Partei mit dabei. Auf der Frankfurter Gemeinen Zeitung finden sie informative Artikel zu diesem Sachverhalt. Als Einstieg möchte ich Sie an dieser Stelle auf den Text »Die Räumung der Kriftelerstraße schlägt Wellen: Eier für die Grünen und Anzeige gegen städtischen Mitarbeiteter« hinweisen.

Aber dass die Grünen dann noch die Chuzpe besitzen, für den 10. April 2014 eine Art Blockupy-Veranstaltung zu organisieren, empfinde ich schlichtermaßen als Frechheit. Aber so ist sie, die grüne Meinungsmache, der nur Idioten auf dem Leim gehen können.

Ein Schmierfink dokumentierte auf dem Veranstaltungsplakat in der Berger Str.:

Eigenes Archivfoto (April 2014). Was hat Dr. Ulrich Wilken, für DIE LINKE. im hessischen Landtag, in Wahlkampfzeiten eigentlich auf einer Grünen-Veranstaltung zu suchen? Wann geht er zu einer Häuserbesetzung, auch wenn sie derzeit nur von kurzer Dauer ist, und spricht mit den zivilen-Ungehorsam-Leistenden? Will er die Grünen etwa aufwerten?

 

Für all die angedeuteten Fehlentwicklungen – ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte – sind die Grünen in irgendeiner Form mitverantwortlich – sei es auf kommunaler, Landes-, Bundes- oder europäischer Ebene. Die Grünen sind zu einer durchschnittlichen, neoliberalen und selbst im Grunde genommen für Grünenwähler unwählbaren Partei verkommen.

Randnotiz: Der frankfurter Stadtteil Bornheim gilt als Grünen-Hochburg.

Dies war Artikel Nr. 17 der Reihe »Deppen wie wir«.

- Crosspost -


2 Kommentare zu “Aus der Reihe “Deppen wie wir ” – Heute: Grünen-Wähler in der Rhein-Main-Metropole im Europawahlkampf 2014”

  1. Karl Napp

    Die schleichende inhaltliche Erweiterung des allseits beliebten “Wer hat uns verraten ?” paßt wunderbar zum momentanen “Gedenken”.
    Zeit, daß Michael Paris da mal das Ruder in die Hand nimmt.

  2. Horst Erlenkötter

    Grüne Europa Kakophonie

    Unsere besten Politiker setzen sich in Europa für Grüne Politik ein:
    In leicht verständlicher Sprache bedeutet das, dass unsere schlechtesten Politiker
    wohl daheim dann regieren wie im Römer oder in Wiesbaden.
    Mitentscheiden, das heißt so viel wie Bereitschaftspolizei in die Lortzingstrasse schicken,
    so geschehen am siebten und achten Januar im Jahre 2013,
    wenn man anderer Meinung ist und seine grüne Umwelt nachhaltig erhalten will.

    Erneuern bedeutet, 16 stattliche, teilweise über 100 Jahre alte Bäume
    im Nordend zu fällen. Eine Wohltat für den Klimaschutz; Oben drauf noch
    nachhaltig Betonklötze errichten, ein Gräuel für die Ästhetik im Gründerzeitviertel.
    Anwohner beklagen zu Recht den Verlust ihrer Lebensqualität
    und das Verschwinden von Vögeln, Fledermäusen und Eichhörnchen im Quartier.
    Alles für eine Garage, die wirklich keine Parkplatzprobleme löst.
    Wen interessiert das schon im Römer? Niemanden von Schwarzgrün.

    Erneuern zu Green City,
    Schlagworte benutzen, die keinen Inhalt besitzen,
    einfach nur Blasen erzeugen und Dummschwätzen.
    Erneuern meint Destruction City.
    Grün Erneuern bedeutet: ABHOLZEN – KAHLSCHLAGEN – KLEINREDEN.

    Zusammenhalten, ja ihr Grünen, wir Bürger halten endlich zusammen
    und gründen BI’s gegen den Wahnsinn der demokratischen Entscheidungsträger.
    Atom aus – Natur an, meint schaltet euer Hirn aus und himmelt Grün an.
    Das sind die Paradigmen der genmutierten Golems:
    Keine alten, großen Bäume, kein Grün, keine Aufenthaltsqualität!

    GENug ist nicht GENug, wir lassen uns nicht belügen,
    Schon Schweigen ist Betrug,
    GENug kann nie GENügen.

    Wie grün wird Dein Ort?
    Ich werde heute noch einen Baum fällen und DU?
    Sorglos durch das Leben rennen, hohe Mieten bezahlen und zuschauen,
    wie sie alte Einwohner, deine Nachbarn verdrängen und aus der Stadt vertreiben.
    Das macht euch Spaß!
    Frankfurt komplett verdichten, das ist Euer Maß.
    Olaf wird’s schon richten

    Genug ist nun Genug, es reicht jetzt,
    für dieses Grün gibt es keinen neuen Morgen,
    Schluss und aus jetzt mit unsren Sorgen,
    drum sing ich mit Konstantin Wecker voll Heiterkeit
    ein neues Lied auf eure verlogene Herrlichkeit:

    „Dass ich nur noch auf Beton schau,
    kann doch wirklich kein Versehen sein,
    und es ist bestimmt kein Zufall, dass der Bau-
    lärm durch mein geschlossenes Fenster dringt.
    Es staubt und raucht und stinkt hier in der Straße.
    Ich sitze regungslos am Fenster. Draußen pulst
    der Presslufthammer und der Bagger von sieben Uhr morgens
    bis sieben Uhr abends. Ich schlag mich wacker,
    ich hab es satt ein Opfer zu sein,
    nicht wie raus auf die Straße
    und dann mache ich meinen Unmut Luft.
    An den Häusern klebt die Lüge,
    überall steht ein verwester, grüner Duft.
    Dieser Stadt schwillt schon der Bauch,
    und ich bin zum großen Knall bereit,
    auf den Dächern hockt ein nimmersatter Bürgermeister
    und predigt von grüner Bescheidenheit.
    GENug ist nicht GENug, wir lassen uns nicht belügen,
    Schon Schweigen ist Betrug,
    GENug kann nie GENügen.
    Viel zu lange rumgesessen,
    übers Nordend staubt es fein,
    Jetzt muss endlich was passieren,
    sonst ertränk ich mich im Main.
    Dieser Ekel in meiner Seele,
    alles verkommt in Dunkelheit,
    nochmal kurz aufgeschaut und durchgeatmet
    und dann tauch ich ins Gewühl hinein.
    Komm, wir brechen morgen aus
    und dann stellen wir uns gegen die grüne Macht.
    Politische Lügen haben kurze Beine,
    wenn die Wahrheit sie ans Licht bringt.
    Ihre Wahlversprechen hinterfragen wir ganz einfach,
    auf den ersten Römerrängen preist man
    dienstbeflissen doppelte Moral,
    doch mein Ego ist mir heilig und die Grünen sind mir scheiß egal.
    Genug ist nicht genug.“

    Horst Erlenkötter zum Ostermontag 2014

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