Frankfurter Gemeine Zeitung

Mietwucher und erpresserische Ausbeutung in Gaumer-Immobilie und Subunternehmen

MigrAr-Presseinformation
(Gewerkschaftliche Anlaufstelle für MigrantInnen in prekären Arbeitsverhältnissen, mit und ohne Papiere – http://migrar-ffm.de/)

Baugrundstück mit ehemaligen Klabunt (Kultur-Gastrono-
mie, links am Ende des Zaunes, Frankfurt/M., Berger Str.),
beides im Eigentum von Heinrich Gaumer.
Foto: Bernhard Schülke (13. April 2014)

Die gewerkschaftliche Anlaufstelle MigrAr betreut derzeit einen neuen Fall, in dem die Ausbeutung und besondere Erpressbarkeit von MigrantInnen durch die Verbindung von Scheinselbständigkeit und Unterbringung deutlich wird. Unser Klient ist dabei in die Fänge eines stadtbekannten Immobilienbesitzers geraten, der seine Mieter oft auch als Arbeitskräfte anheuert und auf Gewerbeschein als formal Selbständige für sich arbeiten lässt.

Zum Hintergrund: Seit einiger Zeit hängen an diversen Immobilien des Frankfurter Immobilienbesitzers Heinrich Gaumer Plakate, in denen die FAZ des Rufmordes bezichtigt wird. Die Immobillien von Herrn Gaumer sind der Frankfurter Bauaufsicht und dem Wohnungsamt seit Jahren bekannt wegen erheblicher Sicherheitsmängel und Überbelegung – und die FAZ hatte im Januar anlässlich eines Brands in einer Gaumer-Immobilie, in dessen Folge Personen lebensgefährliche Verletzungen erlitten, kritisch über den Zustand dieser Häuser und eine Mitschuld des Vermieters berichtet. Plakate fanden sich in der Folge etwa am ehemaligen Kaufhof in der Leipziger Straße und aktuell in einer Immobilie in der Niddastraße, auf die jahrelang vor allem Bauarbeiter aus Osteuropa ihre Gewerbe angemeldet hatten – so waren etwa die Gewerbescheine von rund 80 Fliesenlegern auf eine Wohnung in der Niddastraße ausgestellt. Regelmäßig redet Herr Gaumer oder dessen Verwalter, die Firma Yener Aras, sich darauf heraus, dass man von Überbelegung nichts wisse. Razzien führen nur dazu, dass die überbelegten Wohnungen geräumt werden, ohne dass sich an den grundlegenden Problemen etwas ändert. Die Mieter von Herrn Gaumer bzw. Herrn Aras haben meist Angst, sich gegen ihre Situation zu wehren, sind abhängig, haben zu geringe Sprachkenntnisse und kennen ihre Rechte nicht.

MigrAr vertritt aktuell eine Familie, die doppelt Opfer der Praktiken von Herrn Gaumer bzw. dessen Subunternehmen geworden ist.

Unser Klient wird von Herrn Aras, dem Mietverwalter von Herrn Gaumer, mit erhöhten Mietforderungen für zwei winzige Zimmer (34 qm) in einer Wohnung in der Leipziger Str. 68 erpresst. Die Familie unseres Klienten bewohnt dort mit fünf Personen die vorderen beiden Zimmer in einer nur durch ihre Räume begeh- und erreichbaren Vierzimmer-Flucht. So steht es auch im Mietvertrag. Nach Auszug der Familie, die die hinteren beiden Zimmer bewohnt hatte, verlangt der Vermieter nun die doppelte Miete für die leerstehenden Räume (1.000 statt 500 Euro) – Räume, die wegen eines fehlenden separaten Zugangs an sich gar nicht unabhängig vermietbar wären, tatsächlich aber bis Anfang Januar von einer weiteren Familie bewohnt wurden. Zudem will er von unseren Klienten nach Auslaufen des immer auf ein halbes Jahr befristeten Mietvertrags (der nach Auskunft unserer Rechtsanwältin ohnehin juristisch ungültig ist, weil die Befristung sachgrundlos ist) Ende März eine neue, höhere Miete. Statt 500 Euro sollen sie zukünftig 750 Euro für die etwa 50 qm in einer Substandardwohnung zahlen. Ohne diese Wuchermiete werde es weder Quittungen über die regulär gezahlte Miete noch einen neuen Mietvertrag geben; Gaumer und sein Verwalter ziehen es vor, ihre Geschäfte grundsätzlich “bar” abzuwickeln.

Zudem arbeitet unser Klient auch für Herrn Gaumer und dessen Subfirmen und hängt von Arbeitsaufträgen ab, die ihm im Zusammenhang mit angeblich offenen Mietforderungen entzogen wurden.

Da sich unser Klient auf unseren Rat hin bislang strikt an den Mietvertrag gehalten und entsprechend geweigert hat, die doppelte Miete für die zurückliegenden drei Monate zu zahlen, wurden und werden ihm auch weitere Arbeitsaufträge sowie Belege für vorangegangene Tätigkeiten vorenthalten. Laut Angaben unseres Klienten wurden sogar ihm zustehende Zahlungen für bereits erbrachte Arbeitsleistungen einbehalten, um diese mit Doppelmieten zu verrechnen. Ein neuer Mietvertrag liegt immer noch nicht vor. Die Familie wird hingehalten und steht unter Androhung einer Räumung. Das Sozialrathaus, das wir wegen der Androhung der Räumungsklage eingeschaltet hatten, hat die Lage vor Ort geprüft und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei der neuen Mietforderung um “Mietwucher” handelt.

Kirsten Huckenbeck
Gewerkschaftliche Anlaufstelle für MigrantInnen in prekären Arbeitsverhältnissen, mit und ohne Papiere
Vorderhaus, 4. OG
Niddastr. 64
60329 Frankfurt a.M.

E-mail: kirsten.huckenbeck1234@web.de {Bitte die Ziffern aus der E-Mail-Adresse entfernen: kleiner Spam-Schutz}


3 Kommentare zu “Mietwucher und erpresserische Ausbeutung in Gaumer-Immobilie und Subunternehmen”

  1. Otto Fehrmann

    Ich habe Herrn Gaumer schon mal vor 20 Jahren kennengelernt. Ein unangenehmer Patron. Gierig und geizig. Dabei schamlos gegenüber von Personen die nicht gerade mit einem Haufen Geld gesegnet waren.
    Er war mit Verlaub zu sagen ein echter Kotzbrocken.O.Fekrmann

  2. Ries

    Hallo kann mir jemand sagen wer die Erben sind H.Ries 06984843880

  3. Einsicht

    Tja, bei dem riesigen Trümmergrundstück, die der unangenehme Typ und seine Firma in Bornheim hinterlassen hat – und das nach bald einem halben Jahr immer weiter vermodert.

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