Frankfurter Gemeine Zeitung

Was der Eurovision Song Contest mit dem TTIP letztlich gemeinsam hat

Glückwunsch nach Österreich; Österreich hat am 10. Mai 2014 den alljährlichen Eurovision Song Contestgewonnen“.  Conquista Conchita Wurst (Thomas Neuwirth) trat für Österreich an und eroberte am Ende klar die Stimmen. Die FAZ schrieb von einem »Sieg der Toleranz«.

Doch etwas ist grundsätzlich faul am Eurovision Song Contest: Wir wissen, bei einem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft, die dieses Jahr auch ausgetragen wird, zeigt der Gewinner allen freudestrahlend den gewonnenen Pokal. Welchen Pokal gewann aber Conchita Wurst? Sie dürfen nicht raten! Sie bekam nämlich keinen. Finden Sie das ungerecht?

Nun gut, die Ungerechtigkeit gibt es wirklich. Sie ist aber eine gänzlich andere, als Sie zunächst zu meinen glauben könnten: Wenn wir der Sache etwas näher auf den Grund gehen, werden wir feststellen, dass die Show als reine Unterhaltung bei den Riesenbeträgen, die diese Mammutveranstaltung jedes Jahr kostet, gut ankommen muß! Das geht eigentlich nur mit Stars und Sternchen. Unpassend ist es da, dass es sich beim Eurovision Song Contest entgegen des Anscheins um einen »internationaler Musikwettbewerb von Komponisten und Songschreibern, der seit 1956 jährlich von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) im Rahmen der Eurovision veranstaltet wird«, handelt, so die Definition auf der deutschen Wikipedia-Seite. Wollen wir Wikipedia hier einmal Glauben schenken.

Aber: Autoren sind gewöhnlich nicht so publikumswirksam wie schillernde Interpreten.  Deshalb ist in Hintergrund gerückt worden, dass die Autoren gewinnen, also nicht irgendein Land mit irgendeinen Interpreten, auch nicht 2014. Die Autoren des von Conchita gesungenen Siegersongs »Rise like a Phoenix«, das internationale Autorenteam, bestehend aus Charley Mason, Joey Patulka, Ali Zuckowski und Julian Maas, als die realen Gewinner (im Hintergrund) können wohl kaum ein einziges Teilnehmerland vertreten. Wie ist bei all der gelegentlich recht nationalistisch angehauchten Länder-Voterei ein internationales Autorenteam auszuzeichnen? Wird da real etwas vorgegaugelt, was nicht ist?

Das Ganze stellt sich damit als eine gigantische Mogelpackung dar. Die Sieger, Interpreten von Songs, sind gar nicht die eigentlichen Preis-Gewinner. Sind sie jetzt irritiert?

Genauso wie der Eurovision Song Contest ist das TTIP, das geplante USA-EU-Freihandelsabkommen eine Mogelpackung. Beim Eurovision Song Contest werden die Menschen einfach nur beschummelt. Beim TTIP hingegen wird den Menschen erklärt, dieses wäre zu ihrem Nutzen (analog der Nafta). Tatsächlich haben nur große Banken und Konzerne, allesamt ausgestattet mit hervorragenden Rechtsabteilungen die Vorteile, wir hingegen nur Benachteiligungen. Die kommunalen Auswirkungen des TTIP können Sie auf der FGZ (Frankfurter Gemeine Zeitung) übrigens hier nachlesen, ein zusammenfassendes ATTAC-Video hier anschauen.

Der Eurovision Song Contest ist ein Hilfsmittel, um von politischen Gemeinheiten wie das TTIP abzulenken. Das war schon immer so. Vor 40 Jahren lief bereits im Eurovision Song Contests (früher noch als Grand Prix Eurovision de la Chanson bezeichnet) die Verblödungsmaschinerie: Sie bekommen nachfolgend ein Video zu sehen, das ein Pausenfüller des Eurovision Song Contest 1974 darstellt. Es enthält ein Musikstück mit Ansage. Das Musikstück hat den Titel »Remember, we are the Wombles«*. Hören Sie sich bitte das Musikstück an und ersetzen bitte in Gedanken die Wörter Womble und Wombles durch Konsum-Idiot (engl.: consumption idiot) und Konsum-Idioten (engl.:  consumption idiots):

Laut Auskunft einer Person, die nicht näher genannt werden möchte, gibt es aber noch eine andere Interpretation, eine mehr verschwörungstheoretische Deutung, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: »Und am Ende stellt sich heraus, dass hinter allem Dieter Bohlen steckt.« Mir persönlich ist der Eurovision Song Contest in Grunde genommen Wurst, wäre die ganze Veranstaltung nicht Jahr für Jahr nicht so eine Riesenverschwendung an Finanzmittel.

* Wombles sind – korrekt übersetzt, eigentlich Spechte. Bitte entschuldigen Sie meine etwas andere Interpretation hier.

- Crosspost -


Ein Kommentar zu “Was der Eurovision Song Contest mit dem TTIP letztlich gemeinsam hat”

  1. Florian K.

    Irgendwie stehe ich zu der ganzen Sache auch ambivalent.

    Einerseits freut es mich, dass Conchita Wurst den ganzen Schwulenhassern, die Putins homosexuellenfeindliche Gesetzgebung bejubeln und gegen gleichgeschlechtliche Ehen auf die Straße gehen, so souverän eine lange Nase gedreht hat.

    Andererseits will dieses böse Wort “repressive Entsublimierung” dabei einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden.

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