Frankfurter Gemeine Zeitung

24. Mai 2014, Frankfurt – Protestaktion: “Christliche Fundamentalisten stoppen”

Dieses Wochenende ist nicht nur das Ende des eher sehr mäßig beachteten Europawahlkampfes, sondern auch ein Wochenende zahlreicher Proteste. Aus meiner Sicht ist der wichtigste heute Abend in einer halben Stunde gegen Erdoğan . Und wer noch die Puste hat, weiß um die Demonstration gegen Monsanto am morgigen Samstagnachmittag (24. Mai 2014). Zuvor findet am Samstagvormittag eine Protestaktion gegen reaktionäre, christliche Fundamentalisten statt. Die Fundamentalisten planen eine Anti-Abtreibungs-Demonstration bei Pro Familia in der Stresemannstraße im frankfurter Stadtteil Sachsenhausen – so »Frankfurt Protest« auf Gesichtsbuch (Quellenlink).

Mangels exakter Kenntnis über die Fundamentalisten-Demonstration wird für Samstag um 10 Uhr zur Straßenbahnhaltestelle Stresemannalle/ Gartenstraße mobilisiert. Hier der Originaltext mit noch nicht allzu konkreten Einzeilheiten (und wohl auch mit Aktualisierungen):

Wie zu jedem 24. des Monats mobilisieren christliche Fundamentalist*innen der „Helfer für Gottes Kostbare Kinder“ zu einer Messe in der Liebfrauenkirche an der Hauptwache in Frankfurt am Main, um von dort aus mit einem Gebetszug „für das Leben der ungeborenen Kinder“ vor der Geschäftstelle von Pro Familia in der Stresemannallee (Sachsenhausen) zu demonstrieren. Erstmals sollen sie dabei nicht ungestört bleiben.

Die Abtreibungsgegner*innen kämpfen für eine reaktionäre Gesellschaft, die auf der bürgerlichen Kleinfamilie, Zweigeschlechtlichkeit, einer strengen Sexualmoral, Verbot von Homosexualität und auf Ergebenheit vor “Schicksal” und Obrigkeit beruht. Die Antifeminist*innen bezeichnen sich als gewaltfrei, doch blockieren Abtreibungsgegner*innen – z. B. in den USA und in Großbritannien – Kliniken und bedrohen, nötigen und verletzen dabei sowohl Ärzt*innen als auch Frauen*, die abtreiben wollen. In der frauen*feindlichen Weltsicht müssen Frauen*, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, wegen „vorgeburtliche Kindstötung“ bestraft werden.

Auch in Deutschland und Österreich werden Frauen*, die Abtreibungskliniken aufsuchen, durch sogenannte „Gehsteigberatung“ bedrängt. Für diese illegale Einschüchterungspraxis sind auch die „Helfer für Gottes Kostbare Kinder“ bereits verurteilt worden. Ärzt*innen werden von Abtreibungsgegner*innen als „Massentöter“ diffamiert, Parallelen zum zweiten Weltkrieg und dem Holocaust gezogen. Gruppen und Personen, die sich für ein selbstbestimmtes Abtreibungsrecht einsetzen, werden beschimpft und bedroht.

Jede Frau* sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen möchte. Das Strafgesetzbuch (StGB)hält in Paragraph 218a fest, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Dieser Passus ist momentan lediglich ausgesetzt. Die Abtreibung bleibt also nur straffrei, solange sie bis zur 12. Woche und nach vorherigen Zwangsberatung durch geführt wird. Doch auch dieses Gesetz schränkt die Schwangere in ihrer Entscheidungsfreiheit und duldet die Abtreibung nur.

Trotzdem ist die Straffreiheit der Abtreibung genau wie Verhütungsmethoden ein wichtiger Fortschritt in der Selbstbestimmung der Frau über ihre Sexualität, ihren Körper und ihr Leben. Die bestehende patriachale Ordnung, weist der Frau* in der heteronormativen Paarbeziehung die Rolle als Mutter und Hauptbezugsperson des Kindes zu. Auch weil ihr damit die Hauptverantwortung aufgelastet wird, ist ein Recht auf Abtreibung unbedingt nötig.

In Frankfurt wollen die “Lebenschützer” einen Gebetszug veranstalten und die Geschäftsstelle von Pro Familia mehrfach umrunden – in Anlehnung an die biblische Erzählung der Prozession um die Stadtmauer von Jericho. Da ausgerechnet die Vernichtung der Stadt Jericho und ihrer Bewohnerschaft, als Symbol zum Protest “für das Leben” genommen wird, werten wir dieses Ritual, so absurd es ercheint, als zutiefst feindseligen Einschüchterungsversuch.

Auch wenn es in Frankfurt in den letzten Monaten versäumt wurde, den christlichen Fundamentalist*innen die Straße zu nehmen, liegt es nun an uns mit der gruseligen Tradition der monatigen Aufmärsche zu brechen. Jeder Aufmarsch stellt den Versuch da, die Mitarbeiter*innen von Pro Familia einzuschüchtern und wird genutzt, um für ein christlich-reaktionäres Weltbild zu werben.

Lasst uns die Fundis blockieren!

Da es unterschiedliche (Presse-)Meldungen über den Beginn und die Planung ihres Aufmarsches gibt, mobilisieren wir erstmal für Samstag um 10 Uhr zur Straßenbahnhaltestelle Stresemannalle/ Gartenstraße.


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.