Frankfurter Gemeine Zeitung

Ach ja, Philosophikum – Versuch einer anderen Hommage

Das zivilgesellschaftliche Wohnprojekt “Philosophikum” in Frankfurt-Bockenheim steht unter starken Druck der Stadt. Um es zu retten, sind neue Ideen gefragt. Ein Kommentar

Es sind zwei ineinander verwobene Stränge, die für die Notwendigkeit der Realisierung eines solchen Projekts sprechen, wie es das Philosophikum darstellt.

Da ist zunächst (I) die Frage nach offenen Orten in dieser Stadt und die Zurichtung des „Kulturcampus“ – was schon eine Unterstellung aus ungeheurer Arroganz ist, denn es suggeriert, dass vorher dort nichts >Kulturelles< geschah – und dann eben (II) die Auswirkungen auf Auseinandersetzungen um Vertreibung, der Gestaltung von Lebensmöglichkeiten in dieser Stadt, hier vor allem auf die aktuellen Entmietungsvorgänge und die davon Betroffenen.

Gerade Letztere haben die Umsetzung von Alternativen zum herrschenden Marktliberalismus bitter nötig, um über die – nahezu aussichtslosen – Kämpfe zur Erhaltung des Status Quo hinaus zu gelangen und Perspektiven außerhalb des Marktes entwickeln und praktizieren zu können.

Ja, es ist sinnvoll, dass wer immer dies vermag, eine Einlage bringt, um das Projekt zu realisieren.

Es stellen sich nur einige Anschlussfragen:

Warum nicht die vollmundige Unterstützung eines Ardi Goldmann in eine feste Kreditzusage übersetzen?

Warum nicht jenen Teil der GRÜNEN, der doch immer Unterstützung versprochen hat, in Kredite ummünzen?

Und warum steht da, das Geld würde zurückgezahlt, wenn dieses Projekt nicht zustande käme?

Ist die ganze Konstruktion nur auf dieses Projekt Philosophikum abgestellt und warum wird als „Geschäftszweck“ nicht die Förderung von Initiativen gleicher Art formuliert.
Die Einrichtung eines Solidarfonds für alternative Projekte muss nicht notwendig daran gebunden sein, dass es nur um das Philosophikum geht und wenn das an dieser Stelle richtig wieder gegeben wird, geht es auch beim Häusersyndikat nicht darum, gleichwohl es immer um konkrete Projekte geht. Wäre doch immerhin eine Möglichkeit zu zeigen, in welche Zusammenhänge das Projekt Philosophikum eingebettet ist.

Also nochmals: es gibt da einige, die sowohl über die Ressourcen verfügen als auch eine Verhandlungsmacht darstellen, die eine Realisierung Philosophikum ermöglichen, zum anderen: was heisst die Verkürzung im Gesellschaftszweck?
Wenn jetzt versucht wird, die Bedeutung des Projektes für alternative Lösungen der Probleme in der Stadt was Wohnen anbelangt, darzustellen, wenn es darum geht, Voraussetzungen für ein Unterlaufen von Marktmechanismen zu schaffen, dann will sich diese Beschränkung nicht erschliessen.

Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen mit einem Herrn Junker sollte das diskutiert werden, damit eine Erweiterung der Basis für solche Ansätze überhaupt im Bereich des Möglichen liegt, um überhaupt so etwas wie eine Verhandlungsmacht aufzubauen.

Hierfür ist eine breit angelegte Veranstaltungsreihe nötig, weil sie sich um die Praxis von Alternativen kümmert.
Junker und Konsorten werden Einwände finden – zumeist formaler Art – und denen kann nur entgegnet werden, indem man über das ursprünglich formulierte Vorhaben hinaus geht,

Deswegen schon: jede Einlage ist eine gute Angelegenheit.


Der Weg zum National-Liberalismus: die neue militärische Stimmung in Deutschland

Seit Monaten können wir eine Parallelbewegung in den Weltläuften beobachten: einerseits nehmen global Kriege, Bürgerkriege und Kriegsdrohungen zu, und andererseits äussern sich öffentlichkeitswirksam in Deutschland Prominente und Kommentatoren positiv zu Kriegseinsätzen.

Dabei wiederholen sich Rechtfertigungsmuster, wie sie in Sendebeiträgen vom letzten Wochenende im Bayerischen Rundfunk aufmarschierten und sich prima mit laufenden Statements des Bundespräsidenten Gauck treffen. Es betrifft meistens ein Stimmungsbild rund um deutsche Geschichte, dann zwei bis drei Bewertungskategorien zur Kriegsführung und ein unmittelbar aufschreckendes Beispiel für Interventionsverzicht. Sie sollen uns zusammen einen besseren Sinn für das Verständnis der heutigen Welt im Kampf geben, und besonders hinsichtlich dessen, was im Ernstfall getan werden muß.

Das passende Stimmungsbild bot uns am Wochenende eine Historikerin, die den deutschen Gefühlshaushalt und seine Waffenbereitschaft über die letzten hundert Jahre als Pendel beschrieb: bis Ende des 2. Weltkriegs von militärischem Überschwang getrieben, schlug es dann in pazifistische Neurose aus, in ein Land voller Gutmenschen ohne Waffen. Wer kennt nicht Bilder von jungen KerzenträgerInnen vor Militäreinrichtungen in den 80er und 90er Jahren, die mit Rehaugen für Frieden beteten.

Die Autorin empfahl uns, unsere Neurosen abzulegen und endlich ein gesundes Militärverhältnis zu gewinnen. Das Geschichtsbild ist allerdings entweder von Unwissen gezeichnet oder besten Wissens erfunden. Das Bild eines angeblich seit 50 Jahren pazifistischen Deutschlands hat sich in öffentlicher Wahrnehmung eingespielt, funktioniert aber ohne jede Begründung durch harte Fakten.

Eher gilt das Gegenteil: Zu Zeiten vermeintlicher „Gutmenschen“ war Deutschland das größte militärische Aufmarschgebiet der Erde, mit 1,5 Millionen Soldaten unter Waffen mit Zehntausenden von Panzern, mithin mehr als heute die kompletten weltweiten Streitkräfte der USA. Darunter waren zwei deutsche Armeen (West und Ost) mit fast 700.000 Soldaten. Allein die Angst der Alliierten vor einem vereinigten Deutschland führte 1990 zu Verträgen mit einer Abrüstungsverpflichtung für Deutschland, und keineswegs Millionen von Gutmenschen. Wieso solche Märchen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Gutmenschen bei Raketenparade 1969

Weiterlesen »


Wer ist der Terrorist?

von Stefan Ziefle

Die Medien sprechen von einer Eskalation der Gewalt, angestoßen durch den Mord an drei jungen Israelis. Aber das stellt die Tatsachen auf den Kopf.

„Das Kidnapping und der Mord an drei israelischen Teenagern, begangen von zwei Hamas-Aktivisten, hat eine Büchse der Pandora geöffnet,“ schrieb die Nahostkorrespondentin der Frankfurter Rundschau, Inge Günther, am Tag nach dem Leichenfund.

Oberflächlich gesehen stimmt das sogar. Rechtsradikale israelische Siedler demonstrierten und griffen israelische Palästinenser auf offener Straße an. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman rief zum Mord an der palästinensischen Abgeordneten des israelischen Parlamentes, Hanin Zoabi, auf. Und in dieser Stimmung entführten Siedler einen palästinensischen Jungen, offensichtlich in einem Racheakt, und verbrannten ihn bei lebendigem Leibe. Weil die Polizei tagelang keine Anstrengungen unternahm, die Schuldigen zu finden, und statt dessen den Cousin des Opfers, ein US-Staatsbürger, der gerade zu Besuch war, misshandelt haben, demonstrierten Tausende Palästinenser in Ostjerusalem und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei.

Bereits während der zweiwöchigen Suche nach den drei entführten israelischen Siedlern verwüsteten die israelischen Sicherheitskräfte über Hundert Häuser von „Verdächtigen“, verhafteten über 400 Palästinenser, flogen 34 Luftangriffe auf den Gazastreifen (dessen Fläche und Einwohnerzahl mit Hamburg zu vergleichen ist) und zerschlugen, wie der israelische Premier Benjamin Netanjahu stolz verkündete, die Strukturen der Hamas im Westjordanland. All das geschah angeblich, um die Entführten zu finden. Die Verhältnismäßigkeit der Militäraktion wurde mit der Dringlichkeit begründet, die Siedler lebendig zu finden. Wie mittlerweile bekannt geworden ist, wussten die Sicherheitskräfte bereits am ersten Tag der Entführung, dass die Entführten tot und wer die Täter waren. Der ganze Militäreinsatz diente der Vergeltung und Einschüchterung, nicht der Aufklärung.

Weiterlesen »


Neue Ausstellung: philosyndikat

Eröffnung: 30. Juli, 19:00 Uhr
Reguläre Öffnungszeiten: 30. Juli – 19. September 2014, Mittwochs 16:00 – 20:00 Uhr
Ausstellungsort: Inheidener Strasse 2, Frankfurt in Deutscher Werkbund Hessen e.V.

Die Absovent*innen der HfBK Städelschule und HfG Offenbach Jessica Sehrt, Martin Stiehl, Siw Umsonst und Jeronimo Voss setzen sich nach verschiedenen internationalen Projekten nun, als Mitglieder der Projektgruppe Philosophicum, mit der Gegenwart und Zukunft des Mietshäuser Syndikats auseinander.

Heute wird die Architektur der Vor- und Nachkriegsmoderne zumeist als Überbleibsel vergangener Utopien gesehen. „Die Platte“ wurde für Viele zum Sinnbild gescheiterter Sozialprogramme. Andere entdeckten die Moderne als Stil- und Distinktionsmittel exklusiver Eigentumswohnungen. Das Philosopicum, ein ehemaliges Universitätsgebäude auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt am Main, ist eine solche Ruine; allerdings ist dessen Zukunft noch offen.

Das Gebäude wurde 1958-1960 von Architekt Ferdinand Kramer gebaut, in einer Zeit in der Nachkriegsaufschwung und Wirtschaftswunder den Glauben an Fortschritt und Wachstum erneuerten — Hoffnungen sozial-staatlicher Aufbauprogramme die nach den Wirtschaftskrisen der letzten Dekaden immer mehr gedämpft wurden. Eine Stadteilinitiative entschied im Jahr 2010 die Sache selbst in die Hand zu nehmen. „Dieser Bau hat uns, die Projektgruppe Philosophicum, durch seine Flexibilität für unser Vorhaben eingenommen.“ Die Gruppe will den seit Jahren leerstehenden Stahlskelettbau als Mietersyndikat für verschiedene Nutzungen umfunktionieren: entstehen sollen u.a. Sozialwohnungen, ein Stadteilbüro, eine Kindertagesstätte, Ateliers und barrierearme Inklusionsangebote.

Scheinbar steckt in diesem Gebäude doch mehr als nur die Ruine einer sozialdemokratischen Utopie. Kramers „Montage-Bau“ bietet Anlass grundsätzliche Fragen über Form und Inhalt, Kunst und Funktion zu stellen. Fragen, die sich die Künstler*innen der Ausstellung als zukünftige Mieter*innen des Syndikats zum Material machen.

Weitere Informationen zum Hausprojekt im Philosophicum und zur aktuellen Direktkreditkampagne finden Sie unter philosophicum.org


TTIP – Wollen wir das wirklich?

Kreativer Infostand über die Gefahren des transatlantischen Freihandelsabkommens Donnerstag, 31. Juli, 14 bis 15.30 Uhr – Frankfurt Hauptwache, vor der Katharinenkirche Trotz massiver Proteste aus der Zivilgesellschaft halten die EU und die USA an ihren Plänen für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP fest. Weiterhin sollen Konzerne Staaten verklagen können, wenn neue Umwelt- oder Sozialgesetze ihre Gewinnerwartungen [...]

weiterlesen »


Nicht nur Mollath: “geschlossenes Gedankensystem” hier und dort im Lande

Gustl Mollath wurde der bekannteste Pychiatrie-Insasse in Deutschland, ehemals im Freistaat Bayern einsitzend. Ihm war unter mehr als zweifelhaften Bedingungen Gemeingefährlichkeit von einem Gutachter bescheinigt worden, die in einem Verfahren gegen ihn – wegen angeblicher Bedrohung seiner Frau – dazu führten, dass er für Jahre zwangseingewiesen wurde. Letzte Woche gab wieder ein Gutachter über ihn [...]

weiterlesen »


EZB-Zaun in Frankfurt: Sonntagsspaziergang now!

Die Zaunspaziergänge an der EZB gehen weiter – Krisenakteure markieren Die 2. Staffel: Juli bis Oktober 2014: Start am 27. Juli  

weiterlesen »


Polizeigewalt gegen Journalisten und Demonstranten in Brasilien während der Fußball-WM

Niklas Franzen berichtete auf dem Webportal amerika.21 über die Festnahme von vier Polizisten durch die Militärpolizei, die in Zusammenhang zu gewalttägigen Polizei-Übergriffen gegen eine WM-kritische Demonstration stehen. Sein Text ist deshalb besonders interessant, weil viele kritische Nachrichten während der Fußball WM einfach unter den Tisch der Massenmedien fielen. Wußten Sie von dem Demonstrationszug? … Wir [...]

weiterlesen »


Ab wie die Rakete: Urlaubsempfehlungen am Rande Europas

In der gegenwärtigen politischen Situation an den Rändern Europas kommen zuweilen überraschende Vorschläge und Interpretationen in die Welt. Während sich als hochmoralisch dünkende Schwerbewaffnete in Europas wie dem nahen Osten wechselseitig als Faschisten und Terroristen bezeichnen, und natürlich entsprechend behandeln, sorgen wir dafür, dass echte Bonmots nicht zu schnell vorbei huschen und abtauchen. Die Problemlösung [...]

weiterlesen »


Durchsuchung beim Darmstädter Echo: Die Unschuldsvermutung überwunden

Von Emanuel Schach Zuweilen treibt die Strafverfolgung in Deutschland bemerkenswerte Blüten. Ein ganz besonderes Schmankerl bietet aktuell wieder einmal die Justiz in Darmstadt. Diese scheint sich zunehmend auf Durchsuchungen und Beschlagnahmen zu spezialisieren und traut sich dabei auf immer schwierigeres Terrain. Nach den Servern der Piratenpartei ist es jetzt die Redaktion des Darmstädter Echos, die [...]

weiterlesen »


Das Tor

Wie sagte ein begeisterter Hörer heute früh im Radio: “am besten haben mir gestern abend Angela Merkel und Joachim Gauck gefallen, wie die sich freuen konnten“

weiterlesen »


Trauerfeier um »Werkstatt Frankfurt e. V.«

Frankfurt am Main Wir trauern um die Werkstatt Frankfurt! Gestern, 10. Juli 2014, fand sich der Trauerzug, der an der Galluswarte gegen 15:00 Uhr startete, um 15:30 Uhr in der Mainzer Landstr. 405 ein, um dort das Ende der » Werkstatt Frankfurt e. V.«* vor deren Verwaltungsgebäude zu betrauern. Hier die Traueranzeige des Frankfurter Netzwerks [...]

weiterlesen »


“We don’t like Samba” – und das am Freitag, dem 11.

Man I’ll tell you what. This demonstration; it’s a popular movement. Legitimate and beautiful.

Am Freitag den 11.07. gibt es um 18 Uhr den Film “We don’t like Samba” im KoZ.

Die Vorführung findet im Rahmen des AStA-Sommerfestes auf dem Uni-Campus Bockenheim statt. Der Film zeigt die verschiedensten Formen gesellschaftlichen Widerstands gegen die Entwicklungen um die Männer-Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

weiterlesen »


Sozialer Wohnungsbau in Frankfurt – ein Diskussionsabend

Mieter-Initiative fordert mehr sozialen Wohnungsbau – Gesellschaften kommen ihrer Verantwortung nicht nach von Christoph Süß Unter dem Motto „Fünf Euro sind genug“ hat die Mieter-Initiative Nassauische Heimstätte (NH) bei einer hochkarätigen Diskussion am Donnerstagabend auf dem Uni-Campus Bockenheim für mehr sozialen Wohnungsbau geworben. Organisatorin Brunhilde Fahr, die bereits 2012 mit ihrer erfolgreichen Petition gegen den [...]

weiterlesen »


Global Voices: “A match that will not be repeated in 100 years”

https://twitter.com/globalvoices/status/486751649042825217/photo/1  

weiterlesen »


Betongold und Mieten durch die Decke: Videodokumentationen quer durch Deutschland

Vor wenigen Tagen gab die EZB das Signal zum Run auf den nächsten Preisrekord für Immobilien in deutschen Städten: der Kredit- und Einlagenzins wurde aus Angst vor der Finanzkrise auf einen historischen Tiefstand gesenkt. Der Run auf sichere, insbesondere ertragskräftige Immobilien steigt jetzt noch einmal. Es freuen sich Immobilienentwickler und Finanzinstitutionen, Hausbesitzer und Stadtregierungen – [...]

weiterlesen »


Spionagezentrum US-Generalkonsulat Frankfurt? Offener Brief an den US-Generalkonsul Kevin C. Milas

Aus aktuellem Anlass hat sich das Bündnis Demokratie statt Überwachung (https://www.demokratie-statt-ueberwachung.de/) am 07.07.2014 in einem Offenen Brief an den Generalkonsul der USA in Frankfurt gewandt. Das Anliegen: Eine Anfrage wegen Spionage und Massenüberwachung durch Einrichtungen der USA in der BRD. Das Bündnis Demokratie statt Überwachung ist entstanden in der Auseinandersetzung mit dem US-Spionagestandort Dagger-Complex in [...]

weiterlesen »


Frankfurt/M, 8. Juli 2014: “100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg: Wie Militarisierung und Kriegsgefahr bekämpfen?” Vortrag mit Diskussion

Veranstalter: MARX21 FORUM Referentin: Stefanie Haenisch (Sprecherin der AG Frieden und Internationale Politik) Dienstag, 8. Juli um 19:00 Uhr im Bildungsraum Schönstr. 28: Schönstr. 28, Frankfurt am Main (Nähe Hauptbahnhof) 1907 erklärte die Sozialistische Internationale: »Droht der Ausbruch eines Krieges, so sind in den beteiligten Ländern die Arbeiter und ihre parlamentarischen Vertreter verpflichtet, alles aufzubieten, [...]

weiterlesen »


Erklärung des AK “Kritische Geographen” zum Trauerspiel um das Philosophicum

Konsterniert haben wir die Entscheidung der Stadt Frankfurt und der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG Holding zur Kenntnis genommen, das Wohnprojekt Philosophicum scheitern lassen zu wollen. Als Geograph_innen und Stadtforscher_innen, die an der Goethe-Universität wissenschaftlich zu Fragen von Stadt- und Wohnungspolitik, Immobilienmärkten und demokratischer Teilhabe arbeiten bzw. hier studieren, sehen wir uns zu einer Stellungnahme gedrängt.

Die Deregulierung und Liberalisierung von Immobilien- und Wohnungsmärkten ist ein wesentliches Merkmal stadtpolitischer Entwicklungen, wie sie in Deutschland – und darüber hinaus – seit mehreren Jahrzehnten zu beobachten sind. Diese Restrukturierungsprozesse haben dazu geführt, dass (Wohn-)Immobilien zu einem bevorzugten Investitionsobjekt geworden sind, was wiederum gerade in Metropolen massive Mietsteigerungen zur Folge hat. So ist es insbesondere für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zu einer starken Verknappung von verfügbarem Wohnraum gekommen. Das Resultat dieser Entwicklung ist die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte aus den Stadtzentren sowie eine zunehmende sozialräumliche Polarisierung.

In der Stadt Frankfurt zeigen sich diese Entwicklungstendenzen in besonders zugespitzter Form. Betrug der Bestand an Sozialwohnungen in Frankfurt Anfang der 1990er Jahre noch 70.000 Wohnungen, sind es nunmehr weniger als 30.000. Auch nach den eigenen Angaben der Stadt reicht dies in keinster Weise aus, um den Bedarf an günstigem Wohnraum zu decken. Hinzu kommt, dass sich der Bestand an mietpreisgebundenen Wohnungen in den nächsten Jahren weiter reduzieren wird, da diese aus der sog. Mietpreisbindung fallen und der geschaffene Ersatz die Abnahme bei weitem nicht kompensiert.

Die Politik der Stadt Frankfurt ist seit den 1990er Jahren von der Schaffung hochpreisigen Wohnraums geprägt. Beispiele sind der Ost- und Westhafen, das Rebstock- und Europaviertel sowie jüngst die Planung für das Gelände des ehemaligen Uni-Campus Bockenheim. Vermittelt über den politisch gewollten Mietspiegel führen derartige Projekte nachweislich zu deutlichen Mietsteigerungen in den anliegenden Stadtteilen. Die Politik, die darauf abzielt, in erster Linie für Haushalte mit mittleren und hohen Einkommen Wohnraum zu fördern und zu schaffen, führt jedoch nicht zur sozialen Stabilisierungen. Stattdessen zeichnet sich bereits heute eine zunehmende sozialräumliche Segregation, Polarisierung und Gentrifizierung ab.

Anstelle für sozialen Ausgleich zu sorgen, bedient der von der Stadtpolitik unterstützte Trend zum Luxuswohnbau stattdessen nicht zuletzt die Interessen institutioneller Investor_innen, die auf Grund der Euro-Krise vermehrt in vermeintlich sichere Immobilien – sog. Betongold – investieren. Bei einem strukturellen Leerstand im Bereich der Büroimmobilien von ca. 2 Mio. Quadratmetern in Frankfurt erscheinen Wohnimmobilien als sicherer und vor allem ertragsreicher Hafen. Steigende Bodenpreise sind die eine Seite der Medaille, Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten die andere.

weiterlesen »


Die letzte Fabrik? Stiftungsuniversität? Bologna-Themenpark? Was anfangen mit dem neuen Campus der Goethe-Universität? am 2.7. 20 Uhr im PEG

Mittwoch, 2. Juli 2014, 20 Uhr, 1.G 192 im Institutsgebäude Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften (PEG) 1. G 192, Campus Westend Frankfurter Ökonomien und Jürgen Schardt diskutieren mit einer Menge Bild- und Tondokumenten im Gepäck die Widersprüche einer Universität im gesellschaftlichen Spiel der Kräfte: Ist die Universität der letzte Ort, der die Möglichkeit einer Organisierung bietet, [...]

weiterlesen »


“Bürgerdialog als Farce?”Das “Offene Haus der Kulturen” zum Fall “Philosophicum”

Mit großer Bestürzung haben wir das von der ABG Holding verkündete Scheitern des Vertragsabschlusses mit der Projektgruppe Philosophicum aufgenommen. Wir sind schockiert und wütend. Schockiert angesichts des selbstherrlichen Verhaltens der ABG Holding und wütend angesichts einer Stadtpolitik, die diesen Namen nicht verdient, solange sie sich ausschließlich als Servicestelle für den jeweils meistbietenden Investor versteht und [...]

weiterlesen »


Veranstaltung zu Mietbedingungen: Fünf Euro sind genug

Ein Plädoyer für den sozialen Wohnungsbau am Donnerstag, 3. Juli, 19 Uhr.

Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Festsaal I. OG

Der Zuzug von Menschen in die Ballungsräume nimmt zu. Die Wohnungsknappheit wird zur Wohnungsnot. Während Luxus-Wohnungen reichlich vorhanden sind, gibt es immer weniger Wohnraum für Menschen mit unterem und mittlerem Einkommen. Hart betroffen sind Familien, Studenten und Rentner. Verdrängungsprozesse auch aus städischen Quartieren sind die Folgen. Bund, Land und Kommunen haben die Verantwortung der Menschen mit Wohnraum.

weiterlesen »


Netzaffine Montagsquerfront

Zunächst einmal möchte ich vorwegstellen, dass es in diesem Artikel nicht um die Veranstalter und Hauptredner der Montagsdemonstrationen gehen soll.
Über diese haben Jutta Ditfurth, Volkhard Mosler aber auch Volker Koehnen bereits genug geschrieben und deren Statements schließe ich mich in vielen Punkten an.

Was mich in diesem Artikel interessieren soll, ist die Frage, was die ganzen bisher Unpolitischen, die einfachen Teilnehmer, die Interessierten und Neugierigen dort machen.
Warum hören sich die Teilnehmer der Montagsdemos rechte Parolen an und können diese entweder nicht erkennen oder solidarisieren sich sogar in einem Anfall von diffusem Wir-Gefühl mit den Sprechern? Warum befinden sich auch klar linksorientierte politische Aktivisten in dieser Bewegung und drücken in Bezug auf die geradezu haarsträubenden Verschwörungstheorien, die dort verbreitet werden, mal so eben „beide Hühneraugen zu“?

weiterlesen »


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.