Frankfurter Gemeine Zeitung

Die letzte Fabrik? Stiftungsuniversität? Bologna-Themenpark? Was anfangen mit dem neuen Campus der Goethe-Universität? am 2.7. 20 Uhr im PEG

Mittwoch, 2. Juli 2014, 20 Uhr, 1.G 192 im Institutsgebäude Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften (PEG) 1. G 192, Campus Westend Frankfurter Ökonomien und Jürgen Schardt diskutieren mit einer Menge Bild- und Tondokumenten im Gepäck die Widersprüche einer Universität im gesellschaftlichen Spiel der Kräfte: Ist die Universität der letzte Ort, der die Möglichkeit einer Organisierung bietet, so wie das historische Proletariat die Fabrik als gemeinsamen Ort nutzen konnte?
Da thront er nun auf einer Anhöhe über der Stadt: der schnieke neue Campus der Goethe-Universität. In Hochglanzbroschüren und Promotionclips, im Feuilleton und in Nachrichtensendungen wird er als der schönste Campus Europas angepriesen; Vertreter_innen von Uni, Stadt und Land überschlagen sich vor Begeisterung.

Aus Sicht einer nonkonformistischen, oppositionellen Suche nach Gebrauchsmöglichkeiten fällt auf, was dieser gebaute Raum alles ausschließt, welche Nutzungsweisen weder vorgesehen noch gestattet sind: ein toter Raum von erschlagenden Dimensionen, der eher an kafkaeske Alpträume erinnert als an einen Ort, an den mensch gerne geht, um gemeinsam mit anderen Projekte zu planen und voranzutreiben. Wie ist es soweit gekommen?

Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte der Architekt Ferdinand Kramer den Wiederaufbau der Frankfurter Universität noch im Stil einer großen Fabrik geplant. Neben den funktionalistischen Bauten auf dem Campus Bockenheim zeugt vor allem der Schornstein des universitätseigenen Blockheizkraftwerks vom Aufstieg der fordistischen Massenuniversität, die bewusst mit der bis dahin üblichen elitären Repräsentationsarchitektur brach. Die Universtität wurde damit nicht nur zum Ausgangspunkt neuer gelebter Demokratie und der Studierendenbewegung der 60er Jahre, sondern lieferte mit Praktiken jenseits des Normalarbeitsverhältnisses auch den Entwurf einer neoliberalen Subjektivierung.

Seit 2007 zieht die Universität auf den neuen Campus Westend – und zugleich ein weiteres Stück Richtung Bologna. In den administrativen Gebäuden eines ehemaligen chemischen Weltkonzerns mit Verstrickung in die Kriegsökonomie des Nationalsozialismus wird nun nicht nur Wissen verwaltet, sondern auch produziert. Hier kreuzen sich massenhaft individualisierte Biographien, bevor sie in verschiedenste Arbeitsfelder zerstreut werden.

nitribitt frankfurter ökonomien und Jürgen Schardt diskutieren mit einer Menge Bild- und Tondokumenten im Gepäck die Widersprüche einer Universität im gesellschaftlichen Spiel der Kräfte: Ist die Universität der letzte Ort, der die Möglichkeit einer Organisierung bietet, so wie das historische Proletariat die Fabrik als gemeinsamen Ort nutzen konnte?


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