Frankfurter Gemeine Zeitung

Trauerfeier um »Werkstatt Frankfurt e. V.«

Frankfurt am Main

Wir trauern um die Werkstatt Frankfurt!

Gestern, 10. Juli 2014, fand sich der Trauerzug, der an der Galluswarte gegen 15:00 Uhr startete, um 15:30 Uhr in der Mainzer Landstr. 405 ein, um dort das Ende der » Werkstatt Frankfurt e. V.«* vor deren Verwaltungsgebäude zu betrauern.

Hier die Traueranzeige des Frankfurter Netzwerks der Sozialen Arbeit:

* Die Werkstatt Frankfurt e. V. ist ein ausgelagerter Betrieb der Stadt Frankfurt am Main, Rechtsform: eingetragener Verein. Aus dem offenen Brief an die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung im Römer (Rathaus der Stadt Frankfurt am Main):

Am 10. Juli 2014 treffen sich Vorstand und Mitgliederversammlung der Werkstatt Frankfurt e.V., um die Spaltung in eigenständige gGmbHs formal zu beschließen. Damit einher geht die Schließung „unrentabler“ Bereiche: Die Beschäftigungsförderung wird schon jetzt gestrichen und auf ein reines Beratungsangebot reduziert. Schon morgen könnte auch die Abwicklung der neuen gGmbHs auf der Tagesordnung stehen.

Die Zerschlagung Werkstatt Frankfurt bedroht die Existenz der Mitarbeiter*innen. Es stellt sich die Frage, wie viele Kolleg*innen überhaupt in die neuen gGmbH´s übernommen werden und wie viele betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Schon jetzt wurden mehrere Kolleg*innen betriebsbedingt gekündigt – anders als in einer Presseerklärung von Vorstand und Geschäftsführung der Werkstatt Frankfurt vom Dezember 2013 angekündigt. Es ist zu befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern und in neu abzuschließenden Arbeitsverträgen wesentlich schlechtere Konditionen diktiert werden. Einzig bei Überführung in die gGmbH´s im Rahmen eines Betriebsübergangs wäre der Bestandsschutz der Kolleg*innen für ein Jahr gesichert.

- Crosspost -


“We don’t like Samba” – und das am Freitag, dem 11.

Man I’ll tell you what. This demonstration; it’s a popular movement. Legitimate and beautiful.

Am Freitag den 11.07. gibt es um 18 Uhr den Film “We don’t like Samba” im KoZ.

Die Vorführung findet im Rahmen des AStA-Sommerfestes auf dem Uni-Campus Bockenheim statt. Der Film zeigt die verschiedensten Formen gesellschaftlichen Widerstands gegen die Entwicklungen um die Männer-Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

In der offiziellen Filmbeschreibung heißt es:

Bis vor kurzem war Brasilien einer der “shooting stars” der BRIC Staaten. Aber nach einem Jahr des ökonomischen Wachstums begann der soziale Putz zu bröckeln. Viele Menschen können in dem kredit-basierten Leben der letzten Jahre keine Zukunft sehen. Ein Jahr vor Beginn der Weltmeisterschaft und drei Jahre vor den Olympischen Spielen kam es zum großen Knall: Nachdem die Kosten der öffentlichen Nahverkehrsmittel rapide stiegen kam es im Jahr 2013 zu den größten Massenprotesten seit Jahren. Durch diesen Aufstand inspiriert verbreiteten sich im ganzen Land aufständische Momente: Arbeiter_innen in wilden Streiks, junge Frauen, die gegen den Papstbesuch mobilisieren, Menschen, die gegen Urbanisierungsprojekte kämpfen. Und in vielen Favelas steigt der Widerstand gegen die zunehmende Militarisierung und Verdrängung. “We’re not samba dancers” sagt einer der streikenden Müllmänner, die als Garis bekannt sind, in einem Interview – “We are rebels.”! In der Dokumentation “We don’t like Samba.” werden diese und andere Rebellen ihre Geschichte erzählen.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_Vk-_Cq9cQE
weiter Vorführungen: http://wedontlikesamba.wordpress.com/


Sozialer Wohnungsbau in Frankfurt – ein Diskussionsabend

Mieter-Initiative fordert mehr sozialen Wohnungsbau – Gesellschaften kommen ihrer Verantwortung nicht nach

von Christoph Süß

Unter dem Motto „Fünf Euro sind genug“ hat die Mieter-Initiative Nassauische Heimstätte (NH) bei einer hochkarätigen Diskussion am Donnerstagabend auf dem Uni-Campus Bockenheim für mehr sozialen Wohnungsbau geworben. Organisatorin Brunhilde Fahr, die bereits 2012 mit ihrer erfolgreichen Petition gegen den NH-Verkauf durch die hessische Landesregierung für Schlagzeilen gesorgt hat, forderte von der Politik ein entschiedeneres Handeln gegen die explodierenden Mieten in Frankfurt und Umgebung.

„Wir sind normale Leute und wollen in Ruhe leben“, sagt Fahr. Doch die rasant steigenden Mieten vertrieben Leute wie sie und ihre Nachbarn. „Ich war der NH immer eine loyale Mieterin, aber wenn das so weiter geht, kann ich meine Miete nicht mehr bezahlen“, sagt die streitbare Maintalerin, die sich für ihre – teilweisen hilflosen – Nachbarn einsetzt und diese bei ihren Auseinandersetzungen mit den Wohnungsbaugesellschaften und den Sozialämtern in Stadt, Kreis und Land berät. Sie hat sich intensiv mit der Wohnungsproblematik in Hessen auseinandergesetzt und ein Konzept mit der Überschrift „Wohnen als soziale Infrastruktur“ erstellt. „Wenn man es denn wollte“ wäre es z.B. in Frankfurt am Main möglich sofort 66.000 bezahlbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen und damit deutlich die Wohnungsnot zu lindern.

Nach Ansicht von Architekt und Stadtplaner Jürgen Ehlers, der sich bei der Linken in Frankfurt politisch engagiert, steht in Frankfurt 120.000 Haushalten eine Sozialwohnung zu – allein es gibt immer weniger davon, weil es für viele Häuser der  Wohnungsbaugesellschaften ABG, GWH und NH längst keine Sozialbindung mehr gäbe und zu wenig neue Sozialwohnungen hinzu kämen. Seine Forderung angesichts der Untätigkeit der Wohnungsbau-Gesellschaften: Mieten runter auf fünf Euro!

Aus Sicht von Politökonom Hans See, sollte die Politik den vorhandenen Wohnraum nach sozialer Bedürftigkeit umverteilen. Außerdem sollte sie darüber nachdenken, angesichts des knappen Boden-Angebots den Bestand im Frankfurter Umland stärker wachsen zu lassen. Das würde aber die direkte Situation in Frankfurt nicht tangieren. Er glaubt, dass das Wohnraumangebot bewusst vom Staat knapp gehalten werde, um für stabile Immobilienpreise zu sorgen. „Die Leute müssen sich zusammenschließen und dagegen wehren, sonst wird sich nichts ändern!“

Die ehemalige Bankerin Brunhilde Fahr – bekannt für ihren Pragmatismus und von Politik und Behörden für ihre Hartnäckigkeit gefürchtet – will nicht locker lassen, bis ihre Forderungen umgesetzt werden. Fürs Erste kämpft sie dafür, dass in ihrer Heimatstadt Maintal wie bereits in vielen anderen Städten in Hessen die Mietsteigerungen per Erlass auf 15 Prozent in drei Jahren begrenzt werden. „Das würde die Not wenigstens etwas lindern“, sagt sie, auch wenn dies nur ein Anfang wäre.

Die nächste Veranstaltung hat Fahr bereits in ihrem Kopf – mindestens zwei pro Jahr stellt sie in Frankfurt und im Umland auf die Beine. Studenten glänzten am Donnerstag bei den sommerlichen Temperaturen mit Abwesenheit, obwohl es diese genau wie die vielen anwesenden Rentner sowie Familien mit kleinem Einkommen betrifft. „26 Prozent der Leute hier leben allein“, weiß sie. Sie will deshalb die Wohnungsbau-Gesellschaften zwingen, ihren Gemeinwohl-Auftrag zu erfüllen. „Die Politik muss jenseits von Wahlen mehr wagen“, erlaubt sie sich einen Seitenhieb auf Frankfurts Oberbürgermeister.

Gegen ihre eigene Mieterhöhung setzt sich Brunhilde Fahr zur Wehr. „Angst zu haben, ist ein Fehler, glaubt sie. Wer sich klein mache, bleibe klein.


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