Frankfurter Gemeine Zeitung

Ach ja, Philosophikum – Versuch einer anderen Hommage

Das zivilgesellschaftliche Wohnprojekt “Philosophikum” in Frankfurt-Bockenheim steht unter starken Druck der Stadt. Um es zu retten, sind neue Ideen gefragt. Ein Kommentar

Es sind zwei ineinander verwobene Stränge, die für die Notwendigkeit der Realisierung eines solchen Projekts sprechen, wie es das Philosophikum darstellt.

Da ist zunächst (I) die Frage nach offenen Orten in dieser Stadt und die Zurichtung des „Kulturcampus“ – was schon eine Unterstellung aus ungeheurer Arroganz ist, denn es suggeriert, dass vorher dort nichts >Kulturelles< geschah – und dann eben (II) die Auswirkungen auf Auseinandersetzungen um Vertreibung, der Gestaltung von Lebensmöglichkeiten in dieser Stadt, hier vor allem auf die aktuellen Entmietungsvorgänge und die davon Betroffenen.

Gerade Letztere haben die Umsetzung von Alternativen zum herrschenden Marktliberalismus bitter nötig, um über die – nahezu aussichtslosen – Kämpfe zur Erhaltung des Status Quo hinaus zu gelangen und Perspektiven außerhalb des Marktes entwickeln und praktizieren zu können.

Ja, es ist sinnvoll, dass wer immer dies vermag, eine Einlage bringt, um das Projekt zu realisieren.

Es stellen sich nur einige Anschlussfragen:

Warum nicht die vollmundige Unterstützung eines Ardi Goldmann in eine feste Kreditzusage übersetzen?

Warum nicht jenen Teil der GRÜNEN, der doch immer Unterstützung versprochen hat, in Kredite ummünzen?

Und warum steht da, das Geld würde zurückgezahlt, wenn dieses Projekt nicht zustande käme?

Ist die ganze Konstruktion nur auf dieses Projekt Philosophikum abgestellt und warum wird als „Geschäftszweck“ nicht die Förderung von Initiativen gleicher Art formuliert.
Die Einrichtung eines Solidarfonds für alternative Projekte muss nicht notwendig daran gebunden sein, dass es nur um das Philosophikum geht und wenn das an dieser Stelle richtig wieder gegeben wird, geht es auch beim Häusersyndikat nicht darum, gleichwohl es immer um konkrete Projekte geht. Wäre doch immerhin eine Möglichkeit zu zeigen, in welche Zusammenhänge das Projekt Philosophikum eingebettet ist.

Also nochmals: es gibt da einige, die sowohl über die Ressourcen verfügen als auch eine Verhandlungsmacht darstellen, die eine Realisierung Philosophikum ermöglichen, zum anderen: was heisst die Verkürzung im Gesellschaftszweck?
Wenn jetzt versucht wird, die Bedeutung des Projektes für alternative Lösungen der Probleme in der Stadt was Wohnen anbelangt, darzustellen, wenn es darum geht, Voraussetzungen für ein Unterlaufen von Marktmechanismen zu schaffen, dann will sich diese Beschränkung nicht erschliessen.

Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen mit einem Herrn Junker sollte das diskutiert werden, damit eine Erweiterung der Basis für solche Ansätze überhaupt im Bereich des Möglichen liegt, um überhaupt so etwas wie eine Verhandlungsmacht aufzubauen.

Hierfür ist eine breit angelegte Veranstaltungsreihe nötig, weil sie sich um die Praxis von Alternativen kümmert.
Junker und Konsorten werden Einwände finden – zumeist formaler Art – und denen kann nur entgegnet werden, indem man über das ursprünglich formulierte Vorhaben hinaus geht,

Deswegen schon: jede Einlage ist eine gute Angelegenheit.


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