Frankfurter Gemeine Zeitung

OFFENER BRIEF – STELLUNGNAHME DER PROJEKTGRUPPE PHILOSOPHICUM zum angekündigten Verkauf des Philosophicums an einen privaten Investor

In der FAZ war am 30. Juli zu lesen, dass die ABG bereits mehrere Investoren gefunden hat, die beabsichtigen das Philosophicum zu kaufen. Für 8,5 Millionen soll das Gebäude an einen privaten Investor verkauft werden und das schnellstmöglich. Laut FAZ soll bereits im September der Kaufvertrag unterschrieben werden. Warum die ABG es so eilig hat, das Gebäude zu verkaufen, bleibt unklar. Der Bebauungsplan für den sogenannten „Kulturcampus“ existiert noch nicht, das Stellen eines Bauantrags ist zur Zeit nicht möglich.

Die Entscheidung über den Verkauf muss letztendlich von der Politik getroffen werden. Sowohl Oberbürgermeister als auch die regierende Koalition machen durch ihre Haltung deutlich, dass das Thema bezahlbarer Wohnraum außerhalb von Wahlkampfzeiten nicht auf ihrer Agenda steht. Die Entscheidung für den Verkauf des öffentlichen Gebäudes an den meistbietenden Privatinvestor würde bedeuten:

- dass die Entwicklung öffentlicher Grundstücke letztlich ohne jegliche demokratische Beteiligung der Frankfurter Bürger_innen bleibt – auch dort wo zunächst Foren zur Bürger_innenbeteiligung eingerichtet wurden.

- dass weiterhin nur teure Eigentums- und Mietwohnungen statt Sozialwohnungen und bezahlbarer Wohnraum in den Innenstadtlagen politisch unterstützt werden und somit mehr und mehr Menschen sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können und verdrängt werden.

- dass Betongold gegen städtische Vielfalt, Sterilität gegen soziale Mischung gesetzt wird.

Eine Alternative hierzu ist vorhanden. Sie besteht in dem Hausprojekt Philosophicum, und sie besteht in den anderen Wohnprojekten, die sich auf dem Campus beworben haben und von denen ein Großteil abgelehnt wurde.

Der Vorwurf an die Projektgruppe, in 2 ½ Monaten keine 5 Millionen eingesammelt zu haben, scheint vorgeschoben, denn selbstverständlich ist ein soziales Wohnprojekt keine Immobilienfirma. Im Gegenteil, wir wollen das Haus dem Immobilienmarkt entziehen, entprivatisieren und in Gemeineigentum verwandeln. Dass wir nicht über den gleichen Kapitalfluss wie ein großer Privatinvestor verfügen, ist keineswegs eine unvorhersehbare Überraschung, sondern die engen Rahmenbedingungen und kurzen Fristen verdeutlichen, dass das Projekt politisch nicht gewollt war. Die ABG hatte 2013, 65 Millionen Euro Gewinn gemacht, mit steigender Tendenz. Wieso eine derart kurze Frist notwendig war, bleibt vor diesem Hintergrund vollkommen unverständlich. Bei Themen, die nicht Wohnen aber mehr Prestige bedeuten erleben wir gleichzeitig mit Staunen, wie unterschiedlich hier die Maßstäbe sind: Der DFB soll ein Drittel des 45 Hektor großen Rennareals von der Stadt auf Erbpacht über 99 Jahre erhalten – offenbar zu einem symbolischen Betrag! Und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sprach in der „Bild“-Zeitung von einem “beeindruckenden Angebot” der Stadt, das man „in dieser Form“ nie erwartet hätte.

Unsere Vision, Wohnraum anhand der Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen zu schaffen, ohne Profitinteresse, wäre ein Stachel in der Finanzmetropole Frankfurt, vor allem in der innenstadtnahen Lage des Philosophicums. Nur so können wir uns erklären, mit welcher Vehemenz dies in der letzten Phase doch noch zu verhindern versucht wird.

Wir haben in den letzten Jahren viel für eine andere Stadt gekämpft. Wir haben mit anderen Bürger_innen der Stadt erreicht, dass das Philosophicum erhalten wird, dass das Studierenden Haus nicht abgerissen wird und dass auf dem Campus zahlreiche Wohnprojekte entstehen können. Wir fordern, dass diese Projekte im Sinne der Bürger_innen durchgeführt werden können und angemessene Bedingungen bekommen: wie zum Beispiel mehr Zeit, niedrigere Erschließungskosten und kein Ausschluss von Wohnprojekten, wie exemplarisch des Fördervereins Roma e. V.

Es ist ein großer Irrtum von Stadt und ABG das Ende des Philosophicum Projektes zu verkünden. Das Projekt steht für eine andere Stadtentwicklung. Angesichts der derzeitigen Situation, die wir in jedem Stadtteil vorfinden – etwa die Vertreibung von Mietern durch zu hohe Mieten, unzureichende Unterkünfte für refugees etc. – ist dies nur eine weitere Problemverlagerung der Stadt und das Eintreten für Alternativen von uns Allen noch lange nicht zu Ende.

Viele Menschen unterstützen richtungsweisende soziale Projekte, wie das Philosophicum, von denen Frankfurt eindeutig zu wenig hat. Viele Bürger wollen diese Chance nutzen. Will die Stadt ein solches Projekt wirklich ohne Not platzen lassen lassen?

Informationen zum Hausprojekt gibt es im Stadtteilbüro Bockenheim

Leipziger Str. 91, Dienstags bis Freitags von 15 bis 19 Uhr, Samstags von 11 bis 16 Uhr.

Freitags findet zudem eine spezielle Beratung zum Thema Direktkredite statt.

Telefon Stadtteilbüro: 069 719 149 44 & Philosophicum Direkt: 069 / 707 60 211 (Anette Mönich,

Axel Klaudius, Steffen Bennewitz) per mail: post@philosophicum.org


Film zur globalen Enteignung von Trinkwasser: “Bottled Life”

Dokumentarfilm in Arte am Dienstag, 5. August 20.15

Aus der Ankündigung (Arte):

Während die Weltbevölkerung rasant wächst, wird sauberes Wasser immer mehr zur Mangelware. “Bottled Life” dokumentiert das boomende Geschäft mit dem Trinkwasser in der Flasche und fokussiert dabei ganz auf den Leader der Branche: den Schweizer Nestlé-Konzern.

“Bottled Life” wirft ein Schlaglicht auf Nestlés Expansionsstrategie im globalen Wassermarkt. Während der Konzern in den USA und in Europa vor allem Quellwasser mit Herkunftsbezeichnung verkauft, hat er für die Schwellen- und Entwicklungsländer ein anderes Konzept: Dort gibt es “Nestlé Pure Life” – gereinigtes Grundwasser, angereichert mit einem Mineralienmix nach Nestlé-Rezept. Heute ist Pure Life das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt.

Res Gehriger reist nach Pakistan, das Nestlé als Testmarkt diente. Während Nestlé ihm den Zutritt zur Pure-Life-Produktion verweigert, lehrt er die Situation der Menschen kennen, die im Dorf außerhalb des Fabrikzauns leben. Hier ist der Grundwasserspiegel rapid gefallen und das Wasser aus den Brunnen der Einheimischen zur übelriechenden Brühe verkommen.

Nestlé Pure Life ist ein cleveres Business-Modell, gerade in den Ländern des Südens. Dort, wo die öffentliche Wasserversorgung versagt, stellt Flaschenwasser eine zwar kostspielige, aber sichere Alternative dar. In Lagos zum Beispiel, der Megacity Nigerias, hat Wasser immer einen Preis. Der Film zeigt, dass die Vision einer Stadt, in der alle für Wasser zahlen müssen, hier bereits Realität geworden ist. Die Familien in den Slums von Lagos wenden die Hälfte ihres Budgets dafür auf, Wasser in Kanistern zu kaufen. Die Oberschicht trinkt Pure Life.

Eine Mini-Variante des Films ist hier zu sehen:

 

 


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