Frankfurter Gemeine Zeitung

Abgeschmiert: Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch rausgeworfen

“Brutalstmöglich”, die operettenartige Wortschöpfung des CDU-Chefs wird seit der von Roland Koch damit avisierten “Aufklärung” der CDU-Schwarzgeldmillionen vor über einem Jahrzehnt immer gerne zitiert. Nachdem die Hessen den Rechtsausleger der rechten hessischen CDU nicht loswerden konnten oder wollten, hat der Baukonzern Bilfinger damit viel weniger Probleme.

Natürlich kam der Abgang vom dortigen Posten als Vorstandschef nicht brutalstmöglich, sondern wie im dezenten Milieu der Firmenlenker üblich. Brutalstmöglich sind Abgänge in den Etagen ganz oben fast nie, solches wird im Kapitalismnus eher den unteren vobehalten: Koch verkündete seinen Rückzug vom Posten nämlich selbst. Über seine Konditionen können wir nur spekulieren.

Um seine berufliche Zukunft gibt es auch schon die ersten Spekulationen. Der Ziehvater des gegenwärtigen hessischen Ministerpräsidenten Bouffier, Chef der aktuellen schwarz-grünen Koalition in Wiesbaden wird vermutlich nicht in die Arbeitslosigkeit fallen. Die Familie Koch aus Eschborn verstand es schon seit langem, die Felder Hessens neu zu kultivieren. Aus dem idyllischen Dorf Eschborn wurde ein Finanzplatz, und aus dem dunklen Partykeller der Familie kam die politische Elite des Landes, Söhnchen Roland ebenso wie Nachfolger Bouffier.

Im Frankfurter Römer wird bereits um Kochs Zukunft  (Koch: “Unser System ist ein hartes Auslesesystem”) gescherzt: er könne vielleicht als Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters gelten. Damit würde die zunehmend schwarze Partei “die Grünen”, die in Stadt und Land als Juniorpartnerin der CDU funktioniert, vielleicht wieder etwas eigenes Profil gewinnen, heißt es – nach Art “Opposition in Regierungsbeteiligung”, wie es die CSU schon seit Jahren in Berlin praktiziert.

Es könnte allerdings sein, dass die Grünen den Rechtsausleger Koch ähnlich wie den Frankfurter Ex-OB-Kandidaten Boris Rhein hofieren, der ebenfalls dem rechten Parteiflügel zugehörig ist, um noch etwas mehr im konservativen Territorium zu fischen. Brutalstmöglich eben, wie der Ex-Ministerpräsident.


7 Kommentare zu “Abgeschmiert: Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch rausgeworfen”

  1. Mrs. Mop

    OT: Wohin ist der Beitrag von Abraham Melzer entschwunden, der auf dieser Website heute früh noch zu lesen war? Oder hab ich den nur halluziniert?

  2. Florian K.

    Der Artikel war ein Artikel aus einer externen Quelle, der einige Aussagen enthielt, mit denen sich die Autoren der FGZ nicht identifizieren können.

    Wir haben uns daher entschlossen, den Artikel nicht weiter zu verbreiten.

  3. Mrs. Mop

    Okay, Eure Entscheidung. Aber wieso kommuniziert Ihr nicht die Gründe für diese Entscheidung, statt den Beitrag kommentarlos in der Versenkung verschwunden zu lassen? Befremdlich, irgendwie.

  4. Florian K.

    Ich denke, wir müssen nicht alle unsere internen Diskussionen nach außen kommunizieren.
    Aus meiner Sicht ist die Erwartungshaltung, dass solche Diskussionen stets öffentlich geführt werden müssten, ein prinzipielles Missverständnis über das Wesen digitaler Kommunikation.

    Im Gegensatz zu Büchern haben Informationen im Internet eine wesentlich kürzere Lebenszeit und vor allem auch keine faktisch oder moralisch begründete Bestandsgarantie.

    Sich dem Zwang (oder moralischem Druck) unterzuordnen die Löschentscheidung bezüglich eines Artikels auf der eigenen Homepage stets begründen zu müssen, wäre aus meiner Sicht eine Anpassung an die Diktate der Transparenzgesellschaft, die ich sowie viele andere Autoren hier sehr kritisch sehen.

    Ich empfehle hierzu folgendes Buch: Byung-Chul Han “Transparenzgesellschaft”. Übrigens ein weitaus interessanteres Thema als dieser Melzer-Artikel…

    Wenn Du den Artikel gelesen hast, dürfte allerdings ohnehin recht klar sein, welche Stellen als problematisch empfunden wurden.

  5. Mrs. Mop

    Schon gut. War ja nur die völlig unmaßgebliche Anfrage einer Leserin, die morgens einen Artikel gelesen und abends das Bedürfnis verspürt hatte, darauf zu reagieren und sich stattdessen jetzt genötigt fühlt, sich mit dem „Diktat der Transparenzgesellschaft“ auseinanderzusetzen und darüber, mit Verlaub, grade ein wenig die Augen rollt.

  6. gaukler

    Ja der Han, der ist IN momentan.
    Seine Transparenzgesellschaft weist zwar unreflektierte Transparenz zurück, er ist aber auch auf die Idee gekommen, dass kurze Lebenszeit und extrem flüchtiger Bestand ein mindestens ebenso großes Problem der allseitigen Web-Ökonomie ist.
    Daher hilft Han in diesem Fall nicht nachhaltig….
    Lesen kann man es trotzdem.

  7. Florian K.

    Hast mich durchschaut.

    Wollte eigentlich nur die Diskussion auf ein besseres Thema als diesen unseligen Melzer-Artikel lenken und dabei noch etwas Schleichwerbung für ein gutes Buch machen.^^

    Wobei ich die Forderung danach, die Löschgründe für diesen Artikel transparent zu machen, tatsächlich für Ausdruck einer Mentalität halte, die durch die (wie ich meine trügerischen) Hoffnungen an die digitale Transparenzgesellschaft zumindest mitbedingt ist.

    In manchen Situationen offen intransparent zu handeln, kann im digitalen Kontext durchaus eine Form von rebellischem Akt sein.

    Tatsächlich ist digitale Information oft auch nur scheinbar flüchtig. Digital verbreitete Zuschreibungen und Urteile sind meist kaum zurückzuholen, selbst wenn man so weit gehen würde, die großen Suchmaschinenbetreiber und das halbe Internet auf Löschung zu verklagen. (War Bettina Wulff eigentlich früher mal ein Escortmädchen?^^)
    Eigentlich müsste der Artikel zumindest im Google Cache ohnehin noch vorhanden sein und wer ihn sich abgespeichert hat oder ihn weiterverbreitet, ist nachdem er einmal online stand, ohnehin nicht mehr zu kontrollieren.
    Umso bedeutender erscheint die Selbstbestimmung über die eigenen digitalen Informationen und damit auch die Möglichkeit eigenes Material kommentarlos und dauerhaft löschen zu können.

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.