Frankfurter Gemeine Zeitung

Neuigkeiten aus der Welt der Zuhälterei . . .

Vor dem Eingang des Jobcenters Ost in
Frankfurt/M. (Foto: Bernhard Schülke 2013)

»Neuigkeiten aus der Welt der Zuhälterei . . .« heißt der Untertitel von Mirko Düsterdiecks Artikel »Der Schwindel mit „offenen“ Stellen« auf scharf-links.de, dessen Aussagen ich Ihnen hier sehr gerne wegen seiner gleichbleibenden Aktualität schildern und ein klein wenig kommentieren möchte:

Vielfach wundert man sich sich über die vielen Stellenangebote bei gleichzeitig hoher Arbeitslosenzahl. Irgend etwas ist da faul, mag sich der bislang uninformierte, naive und staatsgläubige Leser hier irritiert wundern: Mirko bestätigt in seinem Text einmal mehr, wie es um die Glaubwürdigkeit der regulären monatlich von der Bundesagentur für Arbeit publizierten offenen-Stellen-Statistik bestellt ist.

Nach seinen Recherchen in Kassel wären ca. 40% der Stellenangebote als Scheinstellen anzusehen. Das heißt, rund 50% der in Kassel veröffentlichten freien Stellen sind Luftnummern, heiße Luft. Ihm ist zuzustimmen, dass wir davon ausgehen müssen, dass diese Zahl grob gerechnet bundesweit Bestand hat und somit auch das Märchen vom Fachkräftemangel als widerlegt gilt. Wen wundert es, dass Düsterdieck weiter ausführt, dass die Niederlassung der Bundesagentur in Kassel überhaupt nicht Stellung bezog?

Mir sind Bewerbungen von frisch erwerbslos Gewordenen aus dem Rhein-Main-Gebiet persönlich bekannt, die im Vorstellungsgespräch erfahren hatten, dass die Stellen, auf die sie sich zuvor bewarben, einfach nicht existieren wollten. Wen wundert das noch?

Insgesamt stützt das alles meine These, dass bundesweit im Schnitt mehr als zehn Bewerber auf eine freie Stelle kommen, wie ich es bereits skizziert hatte.

Als Erklärung für das Phänomen vorgetäuschter Stellen führte Düsterdieck folgende Argumentation:

Das Kapital von Leihfirmen ist nämlich zunächst mal das Sammeln von personenbezogenen Daten. Je größer der Pool der Berufsbiographien ist, desto größer ist die Chance der Leihfirmen, jemanden zu einem Unternehmen zu verleihen. Um aber an genügend Bewerber zu kommen, schalten Leihfirmen bei den örtlichen Jobcentern Stellenangebote.

Diese Stellenangebote sind aber oftmals nicht da, oder sie überschneiden sich mit den selben Angeboten von konkurrierenden Leihfirmen.

Laut Düsterdieck kontrollieren die örtlichen Arbeitsämter – kleine Anmerkung meinerseits: und wohl auch Jobcenter – in der Regel die Verbindlichkeit dieser Stellen nicht und setzen stattdessen gutgläubig auf die Kooperation mit den Leihfirmen. Generell kommt den Arbeitsämtern ein solcher Schwindel bzw. Betrug durchaus gelegen, da sich damit hervorragend die Statistik der offenen Stellen fälschen lässt, so Düsterdieck sinngemäß zusammenfassend.

Blöd nur, dass über solche Schwindelangebote Druck auf Bewerber ausgeübt wird – bis hin zur Sanktion. Die Sanktionen ersparen Ausgaben und die Bundesagentur-Arbeitsmarktstatistiken werden schön aufgehübscht – Was wollen Angela Merkel und Andrea Nahles mehr? Jetzt wissen Sie, was Sie von Artikeln wie »Zahl offener Stellen so hoch wie nie« (unglaubwürdiger Artikel in der Zeit) zu halten haben.

Bitte lesen Sie zum gleichen Thema: »Aus der Reihe Deppen wie wir – Heute: Ottilie Normalverbraucher wird Fachkräftemangel eingeredet«.

- Crosspost -


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