Frankfurter Gemeine Zeitung

Der 6. Zaun-Spaziergang an der EZB

Wie jeden letzten Sonntag im Monat, fand auch diesmal wieder ein Spaziergang am Zaun der EZB und zum Danziger Platz statt.

Es ging – nach einer Rad-Tour vom alten Standort am Willy-Brandt-Platz zum neuen – vor allem um die Auswirkungen dieses neuen Finanz-Zentrums in der Stadt auf die umliegenden Quartiere.

 

Vorab: die neue EZB ist jeder Hinsicht „exterritoriales“ Gelände mit Sicherheits-Einrichtungen, wie sie von US-Amerikanischen Botschaften und General-Konsulaten hinlänglich bekannt sind, ausgelegt für einen mittleren Bürgerkrieg und auf die Ewigkeit, einfach beeindruckend.

 

Die EZB ist längst im Alltag des Viertels angekommen.

Erkennbar ist dies an den Baustellen, so am Ernst-Achilles-Platz, in den verschiedenen Seitenstrassen der Sonnemannstrasse mit ihren Werbetafeln für gehobenem Wohnraum, aber auch an den Planungen, die das gesamte anschliessende Areal des Honsell-Dreiecks und bis hinter die Bahnlinie umfassen, auf dem wiederum gehobener Wohnraum entstehen soll. Dass hier kein Platz für preiswerten oder sozial gebundenen Wohnraum ist, dürfte hinreichend klar sein.

Die vielen leerstehenden Geschäftsräume für Einzelhandel weisen daraufhin, dass hier geartet wird, um die zu erwartenden höheren mieten realisieren zu können. Enige Häuser aus Nachkriegs-Bestand stehen leer, andere sind mit kurzfristigen Mietverträgen belegt und können jederzeit entmietet werden. Das Medienzentrum konnte eine 35%-ige Erhöhung nur dadurch abwenden, dass man eine Vereinbarung, die den kompletten Auszug 2016 vorsieht, abschloss.

Was nicht sichtbar ist, sind die vielen Kündigungen in Erwartung von Umwandlung, Luxus-Sanierung, Modernisierung oder schlicht Abriss und verdichtetem gehobenen Neubau. Zukunft, greifbar, kann entlang des Mains besichtigt werden und lässt wenig Gutes erahnen. Mieten über 20 Euro pro qm kalt, sind keine Seltenheit und die Wohnungsgesellschaften nutzen jede Möglichkeit, ihre Siedlungen dort aufzuwerten, was in erster Linie über Mieterhöhungen, die in schöner Regelmäßigkeit gefordert werden, geschieht.

Entlang der Ferdinand-Happ-Str. werden die noch vorhandenen Lücken zunehmend geschlossen, mit Zelt-Palästen und Pendler-Knästen (Microliving genannt mit winzigen Appartments, 18 qm für 440 Euro und mehr).

Die Veränderung des Milieus

Die Entwicklung im Ostend zeigt auf, dass der Anteil der Gutverdienenden stetig steigt und sie die grösste Gruppe der Bevölkerung stellen. Mit Fertigstellung der neuen Projekte sie wohl zur dominierenden Gruppe auch hier werden. Das ist bereits an den vielen neuen Geschäften und Gaststätten bemerkbar. Damit ist der Kreis um die Innenstadt geschlossen.

Die Verbindung zur EZB ist augenfällig und es wurde auch betont, dass am „Symbol“ (was ja stets sehr Alltags-praktische Auswirkungen anzeigt) EZB der Brückenschlag zu der Situation in anderen Metropolen festmachen lässt, die von der gleichen Politik und der Umverteilung von unten nach oben betroffen sind.

Die Proteste haben als Zielort diese Frankfurter Sonderzone, sie sind aber nicht auf die EZB zu verkürzen, denn dieses Regime bestimmt längst unseren Alltag, egal, ob uns dies so bewusst ist oder bereits zu den Selbstverständlichkeiten unserer – urbanen – Existenz gehört.

So geht es nicht um einen Protest gegen Banken und Banker als die identifizierten Verursacher von Krisen, sondern um das Zusammenwirken der verschiedenen Machtebenen zu radikalen Umgestaltung unserer Leben.


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