Frankfurter Gemeine Zeitung

… auf ins letzte Gefecht?

oder Es soll dem letzten Rest klassenkämpferischer Identität an den Kragen gehen.

von Roberto De Lapuente

Leitsatz auf ad sinistram (Stand Nov. 2014)

Beim Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer geht es mittlerweile um mehr, als nur um höhere Löhne und die Festigung der eigenen Gewerkschaft. Das Schicksal des gewerkschaftlichen Grundgedankens hängt mittlerweile an diesem Streik. Es geht um nicht weniger als um die Vorstellung davon, wie sich Lohnabhängige organisieren und gegen schlechte Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen dürfen und wie nicht. Es sind aktuell ja bezeichnenderweise auch nicht die Lohnforderungen, die man der GDL vorwirft, sondern der Umstand, dass sie sich das Recht herausnimmt, selbstbestimmt für ihre Auffassung aufzutreten.

Weiterlesen »


Deutschland am Abgrund: der zweite Tag im Streik

Seit gut 24 Stunden fallen in Deutschland, einem der streikärmsten Länder weltweit Züge aus. Solch ein Streik scheint sogar noch schlimmer als das letzte Hochwasser oder eine Niederlage im WM-Endspiel.

Viele einschlägig Interessierte preisen Deutschland auch als das qualitätsjournalistischste Land. Deshalb eine kurze Sequenz von Überschriften am heutigen, an einem einzigen Tag aus einer führenden Tageszeitung – nein nicht die BILD, sondern aus der Süddeutschen Zeitung:

“Streik der GDL: Gesellschaft in Geiselhaft”

“Reisen trotz Streik”

“Warum nur rastet niemand aus”

Den Teaser zum letzten Artikel möchte ich nicht vorenthalten: “Trotz ausfallender Züge gehen deutsche Reisende mehrheitlich gelassen mit dem Streik um. Das liegt auch am Internet. Dabei schadet es gar nicht, ab und an etwas Dampf abzulassen.

Stimmt: “teert und federt sie öffentlich”, lautet die unterlegte Qualitäts-Parole in diesem freien Land mit freier Presse.

Für die zarter Beseiteten (“vernünftig”): “Irgendwann muß mal Schluß sein, und gesetzliche Gegenmaßnahmen….”


Ostdeutsche Geschichten: Spielarten Berliner Neo-Preussentums

Eine Fußnote um die “Wendehälse” zwischen Ost und West in Deutschland sei ob des aktuellen Medienhypes um Mauern erlaubt.

Die DDR hat uns manche hinterlassen, die sich prima in das neue Preußentum in Berlin einpassen. Die alten Mitläufer großer Karriere, den zeitgeistigen Militärpfarrer Gauck und die regierende Wirtschaftsphysikerin Merkel kennen wir bestens, und Resteuropa graust genug vor ihnen. Dazu kommt noch ein Ex-DDR Bänkelsänger, der sich in seiner Jugend links-gewirkt in West-Germany einen Namen als anti-preussischer Widerständler machte. Der bornierten Staatsräson im Osten stieß das auf, und sie verbannte ihn über die Mauer in den Westen.

Das ist 40 Jahre her, und wie so viele im goldenen Westen machte er den vehementen Schwenk von links nach rechts mit, der in den letzten Jahrzehnten so viele links-kulturelle Sternchen hierzulande beglückte – gerade in Frankfurt kennen wir dieses Phänomen zur Genüge. Im Gesamtdeutschen wirkt Biermann immer noch, heute eher in der Art “Empört euch” mit Lodenmantel.

Der Barde, dessen Ruf und Bekanntheit sich im wesentlichen allein auf seine müpfigen Jugendstücke gründet, begreift es heute altersbesoffen als mutig, im besten Einklang mit neu-preussischer Staatsräson und deren Schutzwall auf das bißchen Opposition einzuschlagen, das sich hier und dort noch findet.

Drachentöter nennt er sich, meint aber “Man wird doch mal sagen dürfen”, wie es seine neokonservativen Freunde im Geiste Sarrazin und Broder auszudrücken pflegen. Der Barde hat einen Ostgeist bei sich selbst bestens konserviert, der als wohlgefälliger Machtopportunismus gerade in die deutsche Geschichte seit langem einging.

Solches Gebräu passt bestens zur Attitude Gaucks, der kürzlich zur Führungsriege deutscher Großbanken dozierte, dass das große Unheil der DDR darin bestand, dass in ihren Banken nicht die Richtigen saßen – so wie hier jetzt. Derartige Statements vorauseilenden Gehorsams führten selbst beim Deutschen Bankentag zu einiger Verblüffung, und zwar ohne Liedbeigabe.

Ich verweise auf einen treffenden Kommentar zu Biermann im Bundestag in der taz: “Zentrum für politische Hässlichkeit


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.