Frankfurter Gemeine Zeitung

Filmserie zum Kapitalismus – Einstimmung auf Blockupy

Der “Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung” hat die staunende Öffentlichkeit hierzulande letzte Woche darüber informiert,  dass unsere Zukunft von ein paar bedauernswerten Frisören abhängt, respektive die unverschämte Höhe zahlbarer Mindestlöhne die High-Tech-Nation Deutschland bedroht. Die Regierung müsse also dringend bei Mindestlöhnen (und anderen “Sozialgeschenken”) die Notbremse ziehen, so verlauteten sie. Und es ist kaum zu glauben: Die Kommentare der Deutschen Qualitätspresse sehen diese Schelten weitgehend sogar als gerechtfertigte Kritik an – gar als die einzige “ausserparlamentarische Opposition”.

Diese Statements schreien nach Nachbesserung.

Einerseits ist es erstaunlich, wie vehement 5 Professoren unterstreichen, dass angemessene Verdienste im Kapitalismus offenbar nur dann möglich sind, wenn in ihm gleichzeitig eine ganze Reihe anderer Leute nicht von ihrer Arbeit leben können. Es bleiben offenbar zur Zeit nur noch Strategien übrig, bei denen der Staat nicht nur Banken rettet, sondern auch noch Löhne bezahlt für diejenigen, deren Löhne das Existenzminimum unterschreiten. Sie unterschreiten nach dieser Wirtschaftsstrategie das Existenzminimum deswegen, damit Unternehmen mehr “Stellen” schaffen für Leute, deren Löhne aber leider zu niedrig….

Und andererseits erstaunt es, dass diese als “Wirtschaftsweise” titulierten Beamten Zukunftsprognosen auf Basis von vermuteten Erwartungen anderer abgeben. Diese behaupteten Erwartungen hätten laut Wirtschaftsweisen eine entscheidende Wirkung auf künftiges Wirtschaftsgeschehen. Es betrifft zukünftige Lohnerhöhungen eben der bedauernswerten Friseure, ob deren verängstigter Erwartungshaltung Unternehmen angeblich jetzt schon weitreichende Investitionen unterlassen. Genau deswegen “kühlt” sich die Wirtschaft angeblich ab.

Solche Prognostik bieten Wirtschaftsprofessoren, die sich besonders  treu dem Glauben einer besonderen Lehre über ökonomische Dinge hingeben, und ihre Chuzpe erstaunt doch einigermaßen: Es sind nämlich ihre Glaubenssätze, die ihnen schon vor Jahren, mitten in der großen Weltwirtschaftskrise 2008/9 den Blick auf die offenbaren Tatsachen vernebelten. Sie verkündeten der gleichen Öffentlichkeit rund um die Pleite der Lehmanns Bank, dass uns alle in Europa das Geschehen kaum betrifft. Kam dann schnell ganz anders, “Weise” sind´s aber immer noch!

In Frankfurt sei anläßlich der Fertigstellung der neuen EZB im Ostend jetzt daran erinnert, dass in diesem Gebäude ähnliche Vorstellungen gewöhnlich Vorfahrt haben, beziehungsweise ihre deutschen Vertreter derartiges besonders vehement als allgemeine Sicht der Welt reklamieren.

Der Kultursender Arte ergriff die letzten Wochen die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Weiterbildung, vielleicht auch für die Mitarbeiter der EZB, andere Banker im Financial District am Main und eine oder andere aus den Tageszeitungen.

Zuweilen führt andere Aussicht auch zu Einsicht, und die FGZ möchte dadurch quer durch Milieus, Schichten und Klassen einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Arte präsentierte Sendungen zu verschiedenen wirtschaftlichen Perspektiven, wobei die gegenwärtig herrschende Diagnostik und Praktik, die vielen eine Menge Unbill bereitet, nur eine unter ihnen ist.

Die Web-Site ist unter “Der Kapitalismus” mit Videos und anderen Vergnügungen hier abzurufen.

Für direkten Zugang zu den 6 Videos (a 45 Minuten) geht es hier entlang.

Wer laufend unter Zeitdruck steht, Professional, Studi oder CEO ist, für den/die gibt es eine executive summary unter “Kapitalismus zum Mitnehmen“: 2 Minuten Zeit nehmen, und eine animierte Strichzeichnung bringt schon etwas mehr Durchblick!

Das Kurz-Video zu Karl Polanys Perspektive, auf den die ganze Serie zuläuft, können ganz Eilige direkt hier ansehen:


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