Frankfurter Gemeine Zeitung

Umland: Geflüchtete im Hochtaunuskreis protestieren gegen ihre Isolation

„Wir sind hier nicht frei!“ – Ein offener Brief
Protestkundgebung vor dem Landratsamt Bad Homburg, Montag, 24.11.2014, 10 Uhr

Das Leben in der Asylunterkunft in Mauloff, einem abgelegenen Ortsteil der Gemeinde Weilrod im Hochtaunuskreis, stellt sich für die dort untergebrachten Geflüchteten als deprimierend und aussichtlos dar. Sie müssen in weitgehender Abgeschiedenheit von der Außenwelt ihr Leben fristen, ihre Probleme sind zahlreich. Sie finden hier nicht die Möglichkeit, sich ein neues Leben aufzubauen, sondern nur das, was sie selbst als „Gefängnis“ bezeichnen. Sie empfinden ihre Lebenssituation als unerträglich und wünschen sich einen anderen Wohnort.

Ihre Probleme und Wünsche haben sie nun in einem Offenem Brief (s.u.) niedergeschrieben, den sie am Montag den 24.11.2014 im Rahmen einer Kundgebung der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen vorstellen möchten.

Bereits vor einigen Wochen forderten die Geflüchteten die zuständigen Personen im Landratsamt Bad Homburg auf, mit ihnen zu sprechen. Diesen fiel jedoch nichts Besseres ein, als die Protestierenden von der Polizei abtransportieren zu lassen. Die Geflüchteten in Mauloff lassen sich davon nicht einschüchtern und fordern, dass die Verantwortlichen ihnen endlich Rede und Antwort stehen. Sie sagen: „Kleine Verbesserungen helfen uns nicht, wir wollen weg aus Mauloff!“ Sie fordern ein selbstbestimmtes Leben in Würde ohne permanente Abhängigkeit und das Ende der Unterbringung in Isolation.

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Offener Brief der Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft für Asylsuchende im Kirchweg 1, Mauloff

Wir sind vor Kriegen und anderen Problemen geflohen, um in ein Land der Demokratie zu kommen. Jetzt sind wir in Mauloff angekommen und müssen hier wohnen. Wir haben Menschenrechte gesucht, aber finden sie hier nicht. Das Leben hier ist für uns fast wie im Krieg. In Mauloff leben wir abgeschnitten von der Außenwelt. Hier gibt es kein Internet, kaum Mobilfunknetz, keine Ärztinnen und Ärzte, keine Apotheke, keinen Supermarkt, kaum Busse in andere Orte oder Städte. Was sollen wir machen, wenn wir oder unsere Kinder krank werden? Es gibt einen Bus dreimal am Tag, in den Ferien fährt er gar nicht. Wenn wir nach Usingen oder Bad Homburg ins Krankenhaus fahren wollen, ist das sehr teuer. Und wenn wir einen Bus verpassen, kommen wir nicht mehr zurück.

Wenn wir einkaufen wollen, müssen wir drei Kilometer zu Fuß laufen und unsere Einkäufe zurücktragen. Wie sollen wir das machen, wenn jetzt der Winter mit Schnee und Kälte kommt? Wir würden gerne Deutsch lernen. Aber hier gibt es keinen Deutschkurs und auch keine Freundinnen und Freunde, mit denen wir Deutsch sprechen könnten. Hier in Mauloff gibt es nichts zu tun für uns, wir sitzen den ganzen Tag nur in unseren Zimmern.

Wir würden gerne arbeiten. Aber für diejenigen, die eine Arbeitserlaubnis haben, ist der Weg dahin, wo es Arbeit gibt, zu weit. Mit den Bussen kommen wir da nicht hin, das funktioniert nicht.  In unserer Unterkunft gibt es viele kaputte Dinge. Wir wissen nicht, wer sich darum kümmert. Im Haus gibt es keinen Gemeinschaftsraum, in dem wir zusammen sitzen können.

Die Ehrenamtlichen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wollen uns helfen, aber sie verstehen unsere Situation nicht. Wir sehen die Verantwortlichen für unsere Situation nicht. Die Verantwortlichen respektieren unsere Wünsche nicht, wir fühlen uns von ihnen nicht ernst genommen. Als wir uns das letzte Mal direkt bei den Verantwortlichen in Bad Homburg beschwert haben, haben sie uns nur gedroht und die Polizei gerufen, die sogar eine Person von uns in Handschellen gelegt hat.

Was ist der Unterschied zwischen uns und Menschen, die im Gefängnis sitzen? Wir müssen immer jemanden anrufen, wenn wir irgendetwas brauchen. Wir sind dauerhaft abhängig. Es gibt keinen Unterschied zwischen uns und Gefangenen: Wir sind hier nicht frei. Es ist wie eine Strafe, hier zu sein. Das ist kein Leben.

Kleine Verbesserungen helfen uns nicht, wir wollen nur aus Mauloff weg! Selbst Usingen ist besser. Da gibt es Schulen, Busse, Züge, Ärztinnen und Ärzte – da können wir uns ein Leben aufbauen.

Wir haben unsere Familien zurückgelassen, um etwas Besseres zu finden. Wir wollen, dass unsere Kinder leben können. Deswegen wollen wir weg aus Mauloff.

– Die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Kirchweg 1, Mauloff


6 Kommentare zu “Umland: Geflüchtete im Hochtaunuskreis protestieren gegen ihre Isolation”

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