Frankfurter Gemeine Zeitung

Sehr viele Hartz-IV-Leistungsbezieher auch diesen Nikolaus ohne elektrischen Strom

REWE-Flaschenautomat (eigenes Archivfoto 2014)

Vorbemerkung: Wir scheinen uns an alles zu gewöhnen. Die Jugend ist mit Hartz IV aufgewachsen. Fußballfans in Frankfurt wissen nicht, wo das Waldstadion ist. Massenarbeitslosigkeit gibt es nicht, auch bei rund 5.000.000 Erwerbslosen in Gesamtdeutschland. Das ist vieles einfach wurscht – außer man ist selbst unmittelbar betroffen: Wenn das eigene Hemd, soweit reicht der persönliche Konsumistenhorizont gerade noch, einem vom Leib gerissen wird.

Vielleicht ist die nachfolgende Zahl Grund genug, anzufangen nachzudenken, dass hierzulande etwas grundlegend nicht stimmt (Quelle: HartzIV.org):

Können die Stromkosten nicht mehr beglichen werden, sind Energieversorger berechtigt, die Lieferung abzustellen, mit der gravierenden Folge, dass Betroffene kein Licht mehr haben, kein warmes Wasser mehr fließt, der Kühlschrank nicht funktioniert und die Wäsche nicht mehr gewaschen werden kann. Im Winter bleibt sogar die Wohnung kalt. Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) wurden im vergangenen Jahr bei 344.798 Stromkunden der Strom zeitweise gesperrt.

Wir dürfen in Deutschland davon ausgehen, dass der Trend steigender Stromsperren sich 2014 weiter fortgesetzt hat und weiter fortsetzt. Wir dürfen dann – grob geschätzt – zum Nikolaus am 6. Dezember 2014 mit 350.000 Haushalten ohne Strom rechnen. Die Menschen, die dieses Jahr den Nikolaustag und das Weihnachtsfest ohne Strom, das heißt ohne Licht, Kühlschrank, Fernsehen, usw… verbringen müssen, sind weitaus mehr. Gehören zu einem Haushalt gewöhnlich Kinder und Lebenspartner. Kinder quasi von klein auf an eine solche Armut zu gewöhnen, ist eine Schande!

Wenn Sie Weihnachten mit elektrischem Licht und funktionierendem Kühlschrank verbringen dürfen, sollten Sie in sich gehen und fragen, was ihr solidarischer Beitrag war, um die Mißstände zu ändern. Und erzählen Sie hier bloß nicht, Sie hätten einer Tafel gespendet. Das wäre nur noch peinlich!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schon einmal vorab ein frohes Weihnachtsfest.

PS: Angesichts dieser Zahlen ist es mir als echter Patriot (meinetwegen auch echter frankfurter Lokalpatriot) persönlich vollkommen egal, ob die aktuelle Unterschriftensammlung pro-Pferderennbahn in Frankfurt irgendetwas erreicht. Weder dem DFB noch den pro-Pferderennbahnlern gönne ich, dass sie ihre Ziele erreichen.

- Crosspost -


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