Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Eroberung der Städte – Gates, Villages und Districts

Seit Jahren wird in Feuilletons und Fachbüchern immer öfters von einer „Renaissance der Städte“ gesprochen. Sie sei für viele urbane Neuordnungen verantwortlich, die insbesondere in Großstädten mit mehr als fünfhunderttausend Einwohnern gegenwärtig wirken.
Anders als es der Begriff „Renaissance“ vielleicht nahe legt, geht es in der neuen urbanen Renaissance weniger um Vielfalt der Menschen, Ideen und Künste, sondern um die Umkehr einer jahrzentelangen Flucht in die Vorstädte.

Die Anlage von „Speckgürteln“ oder Suburbs rund um westliche Großstädte nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Fahrt auf, denn damals bildete sich eine vermögende Mittelklasse. Raus aus der engen, vermieften Stadt ins „schöne Grüne“ war die Parole. Eigenes Häuschen, viel Platz mit Vorgarten, Ruhe unter seinesgleichen führten zu Schnellstrassen ins Umland, gleichförmigen Siedlungsarealen und immer mehr versiegelter Landschaft. Mit der Fülle kam die Öde: im Stau rein und raus, mit fehlender Infrastruktur und wenig sozialer Abwechslung.
Zur Jahrhundertwende bekam diese Simulation von Lebenswelt in Vorstädtchen und ihre romantisierenden Tupfer immer mehr Risse, urbane Einbettung, Kultur und Öko spielen jetzt eine wichtige Rolle.

Ein gerade veröffentlichter Essay bringt die aktuellen Trends der urbanen Renaissance gut greifbar auf den Punkt und unterfüttert sie mit handfesten Beispielen aus Berlin, Düsseldorf und Frankfurt. Unter dem Titel „Urban Villages Zutritt nur nach Vermögenskontrolle“ konzentriert er sich auf ein Phänomen, das die gegenwärtige „Gentrifizierung“ der Städte wie kaum ein anderes scharf zeichnet. „Die früher mächtigen Stadtdezernenten, die das Aussehen der deutschen Kommunen in den Jahren des Wiederaufbaus prägten, gehören mittlerweile einer “heroischen” Vergangenheit an. In Zeiten knapper Kassen gibt die Politik zusehends wirksame Steuerungsinstrumente auf und überantwortet städtisch sensible Bereiche der privaten Immobilienindustrie.“ Klar, davon lässt sich im schwarz-grünen Frankfurt ein Liedchen singen.

Urban Village Modell

„Gentrifizierung“ heißt bekanntlich die aufwändige Umgestaltung älterer städtischer Wohngebiete und ihre Neubesiedlung durch vermögendere Gesellschaftsschichten. Derartige Restaurierung älterer Häuser wird gelegentlich flankiert durch den Bau von „Gated Communities“, bewachter und schwer zugänglicher Areale von Vermögenden in Stadtnähe. Unvermögende, nicht in dieser „Upper Middle Class“ kommunalisierte haben gewöhnlich dort nur Zutritt als Angehörige einer Dienstklasse. Das meint eine Schar von Servicekräften, die hinter den Gates das Alltagsleben der anspruchsollen Bewohner möglichst leicht machen und es vor möglichen Bedrängungen aus der Aussenwelt bewahren. Gated Communities sind allerdings Konzepte, die in Deutschland seltener vorkommen als in anderen westlichen Staaten oder den BRICS-Ländern.
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