Frankfurter Gemeine Zeitung

Aufmarsch gegen Immigranten: Bayerische Stützungsmaßnahmen

Der deutsche Süden ist sich sicher: aus ihm kommen nur Qualitätsprodukte. München bildet quasi den Zeropoint entsprechender Initiativen. Dort liebt man nicht nur den schrecklichen Pinot Grigio, sondern auch News aus der Schickeria um Uli Honess und Parolen wie “wer betrügt, der fliegt”.

Ihre ganze geistige und praktische Gewalt lieferten uns zum Jahresende noch einmal die an der Isar hausenden Experten. Vermeintliche Innovationen: Zum einen präsentierten uns administrative Experten aus der CSU-Zentrale nach der “Deutsch-Pflicht” den mutigen Beschluß, “strengere Regeln für Asylbewerber” einzuführen. Klar, es wundert kaum, dass das reiche Bayern auf diese Weise an ihren Flüchtlingsunterkünften sparen möchte, die Kriegsvertriebenen heute etwa das Niveau der ausgebombten Städte nach dem 2. Weltkrieg bieten. Es grüßt die Staatkanzlei nach Dresden.

Wo sind die Rechenkünstler?

Wo sind die abendländichen Rechenkünstler?

Zum anderen haben wir einen bekannten Experten, der staatlich bestallt einem Leuchtturm deutscher Wirtschaftexpertise vorsteht, dem Ifo-Institut, mit Hauptsitz in München und Dependance in Dresden. Das Institut kümmert sich um das Klima zwischen den beiden Städten und drum herum, mal über den öffentlich zelebrierten “Ifo-Geschäftsklima Index”, besonders jedoch um das Wirtschaftsklima in deutschen Landen, das ihr Chef Hans-Werner Sinn uns mit Hilfe aller medialen Geschütze immer wieder präsentiert.

Der Wirtschaftexperte Sinn möchte zweifelndes Publikum stets  mit neuen Enthüllungen aufrütteln. Er bietet dazu die Kraft der Wissenschaft auf, zumindest in genau der Uniform, die in Deutschland die Kommandohöhen besetzt hält. Diese Uniform der Wirtschaftexpertise wird gerne mit komplizierten Gleichungen genäht, die dem Publikum eigene Größe vorgaukeln, und den Blick auf ihre armseligen konzeptionellen Voraussetzungen und ihr Versagen verhängen.

Es zählt bei den Expertisen allein die Unterstützung eines “wirtschaftsfreundlichen Klimas”, wie es verharmlosend klingt, ob dies nun durch faule Griechen, äsende Sozialschmarotzer oder wahnwitzige Mindestlöhne gefährdet wird, mit einer Brücke zwischen Experten und neuen Spießbürgern.

Direktor Sinn meinte jedenfalls zum Jahresende, dass diejenigen gesellschaftlichen Kräfte, die sich Immigranten massiv verweigern, seinem Wirtschaftsklima freundlicher gesinnt seien als ihre Gegner. Entsprechend bot der Ifo-Chef ein paar einfache Rechnungen auf, die entsprechende Stimmungen zwischen München und Dresden massiv unterstützen: “die kosten uns nur, die Ausländer”. Oder wie es wohlklingender hieß: mit jedem Einwanderer werden angeblich haufenweise staatliche Gelder in Deutschland verschleudert.

Der Experte Hans-Werner Sinn hat jedoch Schwierigkeiten mit dem kleinen Einmaleins seiner eigenen Wirtschaftsrechnerei – denn mehr als das kleine Einmaleins war nicht hinter seiner Immigrationskostenrechnung. So übersieht er – um es handgreiflich zu machen -, dass sich für einen Partygarten nicht die Miete erhöht, wenn ein paar neue Gäste hinzukommen, besonders wenn einige andere abgesagt haben. Im Gegenteil: die neuen Gäste kaufen die überflüssigen Getränke, die durch Absagen stehen geblieben wären.

Der Spiegel weist auf die simplen Denkfehler des Professors (!) in einem kleinen Artikel hin: da ist kein bayerisches Qualitätsprodukt zu sehen. Die berühmte schwäbische Hausfrau Merkels käme mit den Rechnereien und Empfehlungen der Experten aus München keinen Monat über die Runde, sei sie nun migrantisch oder schwäbisch eingesessen.

Den Fans zwischen Dresden, Köln und Frankfurt werden derartige Korrekturen  egal sein, die abendländische Stimmungsmache nicht trüben. Dafür braucht es kein Einmaleins.


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