Frankfurter Gemeine Zeitung

In Frankfurt kein “CAMPUS FÜR ALLE” mit der ABG

Uni-Verwaltung und ABG schlagen gemeinsam zu: Grill am Campus Bockenheim zerstört

Am Sonntag, 14. Juni, kamen auf dem Campus Bockenheim Studierende, Anwohner*innen und Passant*innen zusammen, um zu grillen und sich gemeinsam den Campus als öffentlichen Raum zurück zu erobern. Die Aktion war Teil der “Eine Stadt für Alle!”-Kampagne, die sich gegen die Privatisierung des Campus Bockenheim durch die ABG richtet. Als bleibendes Symbol und Ort für zukünftige Zusammentreffen wurde ein gemauerter Grill auf dem Campus errichtet. Mit der Zerstörung dieses Grills am Montag, 15. Juni, machten Uni-Verwaltung und ABG unmissverständlich klar, dass mit ihnen kein “Campus für alle” zu machen ist.

Sarah Brechtel, Sprecherin der Gruppe kritik & praxis, erklärt, worum bei der Aktion der Kampagne “Eine Stadt für Alle!” am Sonntag ging: “Mit Errichtung eines gemauerten Grills auf dem Campus Bockenheim haben wir symbolisch einen Quadratmeter Campus für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht. Dass die Erichtung eines Grills mehr als ein symbolischer Akt sein kann, hat die große Beteiligung verschiedenster Menschen an diesem Sonntag gezeigt. Bis spät in den Abend kamen dort Menschen zusammen, die sonst nicht zusammenkommen: Studierende, Anwohner*innen, Passant*innen und Freund*nnen der Grillkultur. Wir unterhielten uns, machten Musik, spielten Fußball und knüpften neue Bekanntschaften. Kurz: Wir nutzten den Campus als einen öffentlichen Ort für alle.”

ABG vs. “Campus für Alle”
Bereits am nächsten Morgen ließ die Uni-Verwaltung den gemauerten Grill einreißen. Sarah Brechtel dazu: “Wo gestern noch ein Grill als Zentrum des Miteinanders stand, ragen heute nurnoch ein paar Überreste aus einer grauen Betonplatte, die jetzt eher an ein Grab erinnert. Damit haben die Verantwortlichen Uni und der ABG wiedermal eindrucksvoll bewiesen, dass ihnen schon der kleinste Versuch den Campus Bockenheim als offenen Raum für alle zu erhalten – und sei es nur ein einfacher Grill – ein Dorn im Auge ist. Ungeachtet allen Gelabers vom ‘Kulturcampus’ ist spätestens seit dem Scheitern des Philosophicums offensichtlich, dass die Verantwortlichen der ABG und der Stadt mit dem Campus Bockenheim nur eins im Sinne haben: Einen möglichst hohen Profit aus der Privatisierung des Geländes zu schlagen.”

DFB wichtiger als ‘Kulturcampus’?
Was es bedeutet nicht ins Standort-Konzept der Stadt Frankfurt zu passen, hat zuletzt die Philosophicums-Initiative am eigenen Leib erfahren müssen. Wo ein soziales Wohn- und Kulturzentrum entstehen sollte, baut nun ein Investor hochpreisige Mietappartments, die sich in Bockenheim kaum jemand leisten kann. “Wenn sich die ABG mit ihrem Vorhaben den Campus zu privatisieren durchsetzen sollte, droht den Anwohner*innen nicht nur der Verlust ihres wichtigsten öffentlichen Raums, sondern eine saftige Erhöhung ihrer ohnehin kaum bezahlbaren Mieten”, so Brechtel.
Brechtel weiter: “Die regierenden Parteien in Frankfurt schenken lieber dem DFB das Rennbahn-Gelände, als ihr eigenes Geschwätz von ‘Kulturcampus’ ernst zu nehmen. Soziale, politische oder kulturelle Initiativen haben in ihrem Stadt-Konzept keinen Platz. Die Interessen der Nutzer*innen und Anwohner*innen des Campus sind ihnen bestenfalls egal. Menschen sind nur von Interesse, wenn sie dazu beitragen den Reichtum des Kapital-Standorts Frankfurt zu mehren. Weil wir das nicht länger hinnehmen wollen, beteiligen wir uns an der Kampagne ‘Eine Stadt für Alle’ und setzen uns darin für einen ‘Campus für Alle’ ein.”

Der Grill war erst der Anfang
Die Zerstörung des Grills, ist allerdings nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Auseinandersetzung um die Zukunft des Campus Bockenheim, wie Sarah Brechtel erläutert: “Wir werden nicht warten, bis alles verkauft und eingezäunt ist. Gestern haben wir uns mit der Installation eines Grills einen Quadratmeter des Campus von der ABG zurückgeholt. Das war erst der Anfang. Wir werden uns weitere Stücke des Campus aneignen – mit und ohne Grills!”

Was ist die Kampagne “Eine Stadt für alle – Wem gehört die ABG?”
Zur Kampagne “Eine Stadt für alle – Wem gehört die ABG?”, haben sich über zehn soziale und politische Initiativen und Gruppen aus Frankfurt und Offenbach zusammengeschlossen. Darüber hinaus sind zahlreiche Nutzer*innen und Anwohner*innen als Einzelpersonen beteiligt. Die Kampagne setzt sich für eine Stadt für Alle ein, in der auch Menschen mit mittleren und geringen oder ohne festes Einkommen, nicht an den Rand gedrängt werden. Eine Stadt, in der das Leben und Überleben keine Privatsache ist. Eine Stadt, die Verantwortung für die Wohnraumversorgung ihrer Bewohner*innen übernimmt. Als erste Schritte zu diesem Ziel schlägt die Kampagne vor, die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG zu demokratisieren und als Instrument einzusetzen, um Wohnraum jenseits der Marktlogik bereitzustellen. Aufgabe der ABG sollte es auch sein, öffentlichen Raum und soziale Basisinitiativen stärken, statt wie im Fall des Campus Bockenheim Privatisierungen voranzutreiben.

Die Kampagne “Stadt für Alle” lädt jeden Sonntag zum offenen Café auf dem Campus Bockenheim ein.

Vom 25. bis 27. September 2015 veranstaltet die Kampagne “Alternative Projektwerkstätten” zur Planung der Zukunft des Campus Bockeheim.

Mehr unter: http://www.stadt-fuer-alle.net


Bisher keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.