Frankfurter Gemeine Zeitung

Ein Schreck für deutsche Untertanen: energisches NEIN aus Griechenland

Da haben sie sich bei uns soviel Mühe gegeben. In den Vorhersagen wurde bereits die Mehrheit des „Ja“ prognostiziert und Grüne druckten gar Werbeplakate mit „Ja“. Laut den öffentlich-rechtlichen Medien „unterstellen“ und „behaupten“ Syriza-Politiker, während ihre deutschen Gegenspieler „erklären“ und „sagen“, von den eindringlichen, einhelligen Warnungen unserer “Fachleute” gar nicht zu reden.

Da treten in Interviews die „Ja“-Sager aus den Athener Cafes auf oder der typische griechische Tolpatsch, der als Touri-Gastronom eh nichts vom Geschehen kapiert. Und immer wieder werden die „weitreichenden Zugeständnisse“ der EU betont, die zwar schwer zu erkennen sind, aber von der „radikaler Blockade“ der griechischen Regierung, besser der “griechischen Verführer” glattweg zurückgewiesen wurden. Es sind halt kleine, unvernünftige Kinder dort unten, die an die Hand genommen werden müssen – am besten von klugen Deutschen. Denn – wie es aus unseren regierungstreuen Leitmedien so nett klingt – lassen “wir” uns nicht zur Kapitulation zwingen.

Es half nichts, ganz so blöd waren sie im Südosten doch nicht, das Nein kam mit klaren 61 Prozent.

Der gewünschte Wechsel von Syriza gegen die alten Freunde, die korrupten griechischen Politiker aus Christdemokraten und Sozialdemokraten, die sich die EU-Granden und Partner-Parteien so sehr wünschten, klappt vorerst nicht.

Wie weitermachen zwischen Berlin und Brüssel? Übles ist von den EU X-Demokraten zu befürchten, im Kampf für weitere Sparmaßnahmen, das heisst für den Abbau des Sozialstaats, noch mehr Privatisierungen und die Erhöhung des Drucks auf Gewerkschaften. Ein “schwerer Weg” wird den Unbootmäßigen angedroht, an Angst wird gearbeitet.

Da haben die nun schon geschlossene Banken im Lande, und stimmen doch nicht mit Ja. Offensichtlich muß der Druck deshalb weiter erhöht werden, am besten Griechenland ganz aushungern. Damit der Virus nicht auf Portugal übergreift, einem Land, in dem die feuchten Träume der Privatisierung und die Senkung der Renten bis an die Grenze durchgezogen wurden, und der Unwillen stetig steigt. Oder nach Spanien, in dem die radikale Entdemokratisierung und ökonomischer Kahlschlag die linke Podemos nach oben trug. Gar nach Italien, an dem ein sozialdemokratischer Ministerpräsident mit Vollgas die eigene Partei nach unten fährt, indem er versucht, den Schub nach Rechts der deutschen Sozialdemokraten, den unerträglichen Gabriels und Schulzes zu imitieren.

Um eine starke Gegenbewegung in Europa zu verhindern, steht eine heftige „Politik der Abschreckung“ vor der Tür, die mit medialem Karneval für das Publikum, mit laufender Zelebrierung des Unvermeidlichen ein paar demokratische Reste zu simulieren versucht. Das deutsche Publikum scheint für solche Mechanismen prädestiniert.

Aber vermutlich nehmen immer weniger Leute in Europa diese Kriegsführung gegen Bevölkerungen hin, fraglich bleibt, wie sie reagieren.


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