Frankfurter Gemeine Zeitung

Protestcamp: Ein Dach über dem Kopf für obdachlose Geflüchtete – für eine solidarische Stadt

Vom 23. bis zum 28. Juli veranstaltet „Project Shelter“ ein Protestcamp auf dem Campus Bockenheim,

um erneut auf die Situation obdachloser Geflüchteter und Migrant*innen in Frankfurt hinzuweisen – viele Mitglieder der Gruppe müssen immer noch auf den Straßen Frankfurts leben. Unter dem Motto „A (temporary) Shelter for everyone“ soll das Camp ein offener Ort für die Bürger*innen Frankfurts sein – um sich auszutauschen und die Idee eines selbstverwalteten migrantischen Zentrums voranzutreiben.

„Geflüchtete enden in der Obdachlosigkeit, weil ihnen hier die Hilfe verweigert wird“, erklärt Matti Klieme von Project Shelter: „Wir wollen zeigen, dass es anders geht!“. Die Initiative fordert deswegen von der Stadt ein Gebäude, in der sie ein Zentrum errichten können, das für diese Migrant*innen als Anlaufstelle dient. Es soll selbstverwaltet werden und Kultur-, Beratungs- und Wohnangebote bündeln. Über 1700 Menschen haben schon am 13. Juni die Forderung nach einem selbstverwalteten Zentrum bei einer Demonstration unterstützt, über 8000 Menschen die entsprechende Petition unterschrieben. „Jetzt wollen wir mit dem Protest-Camp zeigen, dass wir das Projekt auch tatsächlich gemeinsam umsetzten können“, erklärt Aziz Ahmed.

Umfangreiches Programm: Workshops, Kunst, Konzerte, Fahrradwerkstatt u.v.m.

Alle Interessierten sind eingeladen, mitzucampen und mitzumachen: Sechs Tage lang wird zusammen gekocht, gelebt und diskutiert. Geplant ist auch ein umfangreiches Programm an Workshops beispielsweise zum europäischen Asylsystem oder zum Rechtspopulismus in Deutschland, aber auch Samba und Jonglier-Kurse. Außerdem gibt es einen Kinderspielplatz, Kunstinstallationen, eine Fahrradwerkstatt, gemeinsame Parties, Konzerte und einen „Umsonst“-Flohmarkt. (Ausführliches Programm: siehe Anhang)

Teufelskreis für obdachlose Geflüchtete: Ohne Arbeit keine Wohnung, ohne Wohnung keine Arbeit

Viele Geflüchtete und Migrant*innen kommen mit einer Aufenthaltserlaubnis aus Ländern wie Italien und Spanien nach Deutschland. Als im Zuge der Krise immer mehr Menschen entlassen wurden und gleichzeitig die Sozialsysteme gekürzt wurden, sahen sie keine andere Möglichkeit als in anderen Staaten nach Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. In Deutschland bekommen sie allerdings keinerlei Unterstützung vom Staat – innerhalb von drei Monaten müssen sie Arbeit finden, um eine Chance auf dauerhaften Aufenthalt zu erhalten. Hier beginnt der Teufelskreis: Ohne Arbeitsstelle können sie sich keine Wohnung leisten; ohne einen festen Wohnsitz dürfen sie keine Arbeitsstelle annehmen. Dies führt ohne Unterstützung zwangsläufig in die Obdachlosigkeit. v

„Wir sind keine Hilfsorganisation“

Die Gruppe Project Shelter hat sich vor etwa einem halben Jahr als aktiver Zusammenschluss von gut 50 Unterstützer*innen und Migrant*innen und Geflüchteten gegründet und versteht sich nicht als Hilfsorganisation: „Wir arbeiten gemeinsam an unseren Zielen und machen in der Praxis keine Unterschiede zwischen Menschen, welchen Status oder welche Staatsangehörigkeit sie auch immer haben mögen“, sagt Matti Klieme. Das zentrale Ziel: ein selbstverwaltetes Zentrum. Bis zur Eröffnung versucht die Gruppe, ihre Ideen so gut wie möglich ohne eigene Räumlichkeiten umzusetzen: Das Projekt organisiert alle zwei Wochen eine „Küche für alle“ im Internationalen Zentrum, wo Geflüchtete und Unterstützer*innen sich austauschen und gemeinsam kochen und essen können. Es wird versucht, bei Job- und Wohnungssuche behilflich zu sein, in Zusammenarbeit mit den „Teachers on the Road“ werden Deutschkurse und Sprachtandems angeboten. Gemeinsam kämpft die Gruppe gegen Rassismus und Ausgrenzung und für eine solidarische Gemeinschaft. „Unsere Aktionen sollen endlich einen festen Ort bekommen, damit neu ankommende Geflüchtete leichter eine Unterkunft bekommen und sich in dieser Stadt orientieren und selbstständig eine Existenz aufbauen können“, sagt Matti Klieme. „Ein solches Zentrum wäre auch ein geeigneter Ort, um mehr kulturellen Austausch zu betreiben“, ergänzt Aziz Ahmed.

Kontakt:

Mail: press.project.shelter-ffm@riseup.net

Telefon: 0151–72654523

Website: https://www.facebook.com/Project.Shelter.FFM

Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/880218995348814/

Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/project-shelter


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