Frankfurter Gemeine Zeitung

Frankfurt und der Brexit: höher geht immer – I

City der Oberen Liga

Frankfurt: Existenzmanagement zwischen Finanz und Immobilien
Die Stadt ist aktuell ein „Hot-Spot“, zumindest, was den Immobiliensektor angeht, und wer durch die Stadt flaniert sieht es allenthalben. Nicht nur die grossen Anleger reissen sich um jede Möglichkeit, Flächen zu akquirieren, egal ob unbebaut oder auch nicht. Wer sich die Mühe macht und die entsprechenden Angebote durchsieht, stellt schnell fest, es ist teuer und dieser Trend ist aufsteigend. Abseits der Versprechen der üblichen Verdächtigen, fragt sich manche/r, soll ich investieren? Wie sieht es mit den Sicherheiten meiner Anlage aus, komme ich noch in den günstigen Genuss eines solchen Vorhabens?

Nun hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass solche Entwicklungen von einer Reihe von Faktoren abhängen, die nicht unbedingt in der Stadt ihren Ausgang haben müssen und auch auf den ersten Blick nicht Anzeichen von Krisen sind. Die Zeiten sind halt charakterisiert durch ihre Unbeständigkeiten und Verwerfungen.

Die Liga der Global Cities
Frankfurt gehört in die urbane Oberliga und misst sich auch daran, inwieweit die Stadt fester Bestandteil dieses elitären Zirkels bleibt. Die Rede vom gnadenlosen Wettbewerb der Städte ist uns geläufig und fordert ihren Tribut. Nun gibt es jedoch weitere Aspekte als die Konkurrenz und deren Einfluss sollte nicht ignoriert werden. Neben der Konkurrenz geht es um das Zusammenspiel in dieser Liga und den Faktoren, die hier entweder Sand ins ganze Getriebe streuen könnten oder zu Verschiebungen in der Gewichtung führen. Diese haben nur bedingt etwas mit Stadtpolitik oder den in ihr lokalisierten Betrieben zu tun.

Auch wenn sich die Städte dieser Liga längst von ihrem weiteren Umland entbunden haben, existieren sie nicht in einem abgekoppelten juristisch-politischen Raum – und der kann sich überraschend bemerkbar machen. Eine Verschiebung, die einem Standort erhöhte Bedeutung zukommen lässt, ist der Traum der Lokalpolitiker*innen und dafür sind sie heute bereit alles aufzugeben, was sie gestern noch verkündet haben. Wenn es also andernorts Erschütterungen gibt, beeilt sich der Rest, die Vorzüge des eigenen Platzes darzustellen und die verlockenden Signale auszusenden, mit denen er meint, ein grösseres Stück vom Kuchen für sich ergattern zu können.

Frankfurt ist nach London der bedeutendste europäische Finanzplatz und diese Position ist ziemlich gefestigt. Damit lässt sich unschwer behaupten, die „Attraktivität“ der Stadt wird in nächster Zeit erhalten bleiben und der Run auf die bebaute oder zu bebauende Umwelt ungebremst weiter gehen. Mit Attraktivität ist die Suche nach Lohnarbeit gemeint, sowohl oben als auch unten. Es ist entsprechend davon auszugehen, dass der Zuzug in Stadt auch weiterhin auf dem gegebenen Niveau bleiben wird. Das bietet gute Voraussetzungen dafür, dass weiterhin auf hohem Niveau investiert wird und für kleinere Anleger (oder Selbstnutzer) der Erwerb von Eigentumswohnungen eine lohnende Angelegenheit bleibt.

Europäische Entwicklungen
Abgesehen von Griechenland und dem europäischen Süden überhaupt, steht eine Entscheidung über die europäische Wirtschaftsordnung an, die die angesprochenen Verwerfungen und Verschiebungen beschleunigen könnte. Die Rede ist von dem britischen Volksentscheid über den Verbleib in der EU spätestens 2017, der EU-Ausstieg wird gerne „Brexit“ genannt.

In die Welt der Finanzen ist eine gewisse Unsicherheit ob des Ausgangs dieses britischen  Referendums eingezogen, woraus sich vorbeugende Maßnahmen als unumgänglich erweisen, will man für alle Fälle gerüstet sein – und vor allem abgesichert. Trotz allgemein anderer Ansicht sind diese Akrobaten der grossen Zahlen und ultra-schnellen Abschlüsse im Grunde vorsichtige Leute, die ihre Risiken gerne minimieren.

Sollte nach einem Brexit die Londoner City über Nacht zum Euro-feindlichen Ausland gehören, muss der Ersatz parat stehen. Damit verliert London nicht seine Bedeutung als globaler Finanzplatz, aber seine Bedeutung für den EU-Raum geht zurück. Die Frage ist jetzt, wo wir die Akteure antreffen werden, in Paris oder Frankfurt. Die Entscheidung wird von Erwägungen beeinflusst, die nicht allein in diesen Städten begründet liegen, wenn auch lokale Gegebenheiten keineswegs unwesentlich sind.

Bereits als sich Gerüchte verdichteten, dass die britische Regierung dieses Volksbegehren durchführen würde, begannen laut Wall Street Journal die grossen amerikanischen und asiatischen Banken aus ihren Niederlassungen in Frankfurt selbständig operierende Einheiten zu machen, die jederzeit in der Lage sind, das gesamte operative europäische Geschäft zu übernehmen.

Interessant sind die Begründungen, sich für den Standort Frankfurt zu entscheiden. Da ist einmal – ganz plausibel – die EZB und die europäische Finanzaufsicht. Zum anderen ist Frankfurt in Europa der einzige Handelsplatz für den Renminbi, der chinesischen Währung. Wichtiger erscheint den Bankern allerdings, dass die deutsche Finanzaufsicht als die berechenbarste im europäischen Raum gilt. Sie wird als verlässlich empfunden und ist nicht irgendwelchen Moden oder Strömungen unterworfen, in deren bekannten Unstetigkeiten. Insofern Ausdruck der unverbrüchlichen Treue der deutschen Regierung zur europäischen Idee. Weiter sitzen in Frankfurt bereits an die zweihundert Zentralen und operativ führende Niederlassungen, was die Einflussgrösse des Bereichs in dieser Stadt ausdrückt.

Wird fortgesetzt


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