Frankfurter Gemeine Zeitung

.Laos – eine Zeitreise in die Vergangenheit – eine Verbindung zu Griechenland

Heuer wieder eine neue Prise Sommerakademie: Wissen Sie, was Griechenland mit Laos verbindet? Was harter Reis ist? Was Griechenland – vorerst – erspart geblieben ist?

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Einstieg: Sie sind auf dem Laufenden und wissen, dass die Ukraine einen Staatsbankrott (auch Schuldenschnitt genannt) machen darf, wenn es nach IWF und den USA geht. Im Gegensatz zu Griechenland fließen offen erkennbar die Kreditzahlungen in die Ukraine trotz des ukrainischen Beharrens auf einen Schuldenschnitt wie geschmiert. In der Ukraine werden die westlichen Interessen eben anders verfolgt (näheres bitte in der Linken Zeitung nachlesen).

Kurz gesagt, ist das den geopolitischen Interessenslagen der EU/Deutschland und der USA in der Ukraine geschuldet. In Kiew (ukrainische Hauptstadt) herrscht definitiv keine “linke” Regierung, die man meint, einhegen zu müssen.

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Faschismus light

Hier eine bemerkenswerte Fotoserie des Frankfurter Gradikdesigners und Theatermachers Oliver Utis, die den momentanen Stimmungen der Postpolitik mit Hilfe einer verfremdeten Werbeästehtik nachspürt.

Frau vor Skyline. Logo und Slogan: "Faschismus light -- Keine Aufmärsche. Keine Einmärsche. Keine Kompromisse."

Frau vor Skyline. Text links: "Eine schöne neue Welt"; Text rechts: "... braucht ihren Horror am Rande und an der Peripherie"; Logo und Slogan: "Faschismus light".

Man springt auf Hügelspitze vor Sonnenuntergang. Text rechts: "Gleichschaltung funktioniert einfach besser aus privater Hand." Logo und Slogan: "Faschismus light -- Nachhaltig. Modern. Für die Menschen von heute."

Junge Frau mit Wunderkerze. Text links: "Fackelzüge"; Text rechts: "... sind was für Opi"; Logo und Slogan: "Faschismus light -- Ressentiment & Fun".

Frau vor Sonnenuntergang. Text links: "Ich will mit meinen Ressentiments leben"; Text rechts: "... auch ohne hässliche Pogrome vor der Haustür"; Logo und Slogan: "Faschismus light -- Im Alltag Mensch".

Belebtes Einkaufszentrum. Text links: "Rassismus ist mega-out!"; Text rechts: "Aber wer nicht häppy ist hat schlechte Gene"; Logo und Slogan: "Faschismus light -- Natürlich leben".

Mann vor Sonnenaufgang. Text links: "Ermächtigungsgesetze? Staatsstreiche? -- Nein, danke!"; Text rechts: "Man kann das Rechtsstaatsprinzip auch einfach kollektiv ignorieren"; Logo und Slogan: "Faschismus light -- Agile solutions for our future".

Der Anlass ist Griechenland, die Machthaber in Europa, die deutsche Journaille dazu und die Reaktion der deutschen Bevölkerung darauf. Vor allem letzteres. Wie die Lemuren des Vierten Höllenkreises drückt man die Last, die einen selbst verletzt, mit dem eigenen Leibe gegen Andere. — Wie in dem alten Witz: “Ein Mensch wird von einer Fee besucht. ‘Ich werde dein Glück machen’, spricht sie, ‘und dir jeden Wunsch erfüllen, welcher es auch sei. Aber wisse, was immer du dir wünschst: Deinem Nachbarn gebe ich das Doppelte davon.’ Der Mensch überlegt eine Weile, dann grinst er und antwortet: ‘Nimm mir ein Auge!’” — Es spielt keine Rolle, dass Neoliberalismus, dass Austeritätsprogramme, Deregulierung, Schwächung der Armen und Begünstigung der Reichen einem selbst schaden. Daher braucht man nicht zu glauben, dass nur die “richtigen Argumente” Gehör finden müssten. Ich behaupte: Es gibt bereits ein uneingestandes Halbbewusstsein der Zusammenhänge. Aber wie bei Borderlinern unter Schneidedruck muss geschnitten werden und das Messer soll universal sein.

Doch Griechenland ist nur der Anlass für diese Bilderserie. Die kulturellen Bedingungen, welche diese universelle ethische, ästhetische und metaphysische Verelendung ermöglichen, reichen tiefer. Unsere Sehnsüchte, Sinnsuchen, intuitiven Grundüberzeugungen — die ganze Struktur unseres Begehrens und die Phänomenologie unserer Weltsicht sind nicht “natürlich”, sondern artikulieren sich in sprachähnlichen Mustern. Das nannte man früher “Geist”. Unsere Zeit ist die Schöne Neue Welt. Der Zeitgeist kodifiziert Ideale des guten Lebens in Redeweisen und Visiotypen, die unser Begehren normieren, und zwar sogar bis in die sexuellen Regungen hinein. In diesem Sinne ist Werbung religiöse Kunst. Die so kodifizierten Vorstellungen vom guten Leben stehen zwar vordergründig im einfachen Gegensatz zum realen Horror, doch genau in der einfachen Abstraktheit dieses Gegensatzes sind sie unmittelbar verbunden.

In Bezug auf diese Phänomenologie der Schönen Neuen Welt, ihre Ästhetik und ihre Metaphysik (und meines Erachtens nur darauf, denn nur das ist ihr eigenes Feld) muss Kunst politisch sein. Andernfalls ist es leicht, in das Muster vordergründiger Abgrenzung bei wirklicher Komplizenschaft zu fallen.

Wie schön der “Faschismus light” der Homogenität (d. h. der Normalität, des Allgemeinen) und der “Faschismus Classic” der gewalttätigen Außenseiter zusammenspielen, kann man an der Flüchtlingsproblematik gegenwärtig schön beobachten.


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