Frankfurter Gemeine Zeitung

Frankfurt und der Brexit: höher für wen?

Nach den EU-Kämpfen gegen Griechenland wird ein Brexit, der EU-Austritt Grossbritaniens immer wahrscheinlicher: auch die britische Linke schwenkt auf ihn ein. In Frankfurt machen sich manche Hoffnungen, aber seine möglichen wirtschaftbelebenden Effekte am Main helfen sicher nicht allen. (Fortsetzung von hier)

Frankfurt auf Erfolgskurs
Das mögliche britische „Nein“ hält Frankfurt auf Erfolgskurs, denn das unmittelbare Umfeld dieser Banken muss in der Lage sein, diese Umstrukturierung selbst mitzumachen. Es ist nicht zu erwarten und auch nicht notwendig, dass nun das Personal dieser Banken aus London abgezogen wird und nach Frankfurt umsiedelt, dafür aber, dass der Bereich der gehobenen Dienstleistungen für diese Institute verstärkt wird. Dafür werden Räume benötigt, einmal für die Büros und dann eben auch Wohnungen.

So kann davon ausgegangen werden, der Druck auf Grundstücke und Wohnungen weiter anhalten wird und Investitionen hier mit profitablen Aussichten getätigt. Daran gekoppelt ist auch ein weiterer Zuzug von Menschen, die sich in den subalternen Bereichen einen Job erhoffen. Ein zusätzlicher Effekt ist der ungebremste Zuzug temporär hier Beschäftigter, die auf ihrem Karriereweg Station machen und für 1 – 3 Jahre in diese Stadt kommen. Bereits jetzt stellen sie ein grosses Kontingent, wie die Statistiken ausweisen.

Die hohe Fluktuation garantiert einen zumindest gleichbleibenden Zuwachs der Verzinsung respektive des Marktpreises von Anlagen in Immobilien. Das wiederum macht die Kredite sicherer, die Eigennutzer von ETW aufgenommen haben. Die Verwertungsmaschinerie läuft weiter auf vollen Touren. Da es sich im Unterschied zu anderen Städten um ein Klientel handelt, das zu den Erfolgreichen in diesem Spiel gehört, sind keine „über Nacht“ hereinbrechende Krisen (wie etwa in den USA) zu befürchten.

Und die Stadtpolitik?
Bestens aufgestellt für diese Entwicklung, möchte man meinen, ist zuallererst ein Stadtplanungsamt, das noch jedem Investor die Wünsche von den Lippen abliest. Eine gediegene schwarz-grüne Mehrheit mit einer willigen SPD im Hintergrund.

Es wird in der Stadt am Main eifrig daran gebastelt, die sogenannten „Soft Factors“ zu verbessern, damit die umworbenen Arbeitskräfte sich auch richtig heimisch fühlen, was nichts anderes heisst, als die Stadt gemäß den ihnen unterstellten Bedürfnissen zuzuschneiden, damit sie den anderen Metropolen zum Verwechseln ähnlich funktioniert. Mag es eine Reihe von Fassaden auch nur in dieser Stadt geben, viel wichtiger ist, dass sich hinter ihnen das ewig gleiche Sammelsurium von Konsum Locations befindet. Dereinst einmalige Stadtlandschaften haben längst Platz gemacht für Shopping Malls und ähnliche Behausungen des mehr oder minder gehobenen Konsums.

Diese Qualität von „Alleinstellungsmerkmalen“ ist einer städtischen Logistik gewichen, die sich zumindest in der Liga der Global Cities an einer begrenzten Zahl von Parametern orientiert, die zu ihren Standards zählen. So schwinden die unverwechselbaren Eigenschaften zunehmend und die Entscheidung für einen Standort wird hiervon weniger berührt. Solche weichen Faktoren werden einfach vorausgesetzt und mit wachsender Homogenisierung zentraler städtischer Räume fallen sie immer weniger ins Gewicht.

Gute Aussichten für die Stadt….
Es wird wohl noch eine Weile so weiter gehen und munter investiert werden. Nichts weist darauf hin, dass sich hier eine Blase bildet, solange dem herein strömenden Kapital eine derartige Nachfrage gegenüber steht und sich die Gruppe hoher Einkommen weiter dermaßen drastisch verstärkt. Und auch die städtische Politik sieht keinerlei Anlass, an ihrer Ausrichtung auch nur das Geringste zu verändern, ist dies doch Bestätigung des eingeschlagenen Weges und fördert den anvisierten Reichtum des Zentrums.

Aufwärts, für wen?

..und das Umland
Wir müssen uns von den herkömmlichen Vorstellungen von „Stadt“ verabschieden.
Wurde oben gesagt, dass sich Frankfurt als Global City orientiert, sich von den Entwicklungen des Umlands abkoppelt, so bedeutet dies nicht, dass Letzteres von diesen Entwicklungen unberührt bleibt, denn es wird gemäß den Bedarfen des Zentrums gestaltet, ob dies auch juristische Konsequenzen hat, darf ruhig dahin gestellt bleiben, funktional ist dieser Prozess längst weit fortgeschritten.

Die Erweiterung des gut-situierten Zentrums beschleunigt auch zentrifugale Kräfte (bezüglich Wohnen z.B.) und macht die mehr peripheren Regionen zu Zulieferern von Arbeitskräften und Dienstleistungen, die für die Funkionen des Zentrums unerlässlich sind.
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