Frankfurter Gemeine Zeitung

#PanamaPapers: Ach wie schön ist Panama. Oder, wartet mal…

Gestern war Janosch in allen Munden. Nein, fangen wir anders an.

Eine Riesendatenexplosion hat gestern die Welt erschüttert und aufgewühlt. Klar, wusste man auch davor über die Offshore-Machenschaften, klar, kannte man auch die Briefkastenfirmen, wie beispielsweise in diesem schönen Sketch von “Die Anstalt” aus dem Jahre 2014.

Aber nun hat man 2,6 TB an Daten, die alle Vermutungen untermauern und alle Befürchtungen bestätigen. Die Früchte dieses Meisterstücks des Journalismus (hunderte von Journalisten aus internationalen Presseorganen arbeiteten ein Jahr lang an diesem höchstgeheimen Projekt, ohne davon zu profilieren) hat nun die Süddeutsche Zeitung auf ihren Seiten http://panamapapers.sueddeutsche.de/ präsentiert – und im laufe der nächsten Wochen stückchenweise (wie Snowden) enthüllen wird. Bravo!

Was mir dennoch sofort aufgefallen ist: einige Länder fehlen komplett: sowohl auf der Karte

als auch in der Liste der “Politisch exponierten Personen“.

Klar, es gibt hier die in der westlichen Presse etablierten “Bad Guys” wie Nordkorea, Russland oder Syrien. Es gibt auch ein Paar Europäer wie die jetzt aufgebrachten Isländer oder die Schweiz. Aber ich kann das Gefühl nicht unterdrucken, dass die Länder, von welchen aus die Recherchen geführt wurden, hier unter- oder gar nicht repräsentiert werden.

Wo ist, beispielsweise das komplette Nordamerika? Weder politisch, noch kriminell oder diplomatisch scheint das riesige Land auch keinen kleinsten Bezug auf #PanamaPapers zu haben (abgesehen von den salonfähigen Pauschalhinweisen auf CIA etc.). Wo man anderswo bereits die Staatsoberhäupte der Kriminalität bezichtigt (meistens auch zurecht), erscheint Nordamerika gänzlich wie “tabula rasa”.

Allein die Tatsache, dass die Snowden-Akten, und davor Wikileaks mit CableGate zeigten, wie viel es nicht mit den rechten Dingen in Nordamerika zugeht (auch in finanzieller Hinsicht). Und hier scheint sie nirgendwo involviert zu sein. Wussten sie, dass Mossack Fonseca auffliegen wird (aus vertraulichen Quellen)? Und wo haben sie dann ihre Briefkastenfirmen geöffnet? Und welche Konsequenzen wird die #PanamaPapers-Enthüllung für Amazon, Starbucks & Co. haben?

Und Deutschland? Maschmeyer, Hoeneß, die anderen? Klar, deutsche Banken empfahlen die Postfachfirmen, und auch Siemens hat dreck am stecken. Die zwei Hammerstories aus Deutschland. Aber sonst? Ich hoffe doch, es kommt in den nächsten Monaten mehr.

Ich habe also meine Grunde, an der Vollständigkeit (und daher Objektivität) der #PanamaPapers zu bezweifeln, auch wenn das, was jetzt da ist, ist schon eine Riesengeschichte und Glanzstück des Journalismus. Und ich bin nicht allein.

Der Diplomat und Menschenrechtler Craig Murray, beispielweise schreibt in einem Blogeintrag unter dem Titel “Corporate Media Gatekeepers Protect Western 1% From Panama Leak 112“:

What do you expect? The leak is being managed by the grandly but laughably named “International Consortium of Investigative Journalists”, which is funded and organised entirely by the USA’s Center for Public Integrity. Their funders include

Ford Foundation
Carnegie Endowment
Rockefeller Family Fund
W K Kellogg Foundation
Open Society Foundation (Soros)

among many others. Do not expect a genuine expose of western capitalism. The dirty secrets of western corporations will remain unpublished.

Alles Verschwörugstheorien? Was denken Sie?

 


4 Kommentare zu “#PanamaPapers: Ach wie schön ist Panama. Oder, wartet mal…”

  1. gaukler

    Nun, sind wir doch mal nachsichtig, und nehmen an, dass der Kundenstamm dieses Ladens tatsächlich nicht Nordamerika einschließt. Sollte man warten, bis ein entsprechendes Leak in einer Firma mit nordamerikanischen Kunden gefunden ist?
    Zudem lässt sich konstatieren, dass die USA bei den bisherigen Leaks immer im Zentrum des Geschehens standen, oder?

    Sprich: was heißt hier “Verschwörungstheorien”? Sind mir zu fragwürdige Reflexe.

  2. Stefanie Rauck

    Nee, genau dass sollten wir nicht!
    Ein Leak, finanziert von amerikanischen “Stiftungen” und Großindustriellen, der so zielgerichtet die eigene Klientel ausspart hat definitiv ein Geschmäckle. Ich denke, ist mal wieder an der Zeit die grundlegende Frage zu stellen: Warum macht man so etwas, und wer hat davon einen Vorteil. Teilen wir das mal in die politische und wirtschaftliche Komponente auf.
    a) Wirtschaftlich: es ist wohl unwahrscheinlich das die (US) amerikanischen Steueroasen auch von solchen “Leaks” bedroht sind, was zu einer Verlagerung von Vermögen in die USA führen wird. Nicht gerade schlecht für das am höchsten verschuldeten Land der Welt, vor allem wenn man jederzeit seine Steuergesetze wieder ändern kann um diese Schwarzgelder ordentlich zu besteuern.
    b) Politisch: Ich denke, dass da die Russen gar nicht so falsch liegen, wenn Sie davon ausgehen dass das benutzt werden soll um die nächsten Wahlen durch eine Schmutzkampagne zu beeinflussen. Ich denke dass schon der Name Soros ein Garant für ein solches Vorgehen darstellt.
    Außerdem was lehrt uns die Geschichte: Ein Leak nachdem die “Leaker” nicht im Gefängnis oder im Exil landen ist wohl kein Leak.
    Steffi

  3. Einsicht

    Aaaah, ein imperialistischer Akt des US-Imperiums gegen den Rest der Welt und den bedrohten, bemitleidenswerten Spezies mit Investitionseifer dort.
    Mir kommen die Tränen, wenn ich die Liste auch für Westeuropa lese!

  4. Stefanie Rauck

    Meine Hochachtung.
    Schnell reagiert, Inhaltlich nur leere Sprechblasen abgeliefert und trotzdem gekonnt getrollt. Eine wahre Profileistung.

Einen Kommentar schreiben

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.

 

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.