Frankfurter Gemeine Zeitung

Darf/ Soll/ Kann man noch DADA machen?

Ein Freund von mir, der auch Mitglied des Künstlerkollektivs „Traumschläger“ ist, lud mich am 19.05. zu einer Dada-Performance im Kunstverein Familie Montez ein.
Leider hatte ich dafür aufgrund meiner persönlichen Situation als berufstätiger Familienvater einfach keine Zeit gefunden und konnte die Performance nicht anschauen.

Doch der Gedanke an die Dada-Performance ließ mich nicht mehr los. Ich stellte mir die Frage, ob Dada als Kunstform sich nicht inzwischen selbst dermaßen überlebt hat, dass eine solche Performance kaum mehr als ein circle jerk innerhalb der echo chamber einer für alles aufgeschlossenen und irgendwie auch links eingestellten, aber gesellschaftlich und politisch irrelevanten Szene kunstinteressierter Großstädter sein könnte.

Auf den Bühnen und Ausstellungen moderner Kunstrichtungen ist inzwischen so ziemlich alles erlaubt. Die künstlerische Provokation ist keine Provokation mehr und dort wo sie versucht, durch eine Brechung der „Political Correctness“ Provokation zu schaffen, ist sie reaktionär und abgeschmackt.
Einen ins geradezu Unermessliche erweiterten Kunstbegriff kann man nicht mehr sprengen.
Das für die moderne Kunstszene leider oftmals typische Publikum, bestehend aus postmodernen Hedonismus-Bots (kleiner Verweis auf die geniale Serie „Futurama“), goutiert auf Teufel komm raus jede Veranstaltung deren vorhergehendes Kulturmarketing gut genug war, sein Interesse zu erregen.

Wer heute Dada macht, geht kein Wagnis mehr ein. Wer in den Anfängen des Dada Dada wagte, ging das Risiko ein, von der Kunstwelt verfemt und verstoßen, zumindest aber nicht ernstgenommen zu werden.
Wer zu Zeiten des Dritten Reiches wagte, Dada zu machen, lief gar Gefahr als Schöpfer „entarteter Kunst“ in die faschistische Vernichtungsmaschinerie gestoßen zu werden.
Durch die Verfolgung und Verfemung in vergangenen Zeiten ist Dada geadelt. Dada die Berechtigung abzusprechen, hieße sich ein Stückweit in eine Reihe mit seinen einstmaligen Feinden zu stellen.
Dies macht die heutige Position des Dadaisten jedoch auch sehr bequem- vielleicht sogar zu bequem, als dass Dada heute noch irgendwen oder etwas außerhalb des intellektuell inzestuösen Kreises der Kunstszene bewegen könnte.

Ist Dada nur ein zwar drolliges aber dennoch eigentlich ausgestorbenes Kuriosum wie der Dodo; etwas das noch als Museumsstück taugt, in freier Wildbahn aber nicht mehr anzutreffen ist?
Es gibt ein Ereignis, das mich zwar traurig stimmt, welches in meinen Augen aber das Gegenteil beweist.
Noch Anfang 2016 musste in Köln ein Konzert des „Concerto Köln“ in der Philharmonie abgebrochen werden, weil es zu einem Tumult im Publikum kam. Stein des Anstoßes war das Stück „Piano Phase“ (1967) von Steve Reich.
Bereits zuvor wurde der Cembalist Mahan Esfahani, der auf Englisch in das Werk einführte, durch aggressive Zwischenrufe er solle gefälligst Deutsch sprechen, gestört.

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil des anwesenden Publikums vermeintlicher „Bildungsbürger“ durchaus in der Lage gewesen wäre, einen englischsprachigen Vortrag zu verstehen, zumal die internationale Kommunikation in Wissenschaft und Wirtschaft nun einmal zu einem Großteil auf Englisch stattfindet.
Von daher scheint es mir naheliegend, dass es hier nicht um ein Verständigungsproblem ging, sondern vielmehr den Wunsch, dass „der Ausländer da vorne sich mal endlich anpassen und die Klappe halten“ soll.
Aus meiner Sicht zeigte das Publikum somit seine reaktionären Reflexe. Dass es dann später von Seiten dieses Publikums ein Aufbegehren gegen das Stück „Piano Phase“ gab, passt in dieses Bild.

Die Abneigung gegen alles Künstlerische, was ein Bisschen abstrakter, weniger gefällig und weniger leichtverdaulich ist, beobachte ich oft bei autoritären Persönlichkeiten.
Auch unter manchen meiner Arbeitskollegen konnte ich ähnliche Reaktionen beobachten, wenn es in Gesprächen um das Thema „moderne Kunst“ ging und zwar vor allem bei solchen, die sich auch an anderen Stellen durch eine Law-and-Order-Haltung und einen erzkonservativen Rigorismus auszeichnen.

Es kommen dann Kommentare wie:

- „Sowas ist doch keine Kunst.“
- „Da kann ja jeder auf die Leinwand klecksen und das Kunst nennen.“
- „Dafür werden UNSERE Steuergelder verschwendet.“
- „Diese ganzen modernen Künstler sollten lieber mal etwas Vernünftiges machen.“

Das einfache Statement „ich kann mit dieser Form von Kunst nichts anfangen“ reicht diesen Leuten oft nicht.
Beim Thema „Moderne Kunst“ zeigt so mancher konservative Bürger noch immer einen völlig irrationalen Furor, der sich auf das Vorurteil stützt, dass der Künstler ein „verkommenes, dekadentes und arbeitsscheues Subjekt“ sein müsse, da er ja „nichts Nützliches für die Gesellschaft“ produziere. Auch wenn kaum noch jemand heutzutage den Begriff „entartete Kunst“ benutzen würde, gibt es leider doch genug Leute, für die er als gedankliche Kategorie weiterexistiert.

Kunst scheint im Geiste dieser Leute nur als Dekoration der gesellschaftlichen Verhältnisse ihre Berechtigung zu haben. Sie soll bitteschön „geistige Erbauung und Entspannung“ sein, „ihren Beitrag zu Bildung und Erziehung leisten“ und nicht die Abläufe stören. Zuviel Abstraktion, sowie mangelnde Ziel- und Zweckgerichtetheit sind unerwünscht.
Hiergegen anzustinken, ist und bleibt Aufgabe des Dadaisten.

So lange Dada diese Leute demaskieren, sie durch den Kakao ziehen und ihnen eine lange Nase drehen kann, kann/darf/soll/muss man Dada machen. Am besten sollte Dada dabei jedoch nicht im eigenen Saft schmoren, sondern genau dorthin gehen, wo es immer noch manchem wehtut.


Protest zahlt sich aus! Die Initiative „Eine Stadt für alle! Wem gehört die ABG?“ begrüßt angekündigten Mietenstopp

Angesichts steigender Mieten und zunehmender Verdrängung fordern Frankfurter Mieterinitiativen, Stadtteilgruppen und engagierte Einzelpersonen seit vielen Jahren einen grundlegenden Wandel der Geschäftspolitik bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG-Frankfurt Holding. Eine der zentralen Forderungen – ein sofortiger Mietenstopp bei der ABG – wird im gestern veröffentlichten Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung endlich aufgegriffen: Für die nächsten 5 Jahre sollen die Mieten bei der ABG nur noch maximal um 1% pro Jahr (statt 10% in drei Jahren) steigen dürfen. Andrea Kempkes von der Kampagne „Eine Stadt für alle! Wem gehört die ABG?“ schlussfolgert: „Der Widerstand gegen Verdrängung lohnt sich und Protest für eine soziale Wohnungspolitik zahlt sich am Ende aus!“

Angesichts dieses Erfolgs, den unzählige Aktive mit langem Atem und viel Geduld erkämpft haben, hoffen wir, dass sich zukünftig noch mehr Mieterinnen und Mieter organisieren und für ihr Recht auf Stadt eintreten. Denn es bleibt weiterhin viel zu: Der Abriss von günstigen städtischen Wohnungen (z.B. in der Cordierstraße im Gallus) muss verhindert, eine 100% Quote (statt nur 40%) für geförderte Wohnungen im Neubau der ABG durchgesetzt, Mietermitbestimmung eingeführt, der Mietenstopp auch auf die Nassauische Heimstätte und andere öffentliche Wohnungsbaugesellschaften übertragen, Luxussanierungen und Umwandlungen verhindert sowie bezahlbarer und qualitätsvoller Wohnraum auch für Geflüchtete geschaffen werden.

Der jetzt von der neuen Stadtregierung angekündigte Mietenstopp bei der ABG zeigt diesbezüglich zweierlei: Der politische Druck von unten und die kontinuierliche, gemeinsame Arbeit zeigen Wirkung. Und: Wenn die Stadt es tatsächlich will und sich nicht hinter vermeintlichen Sachzwängen versteckt, kann sie wohnungspolitisch gestalten. Eine andere, solidarische und sozial ausgerichtete Stadtpolitik ist möglich. Dafür werden wir auch weiterhin kämpfen!

http://stadt-fuer-alle.net/


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