Frankfurter Gemeine Zeitung

Über den Wert von Videoüberwachung bei Verhinderung und/oder Aufklärung von Kriminalität: Was KriminologInnen dazu sagen

Seit Wochen wird – insbesondere von Innenpolitikern der CDU/CSU – in einem wahren Trommelfeuer der flächendeckende Ausbau der Videoüberwachung gefordert. Die mediale Aufmerksamkeit ist den Herren Thomas de Maizière (Bundesinnenminister), Klaus Bouillon (Innenminister des Saarlands, Vorsitzender der Innenministerkonferenz) u. a. sicher. Ihre Aussagen werden hundertfach wiederholt. Egal ob sie ihre Forderungen begründen mit

  • den Erfordernissen bei der Bekämpfung terroristischer Aktivitäten;
  • der angestrebten Erhöhung des Sicherheitsgefühls der BürgerInnen;
  • der Erfolge bei der Zurückdrängung von Kriminalität oder
  • der Erfolge bei der Aufklärung von Straftaten.

Was in der öffentlichen Wahrnehmung und Debatte leider zu wenig wahrgenommen wird sind Stellungnahmen von Fachleuten, die sich wissenschaftlich mit Kriminalität, ihren verschiedenen Ausprägungen, mit TäterInnen-Verhalten und in diesem Zusammenhang auch mit Videoüberwachung als Instrument zur Reduzierung und zur Aufklärung von Straftaten beschäftigen. Hin und wieder kommen VertreterInnen dieser Spezies in einzelnen Medien zu Wort; ihre Beiträge werden aber leider nicht in gleicher Weise wie die Äußerungen von de Maizière und Bouillon beachtet und besprochen. Auf zwei dieser Beiträge soll hier hingewiesen werden.

In der Saarbrücker Zeitung vom 24.12.2016 kam die Kriminologin Prof. Dr. Rita Haverkamp (Universität Tübingen), Mitglied im Forschungsbeirat des Bundeskriminalamtes (BKA), unter der Überschrift „Ein Terrorist will entdeckt werden“ zu Wort.

  • Auf die Frage Wo ist Videoüberwachung besonders wirksam? antwortet sie: „In Parkhäusern, insbesondere wenn sie mit verbesserter Beleuchtung und deutlichen Hinweisen auf die Videoüberwachung kombiniert wird. Die Zahl der Diebstähle von und aus Fahrzeugen sank so um gut 40 Prozent. In Stadtzentren, Wohngebieten oder im öffentlichen Nahverkehr hatte die Videoüberwachung aber nur einen geringen oder keinen signifikanten Effekt auf die Kriminalität…“ Die Anschlussfrage „Aber Sie erhöht das Entdeckungsrisiko für potenzielle Täter“ beantwortet sie mit: „Das ist der Gedanke an den vernünftig handelnden Täter. Das hat grundsätzlich auch etwas für sich. Aber Gewalttäter handeln häufig spontan, sind alkoholisiert und enthemmt und achten nicht auf Videokameras…“
  • Und die Frage „Es heißt, Überwachungskameras erhöhen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Stimmt das? beantwortet sie mit: „Vor kurzem wurden dazu Ergebnisse aus der Schweiz veröffentlicht. Es wurde festgestellt, dass es keinen objektiv messbaren Effekt auf die Kriminalität gab, aber dass sich die Bevölkerung durch die Videokameras sicherer fühlte… Man muss sich natürlich überlegen, wohin solche Begründungen führen können. Zumal ja auch Gewöhnungseffekte eintreten. In fünf oder zehn Jahren erhöhen die Kameras vermutlich nicht mehr das subjektive Sicherheitsgefühl. Dann stellt sich die Frage nach einer weiteren Aufrüstung…“. Weiterlesen »

Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.