Frankfurter Gemeine Zeitung

Ausschluss von Kindern schon in der Grundschule

Kinder während der Grundschulzeit in der Schulbetreuung unterzubringen ist überhaupt nicht einfach. Obwohl schon die Kleinsten für drei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, soll mit Eintritt in die Grundschule alles schwerer werden. Jetzt, da gerade die Schule wieder begonnen hat, geraten deswegen viele Eltern unter Erklärungsdruck, wenn sie sich nicht in einem konventionellen Angestelltenverhältnis befinden.
Nun gibt es aber verschiedene Arten von Lebensmodellen, ebenso verschiedene Gründe, weswegen eben kein Angestelltenverhältnis besteht. Das Leben ist vielfältig, davon müssen wir ausgehen.

So geht´s nicht

Eines ist dabei allerdings gewiss, es kann nicht nur die klassische Erwerbstätigkeit ausschlaggebend für den Erhalt eines Betreuungsplatzes sein. Alle Kinder müssen Anspruch auf die gleichen Möglichkeiten der Partizipation haben, wobei die Situation der Eltern hier nicht Ursache des Ausschlusses sein darf. Auch sind nicht alle Situationen selbst verursacht oder gewollt.

Nehmen wir mal den Fall einer alleine erziehenden Mutter, deren Sohn schon im dritten Jahr die Betreuung besucht, die arbeitslos wird. Ab diesem Moment ist der Anspruch von Mutter und Kind verwirkt, er erlischt und stellt beide vor unverständliche Tatsachen. Der Junge wird aus seinem Umfeld brutal herausgerissen, egal ob er will oder nicht. Wie die meisten Kinder geht auch er gerne in die Betreuung, die aus mehreren Gründen eine sehr positive Sache ist. Nur leider nicht mehr für ihn. Besagter Mutter bleibt also nichts anderes übrig, als ihren Sohn mittags, öfters schon vor ein Uhr, zu empfangen.

Als Frau Sauer, nennen wir sie jetzt Frau Sauer, diesen Umstand bei ihrem Zuständigen Sachbearbeiter der Arbeitsagentur bekannt geben muss, wird ihr prompt das ihr zustehende Arbeitslosengeld gestrichen, womit sie zu einer Hartz IV Empfängerin wird. Die Begründung: Sie sei jetzt nicht mehr vermittelbar, mit einem Grundschulkind zuhause, könne sie nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt angeboten werden. Welch ein Zynismus. Mit dem Problem an sich, müssen sich ab jetzt Mutter und Kind alleine auseinandersetzen. Besonders die Mutter, die in einem Teufelskreis stecken bleibt.

Oder nehmen wir den Fall von Familie Fleißig, wo die Mutter einer geringfügig bezahlten Beschäftigung nachgeht und der Vater als Selbstständiger partiell nicht viel zu tun hat. Kommt immer häufiger vor. Auch hier haben die Kinder nicht wirklich einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Bei geringfügigen Jobs arbeitet man ja nicht soviel und der Vater hat nichts zu tun, so die Argumentation des ablehnenden Amtes. Erst nach mehreren Bescheinigungen und vehementeren Diskussionen, wird dem Kind ein Betreuungsplatz, gerade so eben, zugestanden. Das aber nur nach der Schule, also nur mittags, bis um 13.00 Uhr. Dass die Mutter allerdings schon vor acht im etwas weiter entfernten Büro sein sollte, wird natürlich ebenfalls nicht zu Kenntnis genommen.
Peinlich und kleinlich. Typisch. So gibt es noch viele diverse Situationen, wie z.B: die einer alleine erziehenden Selbstständigen, die sich dauerhaft um Krankheitsfälle, Todesfälle und andere familiäre Tragödien kümmern muss, neben drei Kindern und dem Haushalt permanent arbeitet, aber noch kein Einkommen nachweisen kann. Da sie sich gut privat finanzieren kann, sind auch die Kosten der Betreuung gedeckt. Auch hier besteht wohl kein Betreuungsanspruch für das Kind, obwohl auch hier das Kind sich immer besonders auf die Betreuung freut.

Es ist ein elementarer Bestandteil seines Lebens, sich in diversen Kindergruppen zu bewegen, worauf es sicher nicht verzichten möchte. Die vielen Mütter die wegen kleinerer Geschwisterkinder ohnehin zuhause bleiben müssen, sind in einer ähnlichen Situation. Dieser gesamte Sachverhalt ist demnach für alle Beteiligten äußerst ärgerlich und inakzeptabel.

Deshalb ist die zentrale Frage, warum tut man das  den Kindern an? Warum schließt man sie aus? Wollen Kinder nicht gemeinsam lernen und Hausaufgaben machen, zusammen essen und spielen? Wenigsten ein paar Tage in der Woche! Das muss machbar sein. Ebenso ist es geradezu grotesk zu glauben, dass alle diese Leute nichts zu tun hätten. Als wäre die reine Erwerbstätigkeit die einzige legitimierte Arbeit, die es zu unterstützen gilt. Als wäre eine Erwerbstätigkeit das einzige Argument zur Betreuung. Wer so denkt, hat vom Leben nichts begriffen.

Das sollte so nicht sein, wenn man sich klar macht, wie eingeschränkt zukünftige Perspektiven dadurch werden, denn es werden den Eltern und vor allem den Müttern förmlich die Hände gebunden. Warum tut man das also den Eltern an? Warum ist das so? Die Antwort ist ganz einfach (übel): Weil die politische Satzung das so vorschreibt. Diese Satzungen, die man in den Rathäusern der Städte und Kommunen findet, meistens CDU/FDP regiert, wie die Beispiele aus Kelkheim bei Frankfurt zeigen. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, mit welchen Slogans Wahlkampf betrieben worden ist, nämlich dem Versprechen Familie und Beruf vereinbaren zu können und in einer Kinderfreundlichen Stadt zu leben, dann wird wiedermal die Ungerechtigkeit allzu offensichtlich.

Hier wird abermals zu deutlich, dass nur dem brav verdienenden Teil der Bevölkerung Zugeständnisse gemacht werden, alle Anderen müssen draußen bleiben. Sogar die Kinder, sogar schon in der Grundschule. Warum sollte auch etwas daran geändert werden, die Methode Ausschluss funktioniert doch immer noch am einfachsten.

Dabei wäre es so einfach diese Ungerechtigkeit abzuschaffen: Solche Satzungen müssen geändert werden – Sofort !


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