Frankfurter Gemeine Zeitung

Frau Mund, ich hab da so meine Fragen…

Hallo Frau Mund, da ich jetzt einige Montage damit beschäftigt war, gegen Sie und ihresgleichen zu demonstrieren, sind mir einige Fragen über ihre Person ins Bewusstsein geraten. Man fragt sich ja schon, wie der Andere genau tickt, wenn man bei Kälte und Dunkelheit sich die Beine in den Bauch steht.(Immerhin, der Frühling scheint bald zu kommen). Gerne hätte ich Sie das selber gefragt, aber die Umstände ließen dies nicht zu. Also probiere ich es über diesen Weg und bitte haben Verständnis, wenn ich Ihnen als Antwortmöglichkeit nur die Kommentarfunktion anbieten kann. Meine private E-Mail-Adresse möchte ich ungern öffentlich machen, da ich wohl ansonsten die freien Feierabende (Sie wollen ja regelmäßig wiederkommen) damit beschäftigt wäre, mein Postfach von unflätigen Mails zu säubern.

1. Wie vereinbaren Sie ihren Anspruch auf Friedfertigkeit, wenn Sie doch vor nicht allzu ferner Zeit eine Rede bei HogeSa Hannover gehalten haben?
Das mit der Friedfertigkeit unterstelle ich Ihnen einfach mal zu Ihren Gunsten. Warum also ihre Rede zu diesem Anlass? Hooligans sind Gewalttäter, das zeichnet sie als solche aus. Es sind nicht irgendwelche Typen, die sich um eine Frau oder die Ehre (was immer das ist) schlagen, sondern um Männer, die im freundlichsten Fall als süchtig nach Gewalt beschrieben werden können. Das Hooligans für gewöhnlich erst einmal sich nur gegenseitig die Zähne ausschlagen, mag zwar beruhigen, es ändert aber nichts daran, dass körperliche Gewalt gesucht und genossen wird. In der Vergangenheit haben Hooligans aber auch immer wieder Polizisten verletzt und 1998, bei der WM in Frankreich, kam es sogar dazu, dass deutsche Hooligans den Polizisten David Nivel zum Pflegefall getreten haben. Wenn also Hooligans gegen Salafisten aufmarschieren, ist die Gewalt vorhersehbar. So weltfremd können Sie gar nicht sein, um zumindest nicht ansatzweise den Widerspruch zu ihrem Glauben zu erkennen.Nein, dass haben Sie garantiert bemerkt und Ihnen ist da was eingefallen, was tief religiösen Menschen mit messianischem Anspruch immer einfällt: Sie setzen alles analog zu ihrer jeweiligen „Heiligen Schrift“. Sie schreiben ihrem Beitrag auf PI-News über HogeSa Hannover, das „Männer von denen niemand etwas Gutes erwartet Geschichte schreiben“.Klingt doch nach der Geschichte vom Saulus zum Paulus. Sünder brechen auf, um das Abendland zu retten. Vielleicht interpretiere ich da etwas über, aber anderseits müsste ich Sie dann für etwas schlicht halten.
Ach, ehe ich es vergesse: Geschichte schreiben ist an sich noch keine gute Tat.

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Sonntags an der EZB

Was kann man an einem sonnigen Sonntagfrühnachmittag in Frankfurt eigentlich so machen? Gewiss, schönes Wetter muss nicht davon abhalten sich in seiner gemütlichen Wohnhöhle mal alle Teile von Saw am Stück anzusehen oder im Keller endlich so richtig auszumisten .

Falls man doch etwas biophiler veranlagt ist und man die Preise in den Eiscafes nicht für weniger wahnsinniger hält als die Politik der EU-Troika, für den bot der vergangene Sonntag eine prima Gelegenheit zumindest gegen letzterem Ausdruck zu geben. Das Blockupy-Bündnis hatte aus gutem Grund zum Spaziergang um das Areal der EZB im Ostend eingeladen und ca. 200 Menschen nahmen die Einladung an. Protest muss nicht immer bierernst sein und auch nicht immer in kilometerlangen Märschen münden. Den neben Frühlingslaune gab es noch selbstgebackenen Kuchen, Kinderschminken und Eimer umwerfen. Wobei diese mit den Konterfeis der neoliberalen Politikerkaste beklebt waren. Nicht sehr subtil, steigerte aber die Freude. Während des Spaziergangs blieb noch Gelegenheit den Zaun informativ zu gestalten.

Die Spaziergänge sollen in Zukunft an jedem vierten Sonntag im Monat stattfinden. Das wäre doch die Gelegenheit eine neue Frankfurter Tradition zu etablieren. Traditionen müssen nicht immer nur den Konservativen vorbehalten sein, die glauben damit die asozialen Innovationen des Neoliberalismus abzufedern.

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Die Identitären – Auch Rechte wollen Teil einer Jugendbewegung sein

Eine neue Initiative, genant die „Identitäre Bewegung“, tritt an eine rechte Jugendbewegung auf dem Weg zu bringen. Einige Zeitungen haben darüber berichtet. Ihre Homepage ist auf diversen rechtspopulistischen Seiten verlinkt. Ein Blick auf Homepage und in Facebook offenbart das Potenzial, aber auch der Grund für ein mögliches Scheitern der Identitären.
Aber der Reihe nach. Die Idee dahinter ist aus Frankreich importiert, wobei der geistige Vorläufer aus den Sechzigern stammt. Die Gruppe GRECE um Alain de Benoist, schickte sich zu diesem Zeitpunkt an rechtes Gedankengut zu modernisieren. Das Ergebnis war eine Abkehr von völkischen Argumentationsmustern und die Hinwendung zur Kultur als trennendes Element. Also nicht mehr die Rasse, sondern die unterschiedliche Kultur mache das Zusammenleben von Weiß und Schwarz unmöglich. So konnte man rassistisch sein ohne rassistisch zu sein. Daran schließt die „Identitäre Bewegung“ an. Als wesentliches Element ist inhaltlich die Islamphobie hinzugekommen. Gleichzeitig bemühen sie sich von Nazis abzugrenzen.

Ähnlich der GDL ist auf ihren Webseiten eine starke Symbolik und knallige Farbgebung – Kontrast von Schwarz und Gelb – vertreten. Allerdings ist hier der Bezug die Ästhetik des Film „300“ ,der Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Frank Miller. Prominent hierbei ein Lambda Zeichen in einem Kreis, analog zum Film in welchem die Krieger Spartas das Zeichen auf ihren Schildern trugen. Insgesamt wirkt das Artwork dynamisch und auf der Höhe der Zeit. Damit unterscheiden sie sich visuell von „Weltnetzseiten“ von Rechtsradikal- und extremen ( inklusive NPD ) in der Schwarz-Weiß-Rot immer noch die dominierende Farbgebung ist und somit mit der Vergangenheit assoziiert bleiben. Ähnlich verhält es sich mit Seiten von Burschenschaften, in der Regel zwar farblich neutral aber auf den Fotos sehen die Burschen immer noch aus wie vor hundert Jahren. Seiten von Rechtspopulisten und Wertkonservativen sind hingegen häufig bemüht sachlich zu wirken. Die Identitären sind somit die Einzigen die einen Bezug zur Popkultur und somit zum hier und jetzt herstellen.
Nun ist es so, dass auch im Jahre 2013 eine Politisierung der Massen genauso ausbleiben wird wie in den Jahren davor, unabhängig von der Richtung. Dennoch halte ich es für wahrscheinlicher in einer nicht rückwärtsgewandten Form eher möglich junge Menschen anzusprechen, die sich bisher nicht in der politischen Sphäre bewegen und einmal als Multiplikatoren in neue Milieus hinein wirken könnten.

Das Dilemma der Identitären beginnt aber, wenn man die hinterlegten Texte liest. Zwar fehlt es nicht an Bemühungen ihre Sichtweise als spezifisch jugendlich darzustellen, inhaltlich bleibt es aber bei dem selben Absinth mit dem schon Generationen Rechtskonservativer vor ihnen den Untergang des Abendlandes herbei halluziniert haben:
„Entwurzelt und orientierungslos habt ihr uns in diese Welt geworfen, ohne uns zu sagen wohin wir gehen sollen, wo unser Weg liegt. Und alles was uns Orientierung hätte geben können, habt ihr zerstört. Die Religion habt ihr zertrümmert und so finden nur wenige von uns in den Trümmern dieser Gesellschaft noch Zuflucht. Den Staat habt ihr entwertet, und so will niemand von uns mehr dem Ganzen dienen.
Die Familien habt ihr entzweit, und so sind Scheidung, Streit und Gewalt unsere “heimische Idylle” geworden. Die Liebe habt ihr reduziert, und so bleibt uns statt tiefer Verbundenheit nur der animalische Trieb. Die Wirtschaft habt ihr ruiniert, und so erben wir euren Berg von Schulden.
„Unsere Geschichte, unsere Heimat und unsere Kultur geben uns, was ihr uns genommen habt. Wir wollen nicht Bürger der Welt sein, denn wir sind mit unserer eigenen Heimat glücklicher. Wir wollen kein Ende der Geschichte, denn unsere Geschichte gibt uns keinen Grund sie zu beklagen.“

Gemeinschaft und Religion hinüber und anstelle von Familie interessieren sich die Leute nur noch fürs Poppen. Keine Sinnstiftung weit und breit und auch keiner, der sagt wo es lang geht. Kennt man so ähnlich vom besagten Oswald Spengler und seinen Kumpels bei den
Konservativen Revolutionären aus dem letzten Jahrhundert, nur eben im zeitgemäßen Kontext eingebunden. Dabei ist aber eine Menge an Tiefenschärfe verloren gegangen ( was man den Originalen zusprechen muss) . Das Scheidung Gewalt nach sich zieht ist eine, nun ja, ungewöhnliche Sichtweise. Das die Wirtschaft ruiniert ist, kann man, trotz Finanzkrise, nicht mit einem Blick in den Wirtschaftsteil einer Zeitung belegen. Das einst von Francis Fukuyama, der nun garantiert nicht dem Marxismus-Leninismus verdächtig, ausgerufene „Ende der Geschichte“, bedeutete nicht das diese aufhört zu existieren, sie würde in seiner Lesart einfach nicht weiter gehen. Und wenn wir gerade bei der Historie sind – angesichts der Tatsache das die deutsche Geschichte auch jenseits des dritten Reiches voller Gewalt und Unterdrückung steckt sollte Anlass genug sein, selbst wenn man auf das Hambacher Schloss o.ä. Zinnober stolz ist, ein ausreichend distanziertes Verhältnis zu entwickeln. Man könnte das alles noch ewig weiter führen und der Artikel würde nie fertig werden. Dabei ist noch nicht einmal das zentrale Dilemma angesprochen, nämlich dass der ominösen Identität die sie gefunden haben. Wer etwas findet und damit glücklich sollte in der Lage dies zu beschreiben oder zumindest zu umschreiben. Die Identitären liefern nur Schlagwörter wie Heimat, Tradition, Volk oder Kultur. Eine nähere Bestimmung unterbleibt, was den Vorteil hat das jeder alles hinein projizieren kann wie es beliebt. So haben sie etwas gefunden was sie für den „wahren Volkswillen“ halten, aber in Wirklichkeit nur ihre eigenen Größenphantasien sind. Wer auf der Suche nach Identität ist, wird bei ihnen nur auf kitschigen Pathos und Selbstbeweihräuscherung treffen.
Andererseits, chronisches Irren ist auch eine Form von Identität. Das ist nicht Sparta, dass sind die Identitären!


Kundgebung vor dem spanischen Konsulat am 13. Juli – todos somos mineros

Organisiert von Occupy:Frankfurt wurde eine Solidaritäts-Demo für die spanischen Bergarbeiter, die gegen den Sozialabbau durch die konservative Regierung kämpfen.


Deutsche Verteidigungsliga – auch in RheinMain

Passend zum Nationen-Kampf gegen Wettbewerber und Verlierer wie Griechenland oder Portugal und ähnliche Luschen auf dem Platz und der Ökonomie verzeichnen schwarz-rot-goldene Enthusiasten neue Organisierung. Und das ist überhaupt nicht mehr zum Lachen, besonders wenn solche rechtsradikalen Trupps in Frankfurt wie am gestrigen Samstag in Ginnheim aufmarschieren können: unter massivem PolizeiSCHUTZ! Bedenken und Verbote wie bei den Demonstranten mit Grundgesetz an der Paulskirche vor einem Monat finden sich hier bei Schwarz-grün und Polizeiführung in Frankfurt nicht.

Polizeischutz für GDL - 23. Juni inf Frankfurt Ginnheim

Wer bisher dachte GDL stehe ausschließlich für Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wird sich in Zukunft möglicherweise darüber wundern wenn zu vernehmen ist, dass irgendwo eine Schlägerei zwischen Salafisten und Mitgliedern der GDL entbrannte. Es sind dann aber nicht aufrechte Gewerkschafter mit Qualifikation zum Führen eines Schienfahrzeuges, die sich ein Händel mit religiösen Spinnern geliefert haben Die Rede ist von der German Defence League, abgekürzt GDL. Diese orientiert sich an der English Defence League.

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